Worte wie eine Therapie
Thüringer zeigen unglaubliche Bereitschaft zu unterstützen – 35 Postkisten, viele Päckchen und Pakete kommen im Kinderhospiz in Tambach-Dietharz an

Von Axel Heyder

Es hat nicht nur alle Erwartungen übertroffen. Es hat den Rahmen gesprengt. Marcus Köhler ist noch immer baff, denn seit dem Aufruf, persönlich an das Kinderhospiz Weihnachtsgrüße zu schicken, an dem sich der Allgemeine Anzeiger mit einer Titelgeschichte beteiligt hat, bringt die Post täglich neue Überraschungen. Und zwar so viele, dass derzeit zehn ehrenamtliche Helfer damit beschäftigt sind, die Post zu verarbeiten. „Etwa 1500 Sendungen haben wir bereits sortiert“, sagt der Mitarbeiter des Kinderhospiz Mitteldeutschland, und „vor allem an die richtigen Adressaten gebracht.“ Das sei nur ein Bruchteil dessen, was seit dem Aufruf vor Weihnachten angekommen ist. Und noch bis weit in den Januar hinein bringt die Post täglich 20 bis 30 Sendungen ins Haus in Tambach-Dietharz, das derzeit einen eigenen Raum für Post freiräumen musste. Pakete, Päckchen, Geschichten, Bastelleien und Postkarten, alles liebevoll gestaltet von AA-Lesern.

Die 79-jährigen Renate greift zu Papier ebenso wie der 4-jährige Leon, der mit Buntstiften gemalt hat. Von Firmen, Sportvereinen, Privatleuten und Schulklassen, in denen jeder Schüler ein paar Zeilen aufgeschrieben hat. Von der Postkarte bis hin zu seitenlagen Erzählungen. „Was hier passiert, haben wir so noch nicht erlebt. Und es ist unglaublich schön, das zu sehen“. Köhler erklärt, warum gar nicht zu viele Grüße kommen können: „Wenn die Eltern diese liebevollen Zeilen vorlesen, dann tut das nicht nur den Kindern gut. Es ist für die gesamte Familie wie eine Therapiestunde. Das Gefühl, nicht allein zu sein, moralische Unterstützung zu erhalten. Mit Geld ist das jedenfalls nicht aufzuwiegen“. Trotz der stolzen Menge von 35 Postkisten, bis obenhin voll mit Briefen, werde jede einzelne Zeile ihr Ziel erreichen. Selbst, wenn es realistisch betrachtet, noch rund drei Wochen dauern wird, bis alle Post da ankommt, wo sie am meisten hilft. „Es wäre auch fatal, wenn jemand sich die Mühe macht und liebevoll einen Brief gestaltet und der dann nicht bei jenen ankäme, für die er gedacht ist. Das ist ein Versprechen.“ Neben den Kindern mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und -verläufen würden zudem die Angehörigen diese Flut von Zuspruch genießen. Ein Spielzeughersteller hat zwei Paletten voller Puppen und Spielautos geschickt. „Wir sind damit in der Lage, jedem Kind, das zu uns kommt, ein kleines Geschenk auf das Bett zu legen, egal ob Patient oder Geschwisterkind.“ Ein Süßwarenhersteller ließ Naschwerk anliefern und vier Jugendliche haben eine Fahrgemeinschaft gebildet, sind 60 Kilometer dorthin gefahren, um alles persönlich noch vor Weihnachten zu übergeben. Die Thüringer haben ein großes Herz.

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