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Gesünder leben: Wetterempfindlichkeit und ­Wetterfühligkeit
Wenn die Narbe Wetterfrosch spielt - Dr. med. Heike Knaut aus Weimar klärt auf

Wo: Praxis, Kromsdorf auf Karte anzeigen
Wetter ist wirklich immer, sozusagen ganzjährig.
Wetter ist wirklich immer, sozusagen ganzjährig. (Foto: Colourbox.de)
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Den Unterschieden zwischen Wetterempfindlichkeit und ­Wetterfühligkeit ist AA-Redakteur Thomas Gräser auf der Spur - Diskutieren Sie mit: Wie reagiert Ihr Organismus auf Wetteränderung?


Kann wirklich das ­Wetter schuld sein, wenn sich Menschen unwohl fühlen? Wenn sie Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Schlaffheit, Magen­schmerzen, Gliederschmerzen, Schlaf­störungen heimsuchen?

 Ja, der menschliche Körper ­reagiert auf die Witterung. Ob Schmuddelwetter oder Sonne, ob Hitze oder Frost, der Körper passt sich ständig an die meteorologischen Schwankungen an. "Diese Wetterreaktion des Körpers geschieht meist unbemerkt", sagt Dr. Heike Knaut.

 Doch manche Menschen reagieren auf Wetterwechsel heftig. Das nennt man Wetterfühligkeit. Sie fühlen sich müde, schlafen unruhig, sind erschöpft oder legen eine gereizte Stimmung an den Tag. Oft machen sich auch ihre verheilten Knochenbrüche oder Narben schmerzlich bemerkbar. Andere sind eher wetterempfindlich: Bei diesen Menschen verschlimmern sich Symptome einer bestehenden Krankheit wie Migräne, ­Rheuma oder Asthma.

Die Hälfte der Menschheit ist wetterfühlig

"Ich denke, dass mindestens 50 Prozent der Bevölkerung wetterfühlig sind. Das erlebe ich in meiner Praxis. Und ich bin es auch", sagt Dr. Heike Knaut, Internistin und Allgemeinmedizinerin.

Menschen, die schon durch Krankheiten – wie Migräne, Rheuma, Asthma, Herz-Kreislauf-Probleme – vorbelastet sind, und bei denen sich das Wetter negativ oder manchmal auch positiv auf die Erkrankung auswirkt, haben meist eine Wetterempfindlichkeit. „Da muss man als Arzt reagieren, da diese Menschen durch die Erkrankung ja schon leiden. Und das Wetter dies verschlimmern kann. Es gibt ganz viele Patienten mit ­Bluthochdruck, die den Winter über zwei verschiedene Medikamente in einer bestimmten Dosis nehmen ­müssen. Und im Sommer muss ich eines davon ab­setzen, weil der Blutdruck wetterbedingt wieder absinkt“, erklärt Dr. Heike Knaut.

Von Wetterfühligkeit (Meteoropathie)wird gesprochen, wenn sonst gesunde Menschen mit körperlichen oder psychischen Erscheinungen auf Wetter reagieren. Das kennt fast jeder aus eigenen Erfahrungen. Bestimmte Symptome treten dann gehäuft auf und repräsentieren eine Wetterfühligkeit – wie Migräne oder Kopfschmerzen. „Ersteres ist eine chronische Erkrankung, die sich bei Wetterfühligkeit verschlechtert. Aber Kopfschmerzen sind bei sonst gesunden Menschen nicht normal“, so Dr. Knaut. Eine typische Wetterlage, die dies beeinflussen kann, ist der plötzliche Föhnwind – besonders nach einer ­längeren Kältephase.

Abgeschlagenheit, Benommenheit, Müdigkeit sind auch prägnante ­Symptome bei Wetterfühligkeit. „Da unser Körper ein geschlossenes Drucksystem ist, be­einflusst diesen auch atmosphärischer Tief- und Hochdruck. Die Luftmassenwechsel müssen also schon rein physikalisch auf uns wirken“, sagt Dr. Knaut. Schlafstörungen sind auch ­häufig mit Wetterwechseln verbunden, ebenso Gereiztheit, Nervosität, Konzentrationsstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Wassereinlagerungen in den Beinen. Ist es warm, machen die Gefäße auf und das Wasser sammelt sich an. Typisch dafür sind: Im Sommer geschwol­lene Hände und Füße.

Frauen sind von der Wetterfühligkeit öfter betroffen als Männer. Denn sie haben eine dünnere Haut und ein anderes Unterhautfettgewebe als Männer. Deshalb leiden sie auch mehr an Cellulite. Und da die Haut das größte und zudem ein äußeres Körper­organ ist, hat hier die Umwelt natürlich die größte Angriffsfläche.

Jeder Mensch reagiert anders. Die einen reagieren empfindlich auf dieses, andere auf jenes Wetter. Man sollte den Arzt konsultieren, wenn es das normale Maß überschreitet. Ist man chronisch krank und merkt, dass sich richtig starke Symptome einstellen, ist ein Arztbesuch ratsam. Wenn man zum Beispiel im Winter merkt, es geht mir nicht gut, Kopfschmerzen plagen mich arg. „Wenn ich dann in der Praxis einen Blutdruck von 160 oder mehr messe, sind Betroffene erstaunt. Ein Zufallsbefund, wenn derjenige den angestiegenen Blutdruck selbst nicht spürt. So kann die Wetterfühligkeit auch der Auslöser für einen Befund sein“, sagt Dr. Knaut.

Nicht nur Ältere sagen oft: Das Wetter ändert sich, meine Narbe sagt‘s. Schmerzem­pfindungen: Verheilte OPs, Knochenbrüche machen sich schmerzlich bemerkbar. ­Ältere Menschen sind wetter­fühliger, da sie meist schon mehr Vorer­krankungen haben.

Wenn man weiß, dass man wetterfühlig ist, sollte man manche Dinge lassen. Wer sich bei Hitze unwohl fühlt, sollte dann nicht noch eine Therme besuchen oder im Urlaub in die Tropen reisen. Da ist Norwegen gesundheitlich sicherer. „Wenn einem der Föhn fürchterliche Kopfschmerzen bereitet, sollte man während dieser Zeit keinen wichtigen Termin wahrnehmen, weil man sich nicht konzentrieren kann“, so Dr. Knaut. Besser: Termin verschieben. Bei 30 Grad im Schatten und Rest­feuchte sollte man eben nicht Joggen. Das macht ja schon ein gesunder Organismus kaum mit. Fazit: „Bei Wetterfühligkeit sollte man sich ein bisschen beobachten. Gegebenenfalls reagieren, sich darauf einstellen und einiges umstellen“, rät ­
Dr. Knaut.

Bestimmte Wetter­lagen können auch Störungen des Blutdrucks hervorrufen. Davon können auch Gesunde betroffen sein. Kalt bedeutet hoher Blutdruck, warm = niedriger Blutdruck. „Das sieht man im Sommer, wenn selbst junge Menschen – die bereits an niedrigem Blutdruck leiden – reihenweise umfallen. Sie haben eventuell nicht richtig gegessen oder nicht genug getrunken“, so Dr. Heike Knaut.

Zur Beachtung

• Fährt das Wetter mit uns Achterbahn, legt Temperaturschwankungen von zehn Grad und mehr an den Tag, erhöht sich das Risiko für einen lebensbedrohlichen Schlaganfall.

• In vielen Arterie, wie links und rechts am Hals die Schlagadern, gibt es Barorezeptoren. Diese reagieren auf Luftdruckveränderungen.

• Je schneller und stärker sich das Wetter ändert, desto größer ist der Einfluss auf empfindliche Menschen.

• Der Luftdruck spielt eine geringere Rolle, aber der plötzliche Luftmassenwechsel. Darauf kann sich der Organismus nicht schnell genug anpassen.

Zitat

"Wetterfühligkeit ist nichts Lebensbedrohliches. Sie ist oft unangenehm und man kann es sich nicht erklären. Und die Phänomene sind ganzjährige. Denn Wetter ist immer." Dr. Heike Knaut

Das Phänomen

Raynaud-Syndrom: Eine Veranlagung bei der sich die kleinen Hautgefäße, vorn in den Fingern, die Kapillaren, manchmal auch in den Füßen, bei Kälte dazu neigen sich zu verengen. Die Finger werden ganz weiß. „Es gibt Patienten, die müssen schon ab 10 Grad plus Handschuhe tragen“, so Dr. Heike Knaut. Das sind furchtbare Schmerzen. Ähnlich, wie wenn fast erfrorene Finger im Warmen wieder auftauen. Aber Betroffene müssen reagieren, sich zweckmäßig kleiden. Das ist eine Laune der Natur, keine Krankheit.

Tipps

• Täglich eine halbe Stunde an der frischen Luft spazierengehen hilft dem Organismus, sich an Temperaturänderungen
anzupassen.

• Menschen, die aufgrund von Stress sensibel auf das Wetter reagieren, können sich mit Entspannungsübungen wie Yoga zur Ruhe bringen.

• Bei Hitze auf fettige, schwere Kost verzichten. Das ganze Blut wird zur Verdauung gebraucht. Ist der Blutdruck eher niedrig, sinkt er jetzt nochmal. Es droht ein Schwindelanfall. Ein Salat wäre besser.

Arm- und Fußbäder (Wechselduschen) nach Kneipp und ätherische Öle können für Linderung sorgen.

• Gegen Kälte helfen Latentwärmespeicher (Handwärmer).

• Bei Hitze die direkte Sonne meiden, viel trinken und Abkühlung suchen.

• Bei Rheumatikern oder Asthmatikern müssen die Medikamente angepasst werden. Lungen- und Hautpatienten hilft ein Auffenthalt am Meer.

• Menschen die aufgrund von Stress sensibel auf das Wetter reagieren, können sich mit Entspannungsübungen wie Yoga zur Ruhe bringen.

• Für wetterempfindliche Menschen eigenen sich diese Präventivmaß­nahmen eventuell auch. Doch sie sollten vorher mit ihrem Arzt abklären, was sie sich bei ihrer Erkrankung zumuten können.

• Wer bei Hitze schlecht schlafen kann, sollte mal probieren, mit einem gekühlten Schlafanzug ins Bett gehen.

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