Zu Fuß durch Erfurt
Unterwegs mit dem Spaziergangsforscher

Seit über 20 Jahren verfolgt Bertram Weisshaar als Spaziergangs­forscher die Praxis der  Spaziergangswissenschaft. Nun geht er auch mit interessierten Mit-Spaziergängern auf Tour durch Erfurt: Am 17. September innnerhalb der ­europäischen Mobilitätswoche.
  • Seit über 20 Jahren verfolgt Bertram Weisshaar als Spaziergangs­forscher die Praxis der Spaziergangswissenschaft. Nun geht er auch mit interessierten Mit-Spaziergängern auf Tour durch Erfurt: Am 17. September innnerhalb der ­europäischen Mobilitätswoche.
  • Foto: SZ Thomas Eichler
  • hochgeladen von Helke Floeckner

Der Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar eröffnet Fußgängern wie Fachleuten ganz neue Perspektiven - am 17. September auch in Erfurt.
Zu Fuß gehen ist die natürlichste Form der Fortbewegung, dazu gesund und ­umweltfreundlich. Doch wieviel Platz wird der Basis-Mobilität Gehen im öffentlichen Straßenraum eingeräumt? Dieser und anderen Fragen widmet sich der Spaziergangsforscher ­Bertram Weisshaar. Hier steht er Rede und Antwort: 

Was genau ist die ­Spaziergangswissenschaft?

Es geht darum, die Stadt, die Welt aus Fußgänger­perspektive in den Blick zu nehmen. Dabei spielt auch das Thema Verkehrsplanung eine Rolle. Wenn wir die Stadt zu Fuß – etwa wie ein Tourist – und nicht vom Fahrzeug aus flüchtig wahrnehmen, sehen wir plötzlich viel mehr, Dinge, die sonst im Alltag einfach verschwinden, weil sie sowieso immer da sind.

Wie wissenschaftlich ist das Ganze?

Dieser Wissenschaft ­widmet sich schon seit den 1980er-Jahren die ­Universität Kassel. Dabei geht es im Kontext ganz viel um Stadt­entwicklung und Urbanismus­politik. Ich ­spreche lieber von Spaziergangsforschung, weil es das Neugierigsein betont, es klingt auch ­volkstümlicher. Es geht darum, etwas zu ­erfahren, indem man nicht nur auf den Plan sieht. Es gibt nicht nur schriftgelehrtes Wissen, manchmal muss man eben unterwegs sein, um Dinge zu erkennen.

Der Blick auf den Plan ­genügt also nicht?

Jeder Plan, jedes Foto, jedes Video ist zweidimensional. Architektur hingegen ist immer dreidimensional. Wer sich über Stadtplanung verständigen möchte, muss sich durch den Raum bewegen.

Spazierengehen kann also auch Arbeit sein?

Wir haben schon viele ­Spaziergänge veranstaltet, bei denen es um bestimmte Projekte, um Beteiligungsverfahren ging. Ist man da zusammen auf der Straße unterwegs, kommt man miteinander ins Gespräch. Da bekommen auch die Fachleute einen neuen Blick, eine andere Perspektive, finden zu einer anderen Sprache, zum Miteinander. Das ist gelebte Bürgerbeteiligung.

Gehen Sie ­jeden Tag ­spazieren?

Unterwegs zu sein macht einen großen Anteil aus. Aber ich nehme mir auch die Zeit zu beschreiben, wie man die Welt erfahren kann, indem man losläuft. Wie in meinem Buch „Einfach Losgehen – Vom Spazieren, Streunen, Wandern und vom Denkengehen“. Wir ­unterstützen auch den Fachverband Fußverkehr Deutschland e.V., verwirklichen ein Modell­projekt in ausgesuchten Städten, in denen wir beispielsweise Fußverkehrschecks durchführen, also untersuchen, wie die Struktur für Fuß­gänger verbessert werden kann. Fußgänger melden sich so gut wie nie zu Wort, sie brauchen unbedingt eine Lobby.

Was sollte man beim ­Spazierengehen beachten?

Erst einmal ist es wichtig, dass man es überhaupt tut, das ­betonen auch die Mediziner. Die Weltgesundheits­organisation empfiehlt, jeden Tag 8000 bis 10 000 Schritte zu gehen. Man tut sich wirklich etwas Gutes, wenn man mal das Auto stehen lässt oder eine Haltestelle eher aussteigt. Nein, es geht nicht immer darum, schneller zu sein und damit Zeit zu sparen. Im Gegenteil – durch Spazieren gewinnt man Lebenszeit hinzu. Man sollte dabei nicht hetzen, vielleicht mal einen Ort besuchen, an man länger nicht war. Oder auf dem Stadtplan eine Linie ziehen und versuchen, diese Strecke zu laufen. Ich kann versprechen: So wird man plötzlich auf Dinge aufmerksam, die man jahrelang nicht bemerkt hat. Es wird spannend, überraschend. Vor allem sollte man sich darauf einlassen, es ist ein wenig wie ein Spiel.

» www.atelier-latent.de

Termin: 

»„Walk with us!“ ist das Motto der europäischen Mobilitätswoche.

» Auf einem Rundgang durch die Stadt laden Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar und teilAuto dazu ein, das Gehen genauer unter die Lupe zu nehmen.

» Termin: Dienstag,17. September, 18 Uhr, am Willy-Brandt-Platz in Erfurt, die Teilnahme ist kostenfrei.

» Weitere Infos unter teilauto.net/spaziergang.

Autor:

Helke Floeckner aus Erfurt

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