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Round Table - (K)ein Geheimbund, doch auffällige Rituale
Beschnuppern beim „Gabeltest“

Benjamin Schadow (li.) und Robert Hollmann sind (Round)-Tabler. Sie wollen sich engagieren, der Gesellschaft etwas zurückgeben und dabei Spaß haben.
Benjamin Schadow (li.) und Robert Hollmann sind (Round)-Tabler. Sie wollen sich engagieren, der Gesellschaft etwas zurückgeben und dabei Spaß haben. (Foto: Thomas Gräser)
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Nur Männer, maximal 40 Jahre, ein Statut, ein mysteriöser Gruppen-Name, eine kreisrunde Symbolik, Aufnahme-Zeremonie und ein Statut – ein Geheimbund? Mitnichten. Kapuzen, Schürzen, Stulpen und Schwerter sucht man vergebens.

Unter dem Label „Round Table“ (RT) versammeln sich junge Männer die mitten im Leben stehen und ihren Horizont erweitern wollen. Dabei geht es nicht den Frauen zu entfliehen, um nicht ganz jugendfreie Witze abzusetzen. Im Gegenteil, bei den Tisch­abenden des Service-Clubs redet Knigge mit. Und der Sergeant, ein für den Abend bestimmter „Sittenwächter“, wacht über die Benimmregeln und kann für Fehltritte geldliche Strafen verhängen, oft augenzwinkernd. 

 Doch die Etikette allein ist nicht Ansinnen der Tabler. Sie wollen anpacken, helfen und der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil es ihnen selbst gut geht. „Dabei hat die ehrenamtliche Hilfe vor Ort Priorität“, sagt Robert Hollmann (34). Da werden Projekte wie Warnwesten für Kitas, Verkehrserziehung an Grundschulen, Spielplatzbau, Hilfe zur Rettung des Dreibrunnen­bades, Benefizfußball, Konzerte und internationale wie die Weihnachtspäckchen-­Aktion bewältigt. Die Aufzählung des Softwareunternehmers, er ist IRO, so etwas wie „Außen­minister“ im RT 221 Erfurt-Altstadt, zuständig für internationale Beziehungen, ist längst nicht vollständig.

Die Hilfe der Tabler, meist junge Unternehmer, ­besteht sehr selten darin einen Scheck einzutüten oder im Anzug Spenden zu ­sammeln. Sie ­lieben es härter, ­authentischer – sie packen mit an. „Wir überlegen wie wir etwas selber machen können. Wer hat einen Bagger, wer Material, wer Zeit? Und dann geht’s los, auch mal in Gummistiefeln“, beschreibt Hörgeräteakustiker Benjamin Schadow (30) und Vize-Präsident des RT 221 das Tun.

"Ich will mich engagieren, meinen Horizont erweitern und möchte etwas zurückgeben. Nur vom Geldeinwerfen in die Sammelbüchse partizipiert man nicht."                    Robert Hollmann

 Solche Do-it-yourself-­Aktionen schmieden zusammen. Sie erweitern den Horizont der Tabler, die im Berufsleben oft nicht ­Hammer, Spaten oder Säge schwingen. „Da lernen wir mal was anderes kennen. Da schmort man nicht so im eigenen Saft, sondern schaut über den Tellerrand“, erklärt Hollmann ein weiteres An­sinnen – die Gemeinschaft.

 Ausge­brütet werden neue Projekte zu den zwei Tisch­abenden im Monat. Da geht es ganz ungezwungen zu. „Es soll ja auch Spaß ­machen“, wirft Schadow ein. Wirtschaftliche Aspekte bleiben bei solchen Treffen der 9 bis 15 Mitglieder außen vor. „Bei uns darf kein Versicherungsvertreter Policen auslegen“, verdeutlicht Hollmann die Regeln. Vielmehr gilt es neue Ideen „aufzugreifen, anzupacken und zu verbessern“. Das ist auch das Motto von „Round Table“ und stammt aus der Rede des Prince of ­Wales Eduard VIII. im Jahr 1927. Er ermunterte junge Männer Bewährtes zu übernehmen und an die Gegenwart anzupassen.

"Ich möchte helfen und mich für andere einsetzen. Dabei ist es höchstwahrscheinlich, dass man mit Menschen zusammenkommt, die genauso drauf sind wie man es selber ist."   Benjamin Schadow

 An den Tischabenden werden auch neue Mitglieder aufgenommen. Der Pate des Aspiranten empfiehlt die Aufnahme und bei Einstimmigkeit ist sie beschlossen. Das geschieht im feierlichen Rahmen, mit Übergabe von Urkunde, Pin und Tabler-­Leitfaden. Der Neue hat schon vor geraumer Zeit den „Gabeltest“ – ein Schnupper-­Treffen beim Essen – mit einem bis vier Tablern absolviert und einige Tischabende besucht. „Dabei schauen wir gegenseitig ob wir ­zueinander passen“. Bewerben kann man sich eher nicht. Doch Interessierte können sich gern informieren. „Man wird angesprochen“, sagt Benjamin Schadow. Denn nach Nachwuchs für den jeweiligen „Round Table“ schauen sich die Mitglieder permanent um. Denn die Uhr tickt ja auch, „mit 40 ist Schluss“, so Robert Hollmann.

HINTERGRUND

„Round Table“ (RT) zählt zu den Service-­Clubs, auch Wohltätigkeits-Clubs genannt und wurde 1927 in England gegründet.

 Es ist eine neutrale Vereinigung – weder religiös noch politisch gebunden – von jungen Männern zwischen 18 und 40 Jahren. Die Idee dazu entstand im englischen Clubleben. Ansässige Selbstständige „Tische“ unterschiedlicher ­ Branchen organisieren sich, um Gutes zu tun.

In Deutschland existieren 240 Tische mit rund 3600 Mitgliedern. International sind 35 000 Männer in 70 Ländern.

 Es gibt RT in Weimar, Jena, Eichsfeld, zwei in Erfurt und in Arnstadt ist eine Gründung in Vorbereitung.

 Der „Round Table“ 221 Erfurt-Altstadt wurde am 17. Juli 2006 gegründet.

 Der Tischabend beginnt mit einem gemeinsamen Essen. Er beinhaltet meist einen Vortrag, auch von einem Gastreferenten.

 Es gibt Treffen auf ­nationaler und internationaler Ebene. Nachbartische arbeiten oft gemeinsam an Service-Projekten.

 Inform@tionen:
» rt221.round-table.de

RT 229 Eichsfeld
RT 221 Erfurt-Altstadt
RT 211 Erfurt
RT Jena
RT Weimar

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