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Auf die Pflege in Thüringen kann man vertrauen

5. August 2017 um 00:00
Thüringen, Thüringen
Unter großem persönlichen Einsatz bemühen sich fachlich gut ausgebildete Pfleger Tag für Tag darum, dass es den Betroffenen an nichts mangelt und dass sie trotz der gegebenen Einschränkungen ein möglichst gutes Leben führen können.
Unter großem persönlichen Einsatz bemühen sich fachlich gut ausgebildete Pfleger Tag für Tag darum, dass es den Betroffenen an nichts mangelt und dass sie trotz der gegebenen Einschränkungen ein möglichst gutes Leben führen können. (Foto: Albrecht E. Arnold / www.pixelio.de)
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Im Gespräch mit Thomas Engemann, Landesbeauftragter des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa)

Es ist kein Geheimnis, dass der Pflegebereich in Deutschland vor großen Herausforderungen steht. Trotzdem scheint relativ wenig dagegen getan zu werden. Woran liegt das?
In der Pflege in Deutschland hat es in der Vergangenheit eine wichtige Zäsur gegeben: Das war die Einführung der sozialen Pflegeversicherung, die ähnlich wie eine Teilkaskoversicherung funktioniert. Sie hat eine deutliche Verbesserung in der Pflege gebracht, weil seitdem jeder in Deutschland einen verbrieften Anspruch aus Leistungen aus der Pflegeversicherung hat – wenn ein entsprechender Bedarf festgestellt und eine Pflegestufe, beziehungsweise seit Anfang dieses Jahres ein entsprechender Pflegegrad, festgelegt wurde.
Der Nachteil, wenn man so will, ist, dass alle in die Pflegeversicherung einzahlen müssen, ob sie wollen oder nicht.
Der nicht zu unterschätzende Vorteil ist aber wiederum, dass die Leistungsanbieter in den letzten Jahren ein großes und sehr differenziertes Angebot aufbauen konnten, von dem die Betroffenen sehr profitieren.

Worauf wollen Sie hinaus?

Ich denke, dass die Aussage, es tue sich in der Pflege zu wenig, so nicht stimmt. Schauen Sie: Durch die geschilderten Veränderungen, haben gerade auch in Thüringen immer mehr Menschen begonnen, Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen. Und durch die zunehmende Nachfrage ist es in den letzten zehn Jahren zu einer Verdoppelung der Angestellten in der professionellen Pflege gekommen. Es tut sich also sehr wohl etwas.

Was sind die größten Probleme, mit denen Anbieter sozialer Dienste heute schon zu kämpfen haben?
Das ist der viel zitierte demografische Wandel – wobei dieser sehr ambivalent zu sehen ist: Die Menschen in Thüringen werden heute deutlich älter als vor 20 oder 30 Jahren. Das ist positiv und etwas sehr Begrüßenswertes. Es liegt aber leider in der Natur der Sache, dass mit immer mehr deutlich älteren Menschen auch die Zahl derer steigt, die pflegebedürftig sind.
Und dann haben wird auf der anderen Seite das Problem, dass vor 20 oder 25 Jahren sehr viele Menschen aus Thüringen weggezogen sind, um in westlichen Bundesländern zu arbeiten. Das waren die 20- bis 40-Jährigen, die heute in dem Alter wären, sich um ihre pflegebedürftigen Eltern zu kümmern.
Die meisten Pflegeleistungen werden in der Regel von Verwandten übernommen. Da, wo diese Menschen nicht in der Nähe wohnen, werden die nötigen Leistungen und Hilfestellungen von professionellen Pflegeleistern übernommen.

Wie gehen die Betroffenen mit diesem Problem um?
Wir stellen fest, dass die Bereitschaft, körpernahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen deutlich steigt. Und ich denke, dass das etwas sehr Positives ist. Die Menschen denken heute deutlich anders über Pflege als früher. Durch Aufklärung und bessere Information sinkt die Hemmschwelle. Die Menschen sind offen dafür, sich Hilfe ins Haus zu holen oder aktiv nach einer passenden Seniorenresidenz zu suchen. Vor allem setzt sich das Selbstbewusstsein durch: Es steht mir zu.

Aber dann werden doch bald noch mehr Pflegekräfte benötigt...
Ja, und wir stehen jetzt schon vor diesem Problem. Noch vor zehn Jahren sind viele ausgebildete Krankenschwestern oder Altenpflegerinnen aus Thüringen weggegangen, weil sie hier keine Stelle bekommen haben. Heute kenne ich keine Einrichtung in Thüringen, die nicht sofort eine gut qualifizierte Altenpflegerin einstellen würde, wenn sie nur halbwegs ins Profil passt.
Wir haben in Thüringen einen solchen Fachkräftemangel, dass ich jungen Menschen mit einem Realschulabschluss nur ans Herz legen kann, sich ernsthaft mit der Pflegebranche auseinanderzusetzen. Hier finden sie sichere Arbeitsplätze, die auch durch die Digitalisierung nicht wegfallen werden. Und alte Menschen, die unsere Hilfe brauchen, wird es immer geben. Glauben Sie mir, unsere Branche arbeitet durch verstärkte Ausbildung und Umschulung mit Hochdruck daran, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Doch das braucht Zeit.

Bei aller Kritik und allen Diskussionen – wie gut ist die Pflege in Deutschland also?
■ Pflegebedürftige haben durch die Pflegeversicherung einen Anspruch auf finanzielle Leistungen, wie er in der Welt nicht oft zu finden ist.
■ Ein zweiter Pluspunkt sind unsere Spezialistinnen – über 80 Prozent der in der Pflege Beschäftigten sind immer noch Frauen – die durch ihre spezialisierte Altenpflegerausbildung nicht nur auf vorübergehende körperliche Einschränkungen wie im Krankenhaus, sondern ganz gezielt für alstersbedingte Einschränkungen ausgebildet sind, die häufig eine ganz andere Betreuung erfordern.
■ Der dritte große Pluspunkt ist der Wettbewerb, der durch die Pflegeversicherung ausgelöst wurde. Dieser hat zu einer großen Vielfalt der verschiedensten Dienstleistungen geführt – beim ambulanten Pflegedienst, der Tagespflege und in den Pflegeheimen, in insgesamt mehr als 1 000 Einrichtungen in Thüringen – aus denen man sich aussuchen kann, was zu einem passt. Diese Wahlfreiheit kann man nicht hoch genug einschätzen.
■ Und der vierte große Pluspunkt ist die Transparenz, die bei uns gewährleistet wird. Jeder kann die Qualität von Dienstleistungen und Einrichtungen anhand der Pflegenoten, die bei jährlich stattfindenden Prüfungen der medizinischen Dienste der Krankenkassen vergeben werden, vergleichen.
Und diese Transparenz ist auch bei den Kosten gewährleistet.
■ Eines muss dabei aber deutlich sein: Gute Pflege hat ihren Preis und ist auch teuer. Gutes Fachpersonal muss schließlich gut gezahlt werden. Hier haben die Kassen bei den Preisverhandlungen bisher zu sehr auf der Bremse gestanden und damit ein Lohnniveau wie in Westdeutschland verhindert.
Aber es bleibt in Deutschland niemand unversorgt. Wenn die Angehörigen, die nach dem deutschen Unterhaltsrecht das Geld für die Differenz der von der Pflegeversicherung übernommenen und der tatsächlich anfallenden Kosten nicht übernehmen können, springt die Sozialhilfe ein.

Wie kann man sich am besten über die diversen Angebote der verschiedenen Anbieter vor Ort informieren?
Ich empfehle in der Regel, selbst Kontakt zu einer ambulanten Pflegeeinrichtung aufzunehmen, denn der persönliche Eindruck ist immer der wichtigste. Wenn es schon akut ist, dann kommen Mitarbeiter auch zu einem Erstgespräch nach Hause, beraten und helfen bei der Beantragung des Pflegegrades bei der Pflegekasse.
Will man sich jedoch ganz unverbindlich und allgemein über alle Pflegeangebote am Wohnort informieren, dann sind die folgenden Internetseiten zu empfehlen:
www.pflege-navigator.de
von der AOK und
pflegelotse.de
vom Verband der Ersatzkassen VDEK

Gespräch: Daniel Dreckmann

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Autor: Daniel Dreckmann
aus Zeulenroda-Triebes
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