Die ­Retter der ­Fellnasen: Zenias Tiere
­Erfurter Verein setzt sich für griechische Straßenhunde ein

Die griechische Tierschützerin Zenia Kazenia mit einigen ihrer Schützlinge.
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  • Die griechische Tierschützerin Zenia Kazenia mit einigen ihrer Schützlinge.
  • Foto: Zenias Tiere e.V.
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Tierschutz ist nicht immer schön.“ Es sind grausame ­Bilder, die Ingo Sichardt immer wieder zu Gesicht ­bekommt. Von Hund Samwell beispielsweise, der absichtlich überfahren und am Straßenrand liegen gelassen wurde. Sein Bein war beinahe völlig abgetrennt. „Er wäre jämmerlich verendet.“ Welpe Lucas hat bei einer schlimmen Schädelverletzung ein Auge verloren. Die abgehungerte Marja hatte einen riesigen ­Tumor, Lucky die Krätze.

Ohne den Erfurter Verein „Zenias Tiere“, dem Sichardt vorsteht, wären all diese ­Hunde wohl elendig gestorben. Er erzählt ihre ­Geschichte, sammelt so Spenden, um Operationen, Medikamente und Futter zu finanzieren. So erhalten die Tiere erstmals einen Namen und somit eine zweite Chance – vielleicht ­sogar in Deutschland, denn der Verein hilft bei der Vermittlung der Tiere.

Die Thüringer unterstützen mit ihrem Ehrenamt die griechische Tierschützerin Zenia Kazenia, die sich seit rund 20 Jahren in ihrer Heimat bei Thessaloniki für Hunde und Katzen von der Straße einsetzt. Sie lässt die Tiere, die in Griechenland keine Lobby haben, kastrieren, impfen, entwurmen, medizinisch versorgen und sucht ihnen ein neues Zuhause. Um ihr bei ihrer Arbeit zu helfen, haben die Erfurter Ingo Sichardt und Björn Peter im März 2018 den Verein „Zenias Tiere“ ­gegründet.

Auch wenn es die beiden schmerzt, beinahe täglich das Leid der Hunde und Katzen zu erfahren, haben sie ihren unermüdlichen Einsatz bisher nie bereut. „Es gab keinen Tag, an dem wir verzweifelt waren“, sagt Björn Peter. Im Gegenteil: Anderthalb Jahre nach der Vereinsgründung freuen sie sich über die vielen Erfolge, die sie schon ver­buchen konnten.

Viel Eigenleistung

Nach einem notwendigen Umzug stand Zenia anfangs nur ein leeres Grundstück zur Verfügung. „Es war wie ein neuer Startpunkt für uns“, ­erinnert sich Sichardt. Damals sammelten die beiden Spenden, um den Platz einzuzäunen. „Mittlerweile haben wir eine Infrastruktur geschaffen auf einem einfachen Platz, der weder über fließendes Wasser, noch über Strom verfügte.“ Es wurde gemalert, drei Tonnen Kies wurden verteilt, Sonnenschutz installiert, eine Quarantänestation errichtet und Wärmelampen für kühle Tage angebracht, Hunde­boxen und ein Wohncontainer aufgebaut. Das nächste Projekt steht schon wieder an: Es gilt, stabile Zäune für die Gehege zu installieren.

Wenn die Vereinsmitglieder vor Ort in Griechenland sind, ist ihr Einsatz im Vorhinein gut geplant, um die Zeit möglichst effektiv zu nutzen und viel zu schaffen. Auf Handwerker greift der Verein nur zurück, wenn es nicht anders geht. Das meiste entsteht in Eigenleistung.

Dank der Spenden konnten auch eine Wasch­maschine, ein Trockner, ein ­Kühlschrank, um die Medikamente zu lagern, und ein neues Auto finanziert werden. Um großzügige Tierschützer zu finden, starten die ideenreichen Erfurter immer wieder neue Aktionen. Beispielsweise haben sie schon über 50 Tierpatenschaften ­organisiert.

Sie haben Stoffbeutel und Kalender mit Fotos der Fellnasen, wie sie die Hunde und Katzen liebevoll nennen, für den guten Zweck verkauft. Über den renommierten Tierschutzshop, der „Zenias Tiere“ aus einer Hand voll deutscher Vereine ausgesucht hat, werden ­materielle ­Spenden organisiert. Allein im Oktober konnte so für 14 000 Euro Futter gekauft werden. Um auf sich und die gute Sache aufmerksam zu machen, haben sie sogar einen Prominenten als Botschafter werben können: Tierfreund Aurelio Savina, bekannt aus diversen Reality-TV-­Formaten wie dem Dschungel­camp.

11.000 Facebook-Fans

Das Engagement funktioniert. Nach einem Jahr zählt die Facebook-Seite des Vereins rund 11 000 Fans, 2000 auf Instagram. Die Vereinsmitglieder haben sich absolute Transparenz und totale Nähe auf die Fahnen geschrieben. Sie wissen: Vertrauen kann nur über direkte Kommunikation mit den Anhängern entstehen. „Wir halten alle auf dem Laufenden, sind offen und ehrlich, verschweigen nichts“, sagt Björn Peter. Live-Videos und Vorher-Nachher-Fotos ­beweisen, dass die Spenden gut ankommen und direkt helfen.

Um aufzufallen, zeigen die Aufnahmen auch immer mehr unschöne Details nah an der Grenze, verpixelt werden zu müssen. „Wir zeigen die krassen Bilder, um den Leuten klar zu machen, was hier unten los ist. Es gibt noch zu viele, die sagen, dass ja alles nicht so schlimm ist“, erklären die beiden. Das sorgt für Diskussionen in den ­sozialen Medien. „­Meistens gehen wir darauf nicht ein. Die Energie, die uns das raubt, stecken wir lieber in ­Projekte.“

Und der Enthusiasmus der Tierschützer ist ungebrochen. Sie werden nicht müde, ­immer mehr ­Aufgaben anzugehen. Björn Peter erklärt: „Die Erfolge sind ein Ansporn, mit viel Herzblut immer weiter zu machen.“

Kontakt
www.zenias-tiere.de,
www.facebook.com/zenias.tiere,
www.instagram.com/zeniastiere

Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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