Schwere Entscheidung: Kamelle oder Kerzenschein

Schon in der Antike schlüpften Mächtige und Niedere gleichsam ins Kostüm, tauschten die Rollen, waren für ein paar Tage gleich geachtet.
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  • Schon in der Antike schlüpften Mächtige und Niedere gleichsam ins Kostüm, tauschten die Rollen, waren für ein paar Tage gleich geachtet.
  • Foto: Frank Rumpenhorst
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Der Valentinstag und der Karnevalssamstag fallen auf einen Tag. Bei vielen Paaren passt das nicht zusammen. Feiern oder flirten, lustig oder liebevoll, betrunken vom Bier oder von der Liebe? Jecke Romantiker und verknallte Narren finden hier Argumente für und wider.

Pro Kamelle

Kostüm statt Konsum
Der Valentinstag ist doch nur eine Erfindung der Blumenhändler. Karneval ist eine uralte Tradition. Schon in der Antike schlüpften Mächtige und Niedere gleichsam ins Kostüm, tauschten die Rollen, waren für ein paar Tage gleich geachtet. Alaaf statt Avancenterror, Helau statt Hollywoodschwulst.

Kussfreiheit statt Kitsch
Klammeräffchen haben Auszeit. Liebe heißt auch, sich die nötigen Freiheiten zu lassen. Und ein Küsschen in Ehren kann keiner verwehren. Beim Karneval wird geflirtet, sich Appetit geholt. Gegessen wird dann zu Hause. Eine Beziehung besteht nicht nur aus Dauerhändchenhalten. Hasi geht heute einmal Hoppeln.

Lala statt Langeweile
Am Ballermann, in der Skihütte, vielleicht noch im Fußballstadion. Sonst wird Stimmdilettanten doch sogar das harmlose Trällern unter der Dusche untersagt. Im Karneval ist es erlaubt, nein, erwünscht, die Ohrwürmer mitzuschmettern. Das ist befreiend, lebensbejahend, gemeinschaftlich. Böse Menschen kennen keine Lieder.

Bütt statt Blumen
Karneval ist die Zeit der zotigen Witze und der politischen Satire. Heute muss man nichts durch die Blume sagen, sondern direkt aus der Bütt dem anderen ins Gesicht. Heute darf jeder ganz unverblümt sprechen, ohne sich dabei blümerant fühlen zu müssen.

Pro Kerzenschein

Kerzenschein statt Kamelle
Heute ist der Tag der Liebenden, nicht der Lallenden. Zumindest einmal im Jahr sollte die Romantik im Vordergrund stehen. Nicht die Arbeit, die Freunde und Verwandte. Und schon gar nicht Karneval. Ein Tag Zeit nur für einander, für verliebte Blicke und ein romantisches Abendessen bei Kerzenschein.

Romantik statt Ramba-Zamba
Nur die Liebe zählt. Das wussten schon Kai Pflaume und die Beatles. Das sollten auch die Karnevalisten wissen. Gefühl, Leidenschaft und Sehnsüchte sollten diesen Tag prägen. Bringen Sie Ihre Liebe mit einem kleinen Geschenk zum Ausdruck, mit einem Brief, einem Gedicht, einer netten Geste, einem lieben Wort.

Schmusen statt Schunkeln
Schlagen die Herzen im Dreiviertel-Takt, dann doch bitte beim Walzertanzen mit dem Seelenverwandten und nicht beim rhythmischen Hin- und Herwanken mit wildfremden Schunkelkumpanen. Viel schöner als auf der Kneipenbank sitzt es sich doch gemeinsam im Bett, wenn geschmust wird wie zu Teenagerzeiten.

Pralinen statt Pappnase
Liebe geht durch den Magen. Durch die Nase fließt nur Rotz. Statt sich einen roten Zinken ins Gesicht zu binden, sollte man lieber für die bessere Hälfte zum Kochlöffel greifen und mit aphrodisierenden Speisen die Libido rot zum Glühen bringen. Oder man schenkt dem / der Süßen etwas Süßes zum Vernaschen.

Hintergrund

Karneval richtet sich nach Ostern: Karneval endet immer am Aschermittwoch. Dann beginnt für Christen die 46-tägige Fastenzeit bis Karsamstag (Ostern). An den sechs Sonntagen wird nicht gefastet. Ostern wird immer am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert, ist also ein bewegliches Fest - Karneval demzufolge auch.

Schon in der Antike schlüpften Mächtige und Niedere gleichsam ins Kostüm, tauschten die Rollen, waren für ein paar Tage gleich geachtet.
Zumindest einmal im Jahr sollte die Romantik im Vordergrund stehen. Nicht die Arbeit, die Freunde und Verwandte. Und schon gar nicht Karneval.
Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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