Der Erfurter Verein „­Zenias Tiere“ hilft griechischer ­Tierschützerin
Die letzte ­Rettung für viele Hunde und Katzen von der Straße

Die griechische Tierschützerin Zenia Kazenia mit einem ihrer Schützlinge.
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  • Die griechische Tierschützerin Zenia Kazenia mit einem ihrer Schützlinge.
  • Foto: Zenias Tiere e.V.
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Am Anfang war Zotti. Die Griechin von der Straße eroberte im Handumdrehen das Herz von Ingo Sichardt. Denn im Gegensatz zu ihrem zerzausten Fell, daher ihr Name, ist ihr Wesen so gar nicht widerborstig.

„Zotti ist eine Granate. Ein Vorzeigehund“, schwärmt der Erfurter. Er hat sie damals gerettet, nach Deutschland geholt und es bis heute nicht eine Sekunde lang bereut. Im Gegenteil: Durch Zotti wurde Ingo Sichardt zum Thüringer Tierschützer.

„Vor zwei Jahren habe ich für ein halbes Jahr in Griechenland gearbeitet. Straßenhunde kannte ich bis dato nur aus den Medien.“ Umso schockierter war Sichardt, als er erkennen musste, wie die Tiere ausgesetzt, misshandelt, überfahren und vergiftet werden. „Krass, was da abgeht. Wenn man nicht einmal vor Ort war und das miterlebt hat, kann man es gar nicht glauben.“

Sichardt wollte helfen – Zotti und den vielen ­anderen Hunden. Er traf auf die griechische Tierschützerin Zenia Kazenia, die sich seit fast 20 Jahren für Hunde und Katzen von der Straße einsetzt und ihnen ein neues Heim sucht. In seiner Freizeit half er ihr bei ihrem Ehrenamt. Und sie half ihm mit Zotti, die ­mittlerweile bei Ingo Sichardt in Erfurt lebt.

„Sie opfert sich auf.“

Wieder in Deutschland war dem Erfurter klar, dass er Zenia weiterhin unterstützen wollte. „Diese Frau macht einfach alles: Sie lässt die Tiere auf eigene Kosten kastrieren, impfen, entwurmen, medizinisch versorgen und bezahlt das alles aus eigener Tasche. Sie braucht Hilfe bei dieser herzensguten Arbeit.“ Er fand weitere Mitstreiter wie Björn Peter, der bestätigt: „Sie opfert sich auf – nonstop, rund um die Uhr.“ Gemeinsam gründeten die beiden Mitte März den Verein „Zenias Tiere“, um Spenden für die Tierretterin zu sammeln. „Mit dem Geld werden die Kosten für Futter, Medikamente und Tierarzt finanziert“, erklärt Peter.

Auf der Vereinswebsite und bei Facebook hat jedes Tier seine Geschichte, die von der Straße bis zur Vermittlung erzählt wird. In einer „Happy End“-Gruppe tauschen sich die neuen Besitzer über ihre Tiere aus. Dass die Hunde durch das Leben auf der ­Straße wild geworden sind, kann Sichardt nicht bestätigen. „Ich habe bestimmt 50 Tiere kennen­gelernt. Davon hat mich nicht eines angeknurrt oder angebellt. Die sind sehr sozialisiert, denn sie müssen sich auf der Straße durchschlagen. Ein Krawallhund hätte gar ­keine Über­lebenschance.“

Regelmäßig fliegen die beiden Erfurter nach Griechenland und dokumentieren die Arbeit ihrer Heldin. Vorher-­Nachher-Bilder zeigen, wie gut es den Tieren dank ­ihrer Hilfe ergeht. „Ohne ­diese Transparenz im Tierschutz funktioniert es nicht“, weiß Sichardt, wie wichtig es ist, das in sie ­gesetzte Ver­trauen zu rechtfertigen. „Man kann nicht einfach nur die Hand aufhalten und nichts dafür geben.“ Die Kosten für die Reisen zahlen die beiden stets aus eigener ­Tasche. „Wir investieren viel, ­machen die Arbeit aber gerne“, sagt Sichardt. „Wenn man bemerkt, dass man etwas bewegen kann, setzt man andere Prioritäten“, ergänzt Peter.

2000 Fans in zwei Monaten

„Sicherlich suchen viele Hunde in Deutschland ebenfalls ein Zuhause und haben eine Chance verdient“, weiß Sichardt. „Aber sie ­haben hier zumindest ein Dach über dem Kopf, sind versorgt und werden vermittelt. Die öffentlichen Tierheime in Griechenland sind hingegen grottig. Und sie setzen die Hunde, nachdem sie gesund gepflegt wurden, wieder aus.“

Der Grund, weshalb es in Griechenland so viele Straßenhunde gibt: Die Tiere werden nicht kastriert. Zum einen fehlt das Geld. Zum anderen betrachten die Griechen die Kastrationen an den Tieren als unnatürlich. So ist es für die Tierschützer oft eine Sisyphusarbeit. „Natür­lich kann man nicht jeden Hund retten“, akzeptiert Sichardt.

Aber in kurzer Zeit hat der junge Verein schon viel erreicht: Gerade erst ­konnte ein notwendiger Umzug für Zenias Stätte ­finanziert werden. Der Facebookseite folgen schon über 2000 Fans. Und vielleicht, das ist das große Ziel, können die Thüringer der Tierschützerin und ihren Tieren irgendwann einen eigenen Fleck finanzieren, von dem sie nie wieder verscheucht werden können.

Kontakt
www.zenias-tiere.de
www.facebook.com/zenias.tiere

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