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Nur eine Frage: Wie gingen die Ritter in Rüstungen aufs Klo, Frau Engemann?

Wo: Burg Posterstein, Posterstein auf Karte anzeigen
Eine mittelalterliche Rüstung, die aus ziemlich vielen schweren Teilen bestand, konnte man weder allein an- noch ausziehen.
Eine mittelalterliche Rüstung, die aus ziemlich vielen schweren Teilen bestand, konnte man weder allein an- noch ausziehen. (Foto: Burg Posterstein/Franziska Engemann)
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Franziska Engemann ist Expertin für das Mittelalter im Museum Burg Posterstein im Altenburger Land. Sie beantwortet die Frage: Wie gingen die Ritter in Rüstungen aufs Klo?

Der mit einer eisernen Rüstung gepanzerte Ritter - das Symbol für Burgen und das Mittelalter überhaupt. Eine mittelalterliche Rüstung, die aus ziemlich vielen schweren Teilen bestand, konnte man weder allein an- noch ausziehen. Die Prozedur dauerte grob geschätzt eine Stunde.

Ob sie vorher noch ein "Geschäft" zu erledigen hatten, mussten sich die edlen Recken daher genau überlegen. Denn einige Ritterrüstungen werden ohne Träger auf ein Zentner Gewicht geschätzt. Und fiel ein so gepanzerter Reiter einmal vom Pferd, konnte er alleine nicht wieder aufstehen. Das galt auch für das Aufstehen vom Abort, der in Burgen wie auch auf der Burg Posterstein - unten zum Wehrgraben hin offen - oft in Erkern an der Außenwand angebracht war.

Weit weg vom Donnerbalken

Da eine Rüstung vor allem im Kampf und zu Pferde getragen wurde, befanden sich die gepanzerten Reiter meist ohnehin weit weg vom nächsten mittelalterlichen Plumpsklo, einer städtischen Senkgrube oder einem Donnerbalken.

Verspürte der Ritter in seiner Rüstung einmal Druck, war der Teil zwischen Brustpanzer und dem Beinschutz, "Beintaschen" genannt, so weit offen, dass er faktisch nur die Hose, die er darunter trug, öffnen musste. Man bedenke aber, dass die Beweglichkeit mit Rüstung stark eingeschränkt war und er dementsprechend viel Geduld aufbringen musste. Kurz vor einer Schlacht blieb dafür keine Zeit. Da galt dann - wie bei Radrennfahrern heute auch - das Motto: Laufen lassen! Leider schweigen die meisten historischen Quellen über diese Umstände.

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