Pumps-Probleme und ­Pediküre-Patzer? Der Profi rät: So pflegen Sie Ihre Füße!

Füße sind ein wahres Meisterwerk: Sie bestehen aus 26 Knochen, 22 Gelenken, 107 Bändern und 19 Muskeln.
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  • Füße sind ein wahres Meisterwerk: Sie bestehen aus 26 Knochen, 22 Gelenken, 107 Bändern und 19 Muskeln.
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Im Laufe seines Lebens legt der Mensch durchschnittlich 160 000 Kilometer zu Fuß zurück. Das ist viermal um die Erde. Trotz dieser Leistung vernachlässigen wir unsere Füße, behandeln sie falsch und quetschen sie in zu enge und zu spitze Schuhe. Jeannette Polster ist Vizepräsidentin des Deutschen Verbandes für Podologie und zweite Vorsitzende im Landesverband Hessen / Thüringen. Im Interview erklärt sie, wie wir unsere Füße pflegen und verwöhnen.

Muten wir unseren Füßen zu viel zu?
Füße spielen im Körperbewusstsein eine untergeordnete Rolle. Sie stecken gut verpackt in Schuhen und rücken erst bei Problemen in den Fokus. Dabei sind unsere Füße ein wahres Meisterwerk: Sie bestehen aus 26 Knochen, 22 Gelenken, 107 Bändern und 19 Muskeln. Der Mensch ist gut zu Fuß, wenn all diese Elemente in perfektem Zusammenspiel funktionieren.

Füße sind zwar belastbar, zugleich aber mit circa 7000 Nervenenden an den Fußsohlen äußerst sensibel. Das feine Nervengeflecht sorgt dafür, dass wir an diesen Körperstellen nicht nur sehr kitzlig sind, sondern noch so kleine Fußübel besonders deutlich spüren. Schaut man einmal genauer hin, hat ein Großteil der Erwachsenen mit kleineren oder größeren Problemen zu tun.

Und diese Leute kommen dann zu Ihnen.
Die podologische Therapie hat nichts mit einer kosmetisch-pflegerischen Fußpflege zu tun, auch wenn durch die Behandlung die Füße gepflegt werden. Wie die Physio- oder Ergotherapie ist auch die Podologie ein staatlich anerkannter Therapieberuf, spezia­lisiert auf den Fuß mit einem umfang­reichen Wissen um Fußerkrankungen, deren Ursachen, Symptomen und Therapiemöglichkeiten. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Erkennen und der Behandlung krankhafter Veränderungen sowie der vorbeugenden Versorgung vor Folgeschäden. Ein wichtiger Baustein in der Behandlung ist das interdisziplinäre Zusammenspiel mit Ärzten und Orthopädieschuhtechnikern zur optimalen Versorgung.

In unsere Praxis kommen Menschen, die Hilfe und Linderung für ihre Fußprobleme suchen. Der Anteil der Frauen überwiegt leicht, eine Erklärung hierfür ist sicher das stärker ausgeprägte Modebewusstsein mit all seinen Schuh-Facetten. Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus ist die Verteilung von Männern und Frauen ausgewogen. Da sich viele Krankheiten erst im Laufe des Lebens einstellen, überwiegt der Anteil der Patienten im höheren Lebensalter. Aber auch Jüngere und sogar Kinder gehören zu unserem Patientenkreis.

Die Dosis macht das Gift.

Apropos Schuh-Mode: Gibt es eigentlich High Heels, die Sie akzeptieren oder foltern Frauen in Pumps ihre Füße?
Viele Menschen quetschen ihre Füße zugunsten der Ästhetik in Schuhe, die zu eng, zu kurz, zu spitz sind – kurz gesagt, nicht auf die natürliche Fußform abgestimmt. Mit High Heels ist es wie mit so manch ­anderem Laster: Die Dosis macht das Gift. Schuhe mit höherem Absatz lehne auch ich nicht grundsätzlich ab. Zu bestimmten Anlässen trägt Frau eben gerne einen schicken Schuh.

Gegen das gelegentliche Tragen hochhackiger Pumps ist nichts einzuwenden. Das Risiko liegt im Dauergebrauch: Je höher der Absatz, umso größer die Fehlbelastung mit starkem Druck im Vorfußbereich. Meist sind Pumps vorn spitz zulaufend, sodass die Zehen stark aneinander gepresst werden. Die Folgen machen sich meist nicht sofort, sondern erst nach monate- oder jahrelangem Gebrauch bemerkbar: Spreizfuß, Hallux valgus, Hammer- und Krallenzehen, massive Druckschwielen und Hühneraugen.

Oh, je. Also Augen auf beim ­Schuhekauf?
Der Grundstein wird schon bei der Auswahl von Strümpfen und Schuhen gelegt. Zu enge und zu kurze Strümpfe führen genauso zu Fehlstellungen und eingewachsenen Nägeln wie unpassendes Schuhwerk. Ein gut sitzender Schuh sollte den Fuß umschließen, ohne ihn einzuengen, möglichst durch Klettverschluss oder Schnürsenkel regulierbar sein und in der Spitze den Zehen circa eine Fingerbreite, den sogenannten Schubraum, Luft lassen. Dabei kann man sich nicht auf die Aussage „fußgerecht“ oder „­Gesundheitsschuhe“ der Hersteller und Händler verlassen. Diese Schuhe sind ebenso wenig individuell wie alle anderen.

Was können wir unseren Füßen denn Gutes tun?
Beachtet man für die Pflege der Füße einige Grundregeln, stehen die Chancen gut, diese gesund zu erhalten. Dass Füße in die ­tägliche Körperhygiene einbezogen werden, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Zur Verbesserung des Hautbildes kann ein passendes und auf den Hauttyp abgestimmtes Pflegeprodukt beitragen.

Wie wichtig sind Cremes und welche können Sie ­empfehlen?
Die Füße haben Pflege ­genauso nötig wie das Gesicht. Für trockene Fußhaut sind Cremes sehr wichtig und sollten täglich angewendet werden. Trockene Fußhaut sieht nicht nur unschön aus, sie kann schmerzhaft einreißen und sich entzünden. Das Problem beruht nicht auf zu wenig Hautfett, sondern auf verminderter Schweißsekretion. An den Fußsohlen befinden sich praktisch keine Fett produzierenden Talgdrüsen, aber jede Menge ­Schweißdrüsen, deren Funktion mit zunehmenden Lebensalter oder aufgrund von Erkrankungen und ­Medikamenteneinnahme nachlässt. Mit einer handels­üblichen Bodylotion sind die Füße dann nicht zufrieden.

Es gibt wirklich gute Pflegeprodukte in Creme- oder Schaumform, die speziell für die Fußhaut konzipiert sind und eine ausgewogene ­Zusammensetzung von Feuchtigkeit und Fett enthalten. Ideal ist der Bestandteil Urea – ein Harnstoff, synthetisch hergestellt – in einer zehnprozentigen ­Konzentration.

Vorsicht vor Hornhauthobeln

Was halten Sie von ­Hornhauthobeln?
Hornhaut sollte immer sanft mit einem Bimsstein oder einer Hornhautfeile entfernt werden. Vorsicht ist bei vor allem bei der Anwendung von Hornhauthobeln geboten: Diese enthalten rasiermesserscharfe Klingen mit hoher Verletzungs- und Infektionsgefahr. Auch eine übereifrige Hornhautentfernung kann unangenehm sein: Wird zuviel der schützenden Hornschicht entfernt, entsteht ein unangenehmes Brennen und es können sich leicht Blasen bilden.

Welche Fehler kann man außerdem bei der Pediküre begehen?
Bei der Körperpflege erfahren die Füße häufig nur die minimal notwendige Zuwendung. Sie werden vernachlässigt oder falsch behandelt. Infektionen und eingewachsene Fußnägel können die Folge sein. Beim Nagelschnitt passieren die häufigsten Fehler. Deshalb gilt: Die Nägel gerade schneiden und die Ecken mit einer Feile leicht abrunden. Lieber öfter als einmal zu kurz schneiden. Der weiße Nagelrand sollte noch einen Millimeter sichtbar sein, um das darunter liegende Schutzhäutchen nicht zu verletzen. Dieses bildet eine Barriere gegen Bakterien und Pilze.

Was hilft bei müden Füßen?
Ein Fußbad kann wahre ­Wunder bewirken, je nach Empfinden warm oder zur Erfrischung auch etwas kühler. Großmutters Fußbad mit Salz oder Badezusätze mit Kräuterextrakten – Rosmarin, Minze, Lavendel – wirken anregend und machen müde Füße wieder fit. Die Temperatur sollte maximal 38 Grad betragen und das Bad nicht länger als fünf ­Minuten dauern, da sonst die Haut zu stark quillt. Anschließend gut abtrocknen, auch die Zehenzwischenräume, mit einem Bimsstein oder Feile die Hornhaut sanft glätten und eine Pflegecreme einmassieren.

Was kann man gegen ­Schweißfüße tun?
Viele Füße stecken den ganzen Tag in Socken und Schuhen, bekommen zu wenig Luft und schwitzen in synthetischen Materialien. Das Risiko für Schweißfüße und Pilzinfektionen steigt dadurch. Man muss also erst einmal genau schauen: Liegt tatsächlich ein Schweißfuß vor oder entsteht das Schwitzen durch die heißgeliebten Turnschuhe? Bei letzterem ließe sich leicht Abhilfe schaffen. Wer tatsächlich unter Schweißfüßen leidet, sollte auf jeden Fall einen Hautarzt zu Rate ziehen. Baumwollsocken und Schuhe aus Leder sind zu bevorzugen und wenn es die Witterung erlaubt, kann auf diese gerne verzichtet werden – den Füßen sollte soviel Luft wie möglich gegönnt werden. Unterstützend wirken Fußbäder, zum Beispiel mit Eichenrindenextrakt, auch Wechselbäder und -duschen sowie verschiedene Pflegeprodukte als Puder, Spray oder Lotion.

Hilft Fußgymnastik und welche Übung empfehlen Sie?
Um den Halteapparat des Fußes – die Muskeln und Bänder – zu stärken, ist Fußgymnastik das geeignete Mittel. Und das Beste ist: Diesen Sport kann man durchaus auch im Sitzen ausführen. Geeignete Übungen sind das Spreizen der Zehen, ein Tuch oder Handtuch vom Boden mit den Zehen aufzuheben oder zusammenzufalten, mit dem Fuß auf- und abzuwippen, den Fuß nach innen und außen zu drehen. Eine Massage mit dem Igelball oder Fußroller regt die Durchblutung an.

Ist barfuß laufen wirklich so gesund?
Ja, barfußlaufen ist gesund. Dabei werden die Muskeln und Bänder gestärkt sowie die Beweglichkeit der Gelenke trainiert. Sie kennen den Spruch „Wer rastet, der rostet“. Und nun stellen Sie sich einmal die Füße fest verpackt und verschnürt in Schuhen vor, schlimmstenfalls den ganzen Tag in High Heels. Eine Bewegung im Fuß findet dabei kaum statt, die Muskeln und Gelenke sind quasi zum Faulsein verurteilt und werden sich irgendwann auch so verhalten. Bänder und Sehnen verkürzen sich, die schwachen Muskeln verlieren ihre Stützfunktion. In der Folge verändert sich die Fußstatik. Wer seinen Füßen etwas Gutes tun will, gönnt ihnen so oft wie möglich Schuhfreiheit.

Gibt es eigentlich ­Nägelkauer auch an den Füßen?
Gehört habe ich davon schon, stelle mir das aber recht schwierig vor. In meiner Praxis habe ich das noch nicht erlebt.

Sie haben sicherlich einen sehr sterilen Arbeitsplatz. Warum ist das so dringend notwendig?
Hygiene wird in der podologischen Praxis sehr groß geschrieben. Dabei unterliegen wir einer Vielzahl gesetzlicher Regelungen, Richtlinien, Normen, Vorschriften und Begehungen durch die Hygienebeauftragten der Gesundheitsämter. Das ist auch richtig und wichtig, schließlich arbeiten wir am Menschen und haben es mit verschiedenen Erkrankungen zu tun, von denen entweder ein Infektionsrisiko für andere ausgeht, beispielsweise Fuß- und Nagelpilz, oder die eine erhöhte Infektionsanfälligkeit bergen wie bei einem geschwächten Immunsystem.

Zwei Aspekte sind dabei von Bedeutung: der Schutz des Patienten vor Keimübertragung und der Schutz des Praxisinhabers und seiner Mitarbeiter vor I­­nfektionen. So dürfen ausschließlich Medizin­produkte und zugelassene Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen. Das heißt: Alle verwendeten Instrumente, Geräte und Lösungen müssen bestimmte Anforderungen erfüllen und unterliegen Überprüfungen. Auch die Aufbereitung der Instrumente und Geräte unterliegt strengen Parametern. Nach jeder Anwendung ist die Desinfektion und Sterilisation ein absolutes Muss. Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen des Therapeuten gehören neben der Arbeitskleidung Handschuhe und Mundschutz.

Was mögen Sie an Ihrem Job?
Einerseits ist das der Kontakt mit den Menschen, sich ihrer Probleme anzunehmen, ihnen zu helfen, zur Gesunderhaltung beizutragen oder sie vor schwerwiegenden Folgen zu bewahren. Andererseits ist der medizinische Sektor unglaublich spannend und bringt immer neue Herausforderungen mit sich. Menschen und ihre Erkrankungen können nicht nach einem bestimmtes Raster beurteilt und behandelt werden, für jeden muss nach individuellen Lösungen gesucht werden. Für einen Therapeuten ist sehr befriedigend, wenn sich seine Arbeit in einem positiven Verlauf und der Zufriedenheit seiner Patienten widerspiegelt.

Wo finde ich einen guten ­Podologen?
Das ist wie in anderen Branchen auch: Man vertraut am besten auf die Erfahrung und Empfehlung anderer. Sucht man einen Podologen in Wohnortnähe, hilft ein Blick ins Telefonbuch, die Nachfrage bei der Krankenkasse oder die Podologenliste des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD) e.V.: www.podo-deutschland.de.

Wer behandelt denn Ihre Füße?
Meine Füße sind in einem ganz guten Zustand und die Arme noch lang genug. Ich lege regelmäßig selbst Hand an.

Jeanette Polster

• Podologin, eigene Praxis
• Wundexpertin ICW e.V.
• 2. Vorsitzende ­Deutscher Verband für Podologie (ZFD) ­Landesverband ­Hessen-Thüringen e.V.
• Vizepräsidentin Deutscher Verband für Podologie (ZFD) e.V.

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