Wie es dem Freistaat 2019 ergehen könnte - Thüringer Wirtschaftsministerium "orakelt" mit
Thüringer Wirtschafts-Orakel

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Was bringt und das neue Jahr? Wird die Wirtschaft brummen? –
AA-Redakteur Thomas Gräser holte vier Vorhersagen ein

Almut Weinert, Leiterin „Wirtschaft und Technologie“ der IHK Ostthüringen

Die Ostthüringer Wirtschaft hat sich zuletzt in Bestform präsentiert. Ob der Schwung ins Jahr 2019 mitgenommen werden kann, erscheint angesichts internationaler Risiken und ungelöster innenpolitischer Probleme jedoch fraglich. Der Brexit, die ­Ungleichgewichte in der Eurozone und die Handels­politik der Vereinigten Staaten sind weiterhin Unsicherheitsfaktoren für die Unternehmen. Zugleich spitzt sich der Fachkräfte­engpass zu. Als Investitionsbremse wirkt auch das Unternehmenssteuerrecht. Der Breitbandausbau muss konsequent vorangebracht werden, damit Unternehmen im Prozess der Digitalisierung nicht zurückfallen. Nicht zuletzt lasten immer noch zu viele unnötige Bürokratiepflichten auf den Unternehmen. Auch hier gilt es, die Stellschrauben anzusetzen.

Prof. Gerald Grusser, Haupt­geschäftsführer der IHK Erfurt

Die Thüringer Unternehmer schauen mit einiger Skepsis auf das neue Jahr. Neben den ungelösten Schulden- und Strukturproblemen in der Eurozone stören der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und der zunehmende Protektionismus von Seiten der USA die Planungssicherheit in den Firmen. Hinzu kommen ungelöste innenpolitische Pro­bleme. Die Fachkräftesitua­tion bleibt angespannt und setzt expandierenden Betrieben bei der Aufstockung der Mitarbeiterzahl zunehmend Grenzen. Darüber hinaus brauchen die Unternehmen ein investitions­freundlicheres Steuersystem, flächendeckenden Breitbandausbau und weniger Bürokratie. So rechnet die IHK Erfurt für Thüringen nur noch mit einem Jahresanstieg des ­Bruttoinlandsproduktes von rund 1,0 Prozent.

Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt

Das Handwerk profitiert weiterhin vom hohen privaten Konsum, den Investitionen im Wohnungsbau und öffentlichen Bau sowie bei den Ausrüstungsinvestitionen. Für 2019 ist deshalb trotz globaler Risiken – etwa dem bevorstehenden Brexit oder der italienischen Staatsschuldenkrise – mit einem Umsatzplus zu rechnen. Der Preisanstieg wird im Vergleich zur Gesamtwirtschaft erfahrungsgemäß eher moderat ausfallen. Vom allgemeinen Anstieg der Erwerbstätigkeit wird das Handwerk aufgrund der geringen Fachkräfteverfügbarkeit allenfalls in geringem Maße profitieren. Es ist davon auszugehen, dass die Auftragsbestände anhaltend hoch bleiben und Kunden sich auf ­längere ­Wartezeiten einstellen müssen. Viele Gewerke sehen sich zudem mit strukturellen Problemen konfrontiert.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee

Mit 2018 endete ein Jahr, das für die Wirtschaft in Thüringen sehr erfolgreich war. Das Bruttoinlandsprodukt hat zugelegt, die Beschäftigung ist weiter gewachsen. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 5,0 Prozent auf einem historischen Tief. Deshalb schauen wir mit einem vorsichtigen Optimismus auch auf das kommende Jahr. Zwar haben die Konjunkturrisiken weiter zugenommen – von globalen Handelskonflikten über den Brexit bis hin zu Dieselkrise, Fachkräftemangel und steigenden Energiepreisen. Allerdings bleibt das Geschäftsklima in der Wirtschaft insgesamt gut und die Konjunkturprognosen positiv. Denn den Risiken stehen eine gute Beschäftigungssituation, steigende Einkommen sowie günstige Förder- und Finanzierungsbedingungen gegenüber. Alles in allem spricht also einiges dafür, dass die Thüringer Wirtschaft auch 2019 auf Wachstumskurs bleibt.

Bilanz 2018

 Die Thüringer Industriebetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten erzielten von Januar bis September einen Umsatz in Höhe von 24 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 23,5 Milliarden Euro.

  Umsätze über zwei Milliarden Euro erreichten folgende Wirtschaftszweige:
 Herstellung von Kraftwagen und Kraft­wagenteilen mit 3,42 Milliarden Euro,
 Herstellung von Metallerzeugnissen mit 3,4 Milliarden Euro,
 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln mit 2,41 Milliarden Euro,
 Maschinenbau mit 2,32 Milliarden Euro,
 Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren mit 2,25 Milliarden Euro.

  Im Monatsdurchschnitt der ersten drei Quartale arbeiteten rund 148 000 Personen in den Thüringer Industriebetrieben mit mehr als 50 Beschäftigten.

  Die höchste Umsatzproduktivität wurde mit 406 337 Euro Umsatz je Beschäftigten in der Thüringer Getränkeherstellung erzielt.

  Die Auslandsumsätze lagen von Januar bis September bei 8,6 Milliarden Euro (2017: 8,1 Milliarden Euro).

  Der Umsatz der Thüringer Industriebetriebe mit 50 und mehr Beschäftigen stieg im ersten Halbjahr um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Thüringen belegte bei der Umsatzentwicklung im bundesweiten Ländervergleich den 11. Platz.
       Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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