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Vom Hype des Jahres zum fast normalen Anblick im Straßenbild

Gelungenes Design: Trotz der abfallenden Dachlinie gibt es im Fond genug Kopffreiheit. Der kleine Karbonspoiler kennzeichnet die Performance-Version.
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  • Gelungenes Design: Trotz der abfallenden Dachlinie gibt es im Fond genug Kopffreiheit. Der kleine Karbonspoiler kennzeichnet die Performance-Version.
  • Foto: © Rudolf Huber / mid/ TRD mobil
  • hochgeladen von Heinz Stanelle

Erst gab’s große Aufregung, dann das lange Warten. Und jetzt? Jetzt ist das Model 3 von Tesla in kürzester Zeit vom „Aufreger des Jahres“ zum fast ganz normalen Anblick auf unseren Straßen und an den Superchargern geworden. Und wie schlägt sich der Import aus Kalifornien im Alltag? Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat es intensiv ausprobiert.

(TRD/MID) Für den Test steht ein Model 3 Performance zur Verfügung, das logischerweise gut auf seine Aufgabe vorbereitet ist und nicht durch mangelhafte Verarbeitungsqualität oder offensichtliche Unzulänglichkeiten auffällt, wie sie schon von manchen Eignern moniert werden. Die 4,69 Meter lange, elegant im Stil des größeren Bruders Model S geschnittene Limousine hat richtig gut Platz für vier und ausreichend Raum für fünf Passagiere, die Rücksitzbank sitzt ziemlich tief und bietet etwas wenig Beinauflage.

Die vorderen Sitze kommen sehr unterschiedlich an: Mal passen sie auf Anhieb, mal wird die Form der Rückenlehne als unbequem und nicht wirklich ergonomisch kritisiert. Wie auch immer: Man kann darauf jedenfalls ohne ernsthafte Beschwerden einige 100 Kilometer am Stück abspulen – gar kein Thema.

Über die bis aufs Äußerste auf den großen Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts reduzierte Bedienung des Model 3 wurde schon viel gesagt, geschrieben und in Foren endlos diskutiert. Fakt ist: Wer schon mit dem Model S oder dem Model X Erfahrung gesammelt hat, ist klar im Vorteil. Und ja: Die Menüs sind weitestgehend logisch aufgebaut, doch wer sich während des Fahrens zu intensiv damit beschäftigt, lebt gefährlich.

Dass sogar das Handschuhfach per Klick geöffnet wird, erscheint in der Tat ein bisschen übertrieben. Aber die sonstigen regelmäßigen Bedienschritte wie die Abstimmung der Lenkung, der Rekuperationsstufe oder die „lässige“ oder „sportliche“ Einstellung für den Antrieb hat man wirklich schnell und weitgehend ohne Hinschauen drauf. Trotzdem tut es gut, dass sich Radiosender- und -Lautstärke ganz simpel über die zwei Roll- und Drück-Knöpfe im Lenkrad bedienen lassen.

Ergebnis bis hierher: Das Model 3 ist eine schicke, angenehme Limousine im Format eines 3er BMW mit einer ungewöhnlichen Bedienstruktur und, angesichts ihrer noch ausbaufähigen Verbreitung, mit einem Hauch von Exklusivität. Was das Performance-Modell dann in eine Kategorie katapultiert, auf die der Betrachter von außen nie kommen würde, ist der Antrieb. Denn der ist einfach ein Hammer.

Schon die nackten Zahlen klingen eindrucksvoll. Die zwei Motoren, je einer auf der Vorder- und der Hinterachse, liefern zusammen 358 kW/487 PS an alle vier Räder, elektronisch fein abgestimmt, um maximalen Vortrieb auch bei sehr knackiger Fortbewegung zu ermöglichen. 3,4 Sekunden vergehen beim 100er-Sprint, die Spitze liegt bei 261 km/h.

Halt, stopp! Hat hier jemand 3,4 Sekunden gesagt? Hat er. Und diese Beschleunigungszeit fühlt sich im aerodynamisch gekleideten 1,8-Tonner an wie eine massive Attacke auf Nackenmuskeln und Magennerven. Performance-Fahrer sollten vorher ankündigen, wenn sie die volle Power abrufen wollen, sonst könnte es zwischenmenschliche Unstimmigkeiten geben.

Was der äußerlich doch sehr normale US-Stromer beim „Vollgas“-Start abliefert, ist wirklich ein sehr spezielles Erlebnis. Es ist so, als würde man auf einem Katapult ansatzlos nach vorne gebeamt oder von einem riesigen Objektiv Richtung Horizont gezoomt. Und das alles weitestgehend laut- und wegen des von der ersten Zehntelsekunde an parat stehenden Drehmoments auch ansatzlos.

Man könnte auch sagen: grandios. Und übrigens: Die Arbeit der innenbelüfteten Scheibenbremsen passt bestens ins Gesamtbild, die Verzögerung ist bei Bedarf ähnlich eindrucksvoll. Auch die gelungene Abstimmung des Fahrwerks und die Souveränität, mit der es auch ohne den Track-Modus zu aktivieren sehr schnelle Kurvenpassagen meistert, verdienen ein Extra-Lob.

Natürlich sind derartigen Beschleunigungs-Orgien technische Grenzen gesetzt. Ganz einfach, weil sie reichlich Strom kosten und der Akku im Unterboden irgendwann mal leer ist. 75 kW/h Kapazität hat er zu bieten, das sorgt dafür, dass beim Einstieg in ein vollgeladenes Model 3 Performance eine Reichweite von knapp 500 Kilometern angezeigt wird. Und die lässt sich auch erfahren.

Wer auch ein bisschen Spaß haben will, kommt rund 400 Kilometer weit. Auch das ist sehr ordentlich, genau wie der Verbrauch: Im Testdurchschnitt konsumierten die beiden E-Motoren zusammen 16,4 kW je 100 Kilometer. Dass sich der Mittelklässler in der Praxis beim Laden am Supercharger bis zu 111 kW einverleibte und damit theoretisch bis zu 730 Kilometer Reichweite pro Stunde, passt ins Bild. Stromtanken ist kein großes Ding. Und die Tesla-Ladestationen werden immer mehr.

Fazit: Teslas Model 3 Performance ist ein extrem spannendes Auto. Zum einen ist es eine alltagstaugliche Familien-Limousine mit reichlich Reichweite. Zum anderen ein reinrassiger Sportwagen mit fulminanten Fahrleistungen und dem dazu passenden Setup. Der Einstiegspreis: 55.390 Euro – 20-Zoll-Felgen, Performance-Bremsen, Karbon-Heckspoiler, tiefergelegtes Fahrwerk und Track-Modus inklusive.

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Autor:

Heinz Stanelle aus Erfurt

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