Ratgeber: Hundetraining in Weimar
Wenn Bello bockt - "Der Weg zur Aktion ist die Ruhe"

Auch eine zwei Meter hohe Brücke ist auf der Thüringer Hindernis- und Spaßbahn für Famlienhunde in Weimar-Schöndorf eingebaut. In Aktion: Dr. Falk Oesterheld (73) und Airedale-Rüde Tommy Ortega von den Drei Gleichen.
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  • Auch eine zwei Meter hohe Brücke ist auf der Thüringer Hindernis- und Spaßbahn für Famlienhunde in Weimar-Schöndorf eingebaut. In Aktion: Dr. Falk Oesterheld (73) und Airedale-Rüde Tommy Ortega von den Drei Gleichen.
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Hundetrainer Thomas Kümmel gibt Tipps, um den Bewegungsdrang des Hundes zu steuern – Neue Trainingsbahn öffnet am 23. September in Weimar-Schöndorf

Hunde lieben Bewegung. Sie toben über Wiesen, durch den Garten oder auch durch die Wohnung. Manchmal sind sie kaum zu bremsen. Das ist zwar schön, da Hunde ihren Spieltrieb ausleben, aber das ist alles spontan und un­kontrolliert.

Durch gezieltes Bewegungstraining kann der Halter seinem Tier mehr helfen. Dadurch können die unterschiedlichen Muskelpartien der Vierbeiner spezifisch und komplex trainiert werden.

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"Hunde brauchen ein gezieltes Bewegungstraining. Es muss auf die Rasse, das Alter und das Wesen des Tieres abgestimmt sein."
     Thomas Kümmel, Hundetrainer
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„Der Hund ist ein Bewegungstier. Er kann große Strecken zurücklegen. Das hat er von seinen wölfischen Vorfahren. Es ist wichtig, dass wir unsere Hunde regelmäßig bewegen. Das ist ihr Bedürfnis“, sagt Hundetrainer Thomas Kümmel aus Weimar-Schöndorf. „Und Fitness tut jedem Hund gut.“ Hunde brauchen regelmäßigen Auslauf. Die Dauer, die Bedürfnisse sind je nach Rasse , Fitness, Körperbau, Alter, Wesen, Erkrankungen sehr individuell. Aber es gibt Faustregeln, meint Thomas Kümmel:

Der Welpe...

...zeigt, was er schon drauf hat. Doch der Halter sollte sich nicht nur auf das Bespielen des ­Tieres beschränken. Wichtig ist es, mit dem Kleinen auf ­Ent­deckungstour zu gehen.­ Je nach Alter kann diese 10 bis 20 Minuten dauern.

Der Junghund...

...gebärdet seine körperliche Reife in wilden Geländeübungen. Dabei muss der Halter auf die Schonung der Gelenke achten. Doch allein Spaziergänge werden dem Drang von Junghunden nicht gerecht. Leichtes Traben ist hier die beste Bewegungsart. Daneben gibt es ver­schiedene ­Trainingseinheiten, die alle Sinne fordern sollten: Gegenstände suchen lassen, Versteckspiele, springen über oder balancieren auf Baumstämmen, zwischen Bäumen Slalom laufen, apportieren.

Der Hyperaktive...

...bekommt kaum genug. Er will rennen, springen, den Ball fangen. Für gesunde erwachsene Hunde gibt es kein Zuviel an Bewegung. Auf unnötige Sprungbelastungen sollte jedoch verzichtet werden. Auch hier ist Abwechslung angesagt. Die monotone Jagd nach dem Ball kann den Hund süchtig machen.

Der Mollige...

...hat oft Probleme mit den Gelenken, der Wirbelsäule, dem Herz. Hier ist schonende Bewegung mit Geduld angesagt. Im Schritt gehen und langsam steigern. Hunde können im Wasser schonend Muskelmasse und Kondition aufbauen. Das ist auch für übergewichtige und gelenkvorbelastete Tiere geeignet.

Der Senior...

...braucht auch Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen. Deshalb ist die tägliche Bewegung wichtig. Das kann im Trab oder ruhigerem Tempo erfolgen. Je nach körperlicher Verfassung des Hundes. Dabei ist auch Gehirnjogging wichtig: Nicht immer dieselben Wege laufen. Auch mal wechselnde Bodenbeläge nutzen – Asphalt meiden, Waldboden suchen.

Neben der Befriedigung des angeborenen Bewegungsdrangs empfiehlt Kümmel auch spezielle Trainings, „sodass Hund und Mensch gemeinsame Erfolgserlebnisse erfahren. Das sorgt für einen Vertrauensaufbau und bildet den Hund für den Alltag aus“.

Dazu zählt der Hundefachmann:
Das Gleichgewichts­training: „Das muss trainiert werden. Viele Hunde entwickeln Angst beim ­Balancieren.“ Lernen können das Hunde im Wald auf Baumstämmen oder Lauf­balken und auf der Wippe auf einer speziellen Hindernisbahn.

Das Überwinden der Angst: „Oft zeigen Hunde Angst beim Überwinden von offenen Treppen, beim Betreten von verschiedenen Untergründen oder von unbekannten Räumen oder Orten. Auch Geräusche und flatternde Fahnen können bei Hunden Panik hervorrufen.“ Behutsames Training auf glatten oder rauen Belägen – in der Natur, zu Hause oder in der Hundeschule macht den Hund sicherer. „Wichtig ist Vertrauen zu schaffen, die Teambildung von Hund und Mensch“, sagt Kümmel.

Die ungesicherte ­Höhenüberwindung: „Dies können Halter mit ihrem Vierbeiner auf Brücken mit offenen Geländern üben, die über Autobahnen, Flüsse und Eisenbahnstrecken führen. Auch das Begehen von vergitterten Kellerschächten ist trainierbar“, meint der Hundetrainer.

Die Konzentration: „Der Hund soll das Hindernis mit dem Kopf wahrnehmen. Der Halter sollte ihn nicht einfach drüber jagen, sondern Geist und Körper des Tieres fordern“, rät Kümmel. „Eine hervorragende Lernhilfe ist der Nachahmungstrieb des Hundes: lernen von anderen Artgenossen. Der sichere Hund geht vor und der ängstliche geht hinterher, vertraut dem ersten Tier und dem Halter. „Negativ auf das lernende Tier wirkt sich dagegen ein unsicherer Hundeführer aus.“

Bei allen Tipps für eine ­gezielte Bewegung des Hundes gilt es aber zu beachten:„Zur Bewegung gehört auch die Pause, die Ruhe, die ­Beruhigung des Tieres“, meint Kümmel. Daraus resultiert die Konzentration auf die kontrollierte Bewegung des Hundes. Er darf keinesfalls überfordert werden. Dann ist der Lerneffekt gleich null. Der Hundetrainer ist sich sicher: „Der Weg zur Aktion ist die Ruhe.“

Überhaupt sieht Thomas Kümmel den Hund als einen Philosophen. „Er ruht die meiste Zeit, schaut, beobachtet, vergleicht, denkt nach, speichert ab und lernt dabei. Und das am liebsten von einem erhöhten Platz aus.“ Und dann erst ist wieder Bewegung angesagt.

ZUR SACHE

Hunde, die viel Auslauf brauchen:
Border Collie, Boxer, Dalmatiner, Golden Retriever, Husky, Irish Setter, Jack Russell Terrier, Labrator Retriever
Hunde, die wenig Auslauf brauchen:
Berner Sennenhund, Chihuahua, Shiba Inu, Französische Bulldogge, Japan Chin, Malteser, Shar-Pei, Kaukasischer Schäferhund
Neue Trainingsmöglichkeiten:
Eine Möglichkeit des Hundetrainings für den Alltag bietet die „Thüringer ­Hindernis- und Spaßbahn für Familienhunde“ in der Hundeschule „Passion“ in Weimar-Schöndorf an.

• Die Bahn wird am 23. September, 10.30 Uhr eröffnet. Hundehalter finden hier 22 Hindernisse vor, die ihr Vierbeiner erstürmen kann.
• Darunter befinden sich: Reifen für Durschsprung, Stabhürde, offene Treppe, Balancier-Schiene, Gitterelemente, Wippe, Wackelbrett, Leitern, Salomelemente, schräge Hürde, Wand, Leiter, hohe Brücke, Kriechhinderniss, Katzentreppe, Tunnel.Die Hundbahn ist anspruchsvoll.
• Für Anfänger gebietet sich, nur einige Elemente herauszupicken, die für den jeweiligen Hund passend sind. Beratung ist vor Ort möglich.

 Infos: über das Hundesorgentelefon, Montag bis Freitag, von 18 bis 20 Uhr, ­­
Telefon: 0 36 43 - 41 04 47

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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