arvato infoscore Consumer Data
Papstmünze führt zu Kreditunwürdigkeit - arvato infoscore Consumer Data - Firma verkauft private Daten

Winzige Münze, große Auswirkungen. Diese Münze, ein 0,5-Gramm-Winzling, brockte Herrn Müller den Ärger ein. Der Anbieter wollte 2007, obwohl Müller sie nie bestellt hatte, 59 Euro dafür. Foto: Heyder
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  • Winzige Münze, große Auswirkungen. Diese Münze, ein 0,5-Gramm-Winzling, brockte Herrn Müller den Ärger ein. Der Anbieter wollte 2007, obwohl Müller sie nie bestellt hatte, 59 Euro dafür. Foto: Heyder
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Herr Müller (Name geändert) staunte neulich nicht schlecht. Das erste Mal in seinem Leben wollte er etwas auf Raten kaufen. Und er ist kein Jüngling mehr. Ein großer Elektronikmarkt lockte mit einer sogenannten 0-Prozent-Finanzierung.

0-Prozent-Finanzierungen gibt es nicht. Im Grunde werden sich der Markt und eine Bank einig, wie beide Seiten von dem Geschäft profitieren. Die Finanzierungskosten stecken im Preis des Produktes. Welche Bank sollte gratis Geld verleihen?

Müller wusste das. Und hätte mit beidem gut leben können. Er war allerdings völlig von den Socken, als der Finanzier dieses Geschäfts, die Targobank, ihm innerhalb von Sekunden eine Abfuhr erteilte. Ein bisschen schämte er sich sogar. Ohne zu wissen wofür eigentlich.  

Sein Einkommen liegt etwa auf der Höhe des Thüringer Durchschnittseinkommens. Daran dürfte es nicht liegen, selbst wenn die Thüringer im Bundesdurchschnitt am zweitwenigsten verdienen. Kredite hat er keine laufen, das Konto war gedeckt. Er zahlt seine Rechnungen. Er ist kein Selbstständiger, hat ein Einkommen in gleicher Höhe. Jeden Monat. Die Ablehnung konnte er sich nicht erklären.

Zwei Tage später erhielt er Post von der Targobank: Diese verwies auf eine Auskunft der infoscore Consumer Data GmbH. Die wiederum bescheinigte Müller die "Einstellung eines Inkasso-Mahnverfahrens wegen Aussichtslosigkeit".

"Was für ein Unfug!", sagt sich Müller, wenn ein Inkassounternehmen eine berechtigte Forderung eintreiben will, dann stellen sie das Verfahren doch nicht ein! Denn: Ausschließlich vom Eintreiben solcher Forderung bzw. den dazugehörigen Gebühren lebt so ein Unternehmen!

Eine Telefonnummer gibt infoscore nicht an, Auskünfte werden nur schriftlich oder persönlich vor Ort in Baden Baden erteilt.

Noch nie telefonisch bestellt

Es dauerte lange, bis Müller sich das erklären konnte. Bis ihm Folgendes wieder einfiel: 2007 hat ein ganz aus dem Süden stammendes Münzversandhaus ihm ohne Bestellung eine Gedenkmünze des Papstes zugeschickt (die Firma hatte  einen unrühmlichen Auftritt in der ZDF-Sendung WISO).

Weil er diese weder haben wollte, noch bestellt hatte, rief er bei dem Münzversender an. Schriftlich konnte dieser keine Bestellung nachweisen. Angeblich habe er diese telefonisch geordert: Müller war sich 100-prozentig sicher, dass er in seinem ganzen Leben noch nie etwas telefonisch bestellt hatte. Er bot an, der Händler könne jederzeit die Münze abholen. Denn: Sich die Mühe zu machen, das wertlose Ding wieder zur Post zu bringen, sah Müller gar nicht ein.

Müller im Recht

Und das Gesetz gibt ihm hier Recht. Weil er es nicht bestellt hatte, muss er sich nicht um den Versand kümmern.

Nach dem einmaligen Angebot für die Abholung der Münze ignorierte der 40-Jährige alle weiteren Schreiben von "infoscore Inkasso". Rein zufällig betreibt Infoscore ein Inkassounternehmen, das natürlich rein zufällig für diesen Münzhändler arbeitete.

Das konnte die Forderung, weil ja in keiner Weise der Nachweis einer Bestellung vorlag, nur fallen lassen. Für Müller hatte sich die Angelegenheit damit erledigt.

Doch nach sechs Jahren, rechtlich ist der Vorgang längst verjährt und müsste gestrichen sein in den Akten, hat sie ihn wieder eingeholt. infoscore hat zu dem Wenigen, wie der Adresse und dem Namen Müllers, das sie wussten, weitere Daten einfach erfunden. Und ihm den Scorewert eines Obdachlosen verpasst, der Haus und Hof verspielt hat. Zumindest stuften sie seine Kreditwürdigkeit 30 Prozent unter dem Durchschnittswert ein. Der Schätzwert seines Alters wich um lächerliche 14 Jahre ab. Ebenso werteten sie die Tatsache, dass Müller erst zwei Jahre in seiner aktuellen Wohnung lebte, als Zeichen für Unzuverlässigkeit.

Das Inkassounternehmen von infoscore verpasste Müller also hinterrücks einen Nackenschlag, in dem es den Vorgang, vermutlich hausintern, bei infoscore Consumer Data GmbH anzeigte. Davon allerdings erfuhr der Mann nichts.

infoscore nimmt solche Daten mit Kusshand auf, lassen sich doch schlechte Daten besser verkaufen. Ähnlich wie die Schufa, nur eben ohne jegliche Prüfung des Sachverhaltes, landen Müllers tatsächliche und die erfundenen Daten bei Unternehmen wie der Targobank, die verlässt sich darauf.

Der Kunde erfährt nichts von diesem Kuhhandel. Müller stellt sich die Frage: "Wieso kann ein Unternehmen in Deutschland etwas verkaufen, was ihm nicht gehört? Das sind doch meine Daten!"

infoscore hat naturgemäß ein großes Interesse daran, Kunden regelmäßig negativ zu scoren. Die Händler, die wiederum ein berechtigtes Interesse an zahlungswürdigen Kunden haben, hoffen, infoscore könne die "Schwarzen Schafe" ausfiltern. Die Treffsicherheit ist dabei offenbar nicht von Belang.

Und so verlor Müller seine Kreditwürdigkeit wegen einer Papstmünze, die er nie bestellt hatte.

Gleich eine Vielzahl von Bürgern beschwert sich hier.

Die Internetseite des Unternehmens infoscore: Hier werden 40 Millionen Negativmerkmale für 7,6 Mio. Kunden als Vorteil für den Nutzer gepriesen. Das macht mehr als 5 Negativmerkmale pro Kunde im Durchschnitt. Ebenso: exklusive Inkassodaten, so exklusiv, wie bei Herrn Müller in diesem Beispiel.

Wie immer, "ein bedauerlicher Einzelfall": Interview mit dem Chef des Unternehmens: Ungefragt zugesandte Münzen: Gute Frage oder Verbraucherrunde oder auch Ciao

Hinweis: Für die Informationen auf dieser Seite können wir sagen, dass sie so gut wie es möglich war, recherchiert wurden. Bei allen Links weisen wir darauf hin, dass wir hier keine Informationen überprüfen konnten.

Gerade in einigen Foren versuchen manche Antworten als normale Nutzer zu beschwichtigen, klingen dabei sehr gut informiert, wenn Sie erklären, warum Scoring so sinnvoll ist ... Da drängt sich immer ein Verdacht auf.

Ein Betroffener meldet sich im

Video:

Winzige Münze, große Auswirkungen. Diese Münze, ein 0,5-Gramm-Winzling, brockte Herrn Müller den Ärger ein. Der Anbieter wollte 2007, obwohl Müller sie nie bestellt hatte, 59 Euro dafür. Foto: Heyder
Die Begründung der Ablehnungen kam per Post: Zum ersten Mal in seinem Leben hörte Müller von dieser Firma. Die allerdings gibt an, eine Menge über ihn zu wissen, inklusive falscher Informationen. Foto: Heyder
Autor:

Axel Heyder aus Erfurt

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