FC Rot-Weiß Erfurt
Insolvenzantrag: Rot-Weiß plant den vollständigen Neuanfang

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Wie die Seite thueringen24.de meldet, hat Rot-Weiß Erfurt die Reißleine gezogen. Der Klassenerhalt wohl nicht mehr zu schaffen. Die Misswirtschaft der vergangenen Jahre fordert ihren Tribut. 

Der Erfurter Rechtsanwalt Marko Harraß ist mit der Durchführung des Verfahrens beauftragt. Der Klassenerhalt werde als nicht mehr realistisch angesehen. Der hoch verschuldete Verein ist der erste Absteiger in die Regionalliga, denn Erfurt hat damit nur noch 9 Punkte auf dem Konto. In noch 10 ausstehenden Spielen ist der Klassenerhalt zwar rechnerisch mit vielen Eventualitäten möglich. Praktisch aber extrem unwahrscheinlich.

Erfurt will sich in eine selbstverwaltete geregelte Insolvenz begeben und damit die kommende Saison schuldenfrei in die Regionalliga starten. Stefan Emmerling wird Trainer erhalten bleiben, kürzlich hatte er zum Traineramt auch die sportliche Leitung übernommen. Mit der Gewissheit dieses Schrittes, ist er ab sofort am Aufbau eines schlagkräftiges Kaders für die Regionalliga beschäftigt. Weil die Ausgliederung in eine GmbH, die immer wieder im Gespräch war, schuldenfrei erfolgen muss, sei dass der einzige Weg zur Umwandlung gewesen, um dieses langfristige Ziel zu erreichen. Den Verein drücken rund 8 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Jene Geldgeber trifft es nun hart. Gläubiger im unteren dreistelligen Bereich, wohl mehr als 200, vom großen Wirtschaftsunternehmen bis zu kleinen Spendern, also Privatleuten, werden auf große Teile ihres Geldes verzichten müssen. Auch die Käufer der sogenannten Genussscheine sind davon betroffen. Auch der Vorwurf einer Insolvenzverschleppung wird geprüft werden. 

Der Verein indes wird mit dieser Art des Verfahrens wohl nicht vollständig abgewickelt, glaubt Rechtsanwalt Harraß, der dem Gericht allerdings nicht vorgreifen will. Einen Insolvenzverwalter wird es nicht geben, aber einen Verfahrenspfleger. Die Gehälter von Spielern und Mitarbeitern würden über einen Bank vorfinanziert, bis das Arbeitsamt diese für drei Monate übernommen habe. Selbst Siegprämien sind dort inbegriffen, was auch dafür sorgen soll, dass es in der 3. Liga keine Wettbewerbsverzerrungen geben soll. 

Kommentar:

Wäre das zu verhindern gewesen? "Allerdings" - so muss die Antwort lauten. Noch vor dem Bau des neuen Stadions hätten die Beteiligten mit realistischen Zahlen arbeiten müssen, mit echten Zuschauerzahlen, ohne mit einer fiktiven Steigerung zu planen. Lebensverlängernde Maßnahmen wie der Verkauf von Genussscheinen halfen vor allem dabei, die jetzige Situation zu verzögern.

Häufigere Leihgeschäfte mit Bundesligavereinen, statt neuer teurer Profiverträge, eine noch frühere Einbindung der eigenen jungen Talente, die sich in Erfurt immer gut entwickelt haben und vor allem ein funktionierendes Marketing hätten helfen können, die Situation zu entschärfen. Sportlicher Erfolg auch. 

Zum Stadionneubau selbst gab es langfristig jedoch keine Alternative. Die gute Auslastung in der Funktions als Kongresszentrum zeigt das jetzt, die Leichtathletik DM oder Konzerte auch.  

Mitverantwortung trifft auch einige wenige Fans: Immer wieder musste der Verein Strafen im 5-stelligen Bereich an den DfB zahlen, damit sich wenige Fans an eingeschleppter Pyrotechnik erfreuen konnten. Nur allein das Derby gegen Jena zu Hause kostete den Verein 18.000 Euro an Strafe, Geld, das vor allem bei der Nachlizensierung den Punktabzug hätte verhindern können. Erfurt bleibt hier der Rekordhalter in der 3. Liga.

Autor:

Axel Heyder aus Erfurt

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