Gespräch mit Citymanagement-Vorstand Heinz-Jochen Spilker
Kämpfen für die City

Ein Kämpfer für eine blühende Innenstadt: Heinz-Jochen Spilker.
  • Ein Kämpfer für eine blühende Innenstadt: Heinz-Jochen Spilker.
  • Foto: Michael Voigt
  • hochgeladen von Helke Floeckner

In der bundesweiten ­Studie „Vitale Innenstädte 2018“ ­belegt Erfurt unter 116 Städten mit vergleichbaren Einwohner­zahlen Platz 1 – wie schon bei der Studie zuvor. Das ist Anlass für ein Gespräch mit Heinz-Jochen ­Spilker, Vorstandsvorsitzender vom ­City-Management Erfurt e.V.:

Was macht die Erfurter Innenstadt so attraktiv?

Sie hat noch eine sehr ­heterogene Einzelhandelslandschaft mit ­einheimischen und überregionalen ­Händlern. Allerdings ­bereitet uns eine Tendenz Sorgen: Je weiter die Anreise von außerhalb, desto attraktiver ist das Internet. Es ist auch nicht einfach, in die Innenstadt zu fahren. Hinzu kommen die vielen Baustellen und die immer noch ­unzureichende Parkplatzkapazität. Wir können auch nicht verstehen, wenn man bisher entgeltfreie Parkplätze jetzt zusätzlich zu entgeltpflichtigen Parkmöglichkeiten umwandelt, warum man das mit der ­Technik von ­vorgestern macht. Die Bedienung per Handy ist ausgesprochen kompliziert. In den ­Fragebögen der Studie wird das Parken deutlich schlechter bewertet als Punkte wie Ambiente oder Einkaufserlebnis. An ein ­Parkplatzsuchsystem wurde erst gar nicht gedacht.

Was kann Erfurt tun, um den 1. Platz zu verteidigen?

Wir hoffen, dass das Parkhaus Löbertor endlich verwirklicht wird. Der Beschluss dazu stammt von 2014, doch mit dem Bau wurde noch nicht begonnen. Das mit dem Parkhaus Reglermauer hat siebeneinhalb Jahre gedauert. Dabei war die Bauphase nur neun Monate lang. Aber die Irrungen und Wirrungen in der Stadtverwaltung haben alles sehr hinausgezögert.

Wie lassen sich mehr ­Leute in die Stadt holen?

Durch ein attraktives ­Ambiente. Früher hatte man 20 Prozent Erlebniseinkauf und 80 Prozent normalen Einkauf. Das ist heute umgekehrt. Zu 80 Prozent wollen die Leute ein Erlebnis vermittelt bekommen.

Events sind unverzichtbar?

Die sind ganz wichtig. Jede erfolgreiche Innenstadt­förderung schafft es nur mit Events – wenn ­Menschen etwas erleben können. Da müsste in Erfurt wesentlich mehr gemacht werden.

Denken Sie da auch an ­verkaufsoffene Sonntage?

Die sind ein Sonderproblem. Die Zahl ist mit vier offenen Sonntagen in Thüringen sehr moderat geregelt. Diese verkaufsoffenen Sonntage werden von der Gewerkschaft ver.di immer wieder infrage gestellt. Wenn Erfurt seine zentrale Position als der Einkaufsstandort Thüringens behaupten will, muss auch das Angebot der verkaufsoffenen Sonntage da sein. Das ist nun mal der Tag, an dem Familien Gelegenheit und Zeit haben, auch einmal die etwas weitere Anfahrt für einen Innenstadtbesuch zu realisieren. Ob es in diesem Jahr vier verkaufsoffene Sonntage in Erfurt gibt, ist eine gute Frage – und immer wieder ein neuer Kampf. Wir gehen aber davon aus, dass sie alle stattfinden dürfen.

Welche Auswirkungen hat das Internet?

Die Dynamik zugunsten des Internets und zu Lasten des stationären Einzelhandels hinterlässt ihre Spuren. Bisher hatten wir uns dank der ­attraktiven Innenstadt diesen Entwicklungen noch relativ gut entziehen können. Das wird jetzt deutlicher. Im Schnitt 20 Prozent Umsatzverlust an das Internet haben wir schon zu verzeichnen. Bei einigen Branchen liegt das sogar höher. Der Innenstadthandel hat damit erheblich zu kämpfen. Auch Konflikte zwischen Vermieter und Mieter werden stärker und schmerzlicher. Mieter haben nicht mehr den Umsatz wie früher und hoffen, dass Vermieter ihnen mit der Miete entgegenkommen. Doch die haben dafür meist weniger Verständnis.

Wie sehr machen ­Erweiterungen am Stadtrand der City zu schaffen?

Das ist eine Dauerproblematik. Der Thüringenpark möchte sich um 10 000 Quadratmeter vergrößern. Das ist innenstadtschädlich. Wir könnten mit einer Erweiterung von 4500 Quadratmetern leben, wenn die Stadt im selben Zug etwas für die Belebung der Innenstadt tut. Bei dem jetzigen Gutachen habe ich Bedenken, dass der zunehmende Umsatzschwund durch das Internet genügend berücksichtigt wird. Aber die Stadt hört uns zu, legt Wert auf unsere Meinung.

Ziehen Stadt und City-­Management an einem Strang?

Das ist von Thema zu Thema unterschiedlich. Wir werden gehört und man denkt über unsere Ansichten nach. In den vergangenen Jahren ist aus geübter Zusammenarbeit etwas Vernünftiges ­entstanden.

Was würden Sie sofort ­ändern, wenn Sie könnten?

Die Park­situation. Ohne Parkplätze ist die Innenstadt ­gegenüber dem ­Internethandel ­chancenlos. Es ist bequemer zu klicken, als sich ins Auto zu setzen.

Erfurt ist...

...eine so schöne Stadt, dass es sich lohnt, dafür zu streiten, dass sie so schön bleibt und nicht durch das Internet und periphäre Märkte kaputt­gemacht wird, wie das in anderen Städten geschehen ist.

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