Akt – Reportage – Mode: Fotografien von Günter Rössler in der Kunsthalle Vogtland

30. September 2012
14:00 Uhr
Kunsthalle Vogtland, 08468, Reichenbach
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49Bilder

Der Förderverein für zeitgenössische Kunst "Kunsthalle Vogtland" würdigte in seiner Ausstellung "Reportage – Mode – Akt" vom 1. Juli bis 30. September 2012 den Fotokünstler Günter Rössler.

Er war der Aktfotograf der DDR: Günter Rösslers Fotografien hüllenloser Frauen waren über Jahrzehnte fester Bestandteil der Zeitschrift „Magazin“. Die Aufnahmen, nahezu ausnahmslos Schwarz-Weiß und mit hohem künstlerischen Anspruch, kennt wohl jeder, der im Osten der Republik sehen gelernt hat. Viele der Fotos genießen Kultstatus, Günter Rössler hat mit seiner Suche nach dem zeitlos Schönem und der erotischen Natürlichkeit den Blick auf das Wesentliche, Sinnliche gelenkt. Und dabei so ganz nebenbei das selbstbewusste Frauenbild der DDR mit geprägt.

Auf der Suche nach Modellen für seine Nacktaufnahmen habe er selten einen Korb gekriegt. „Ich habe gutaussehende Mädchen einfach angesprochen, in Cafès oder auf der Straße, ob ich sie als Akt ablichten kann. Und kaum einmal eine Absage erhalten“, erinnert sich der heute 86-Jährige. Als junger Student hat er mit der Veröffentlichung dieser Bilder etwas dazu verdient.

Wann er das erste Aktfoto veröffentlicht hat, weiß der Altmeister der Fotografie nicht mehr. Aber sein Verleger hat genau recherchiert. Dr. Ralf C. Müller, dessen Eudora-Verlag bereits mehrere Bildbände von Günter Rössler veröffentlicht hat, weiß: „Sein erstes professionelles Akt-Foto erschien 1955. Davor, 1953, stand seine damalige Frau Ruth Aktfotomodell.“ Und noch mehr weiß der Leipziger Verleger zu berichten: „1958/59 gab es eine erste Aktfotoausstellung in Arenshoop, die aber verboten wurde“. Gut 20 Jahre später erregte Rösslers erste Aktausstellung 1979 im Kunsthaus Grimma DDR-weit Aufsehen. Da hatte er sich längst mit seinen Bildern im „Magazin“ einen guten Namen gemacht. Und nicht nur da.

Fünf Jahre später druckte der „Playboy“ unter dem Titel „Mädchen der DDR“ einen zehnseitigen Beitrag mit Fotos von Günter Rössler. „Das war schon eine großartige Sache damals“, blickt er zurück. Der „Playboy“ nannte ihn den „Newton des Ostens“. Nach Helmut Newton, der seit den 70er Jahren bis zu seinem Tod 2004 einer der begehrtesten und teuersten Mode-, Werbe-, Porträt- und Aktfotografen der Welt war. „Eigentlich sollte mir das schmeicheln“, wehrt Rössler ab. Denn er möchte, dass sein Schaffen für sich steht. Zumal Newton eine „geradezu gegensätzliche Auffassungen von Akt“ hatte.

Bei Rössler stand stets die absolute Natürlichkeit im Vordergrund. Und das ist immer noch so, denn der Fotograf arbeitet heute noch ab und zu in seinem Labor. Immer noch mit einer analogen Kamera („Eine Digital-Kamera habe ich nicht“) und immer noch schwarz-weiß. Natürlich hat er in seinem langen Künstlerschaffen auch Farbfotografien erstellt. „Doch das war nur zum Geldverdienen, beispielsweise mit Modefotos“, entschuldigt er sich beinahe. Da sei ihm schon eher etwas an seinen „Balkanbildern“ gelegen, die in den 60er und 70 Jahren in den Ländern Südosteuropas entstanden. Doch vor allem die lebenslange Beschäftigung mit der natürlichen Schönheit der Frauen habe ihn jung gehalten, wie er zur Ausstellungseröffnung mit funkelnden Augen versicherte.

Zur Person: Günter Rössler wurde 6. Januar 1926 in Leipzig geboren. 1946 begann er in Bad Naunheim eine Lehre als Fotolaborant, kehrte aber bald nach Leipzig zurück, wo er von 1947 bis 1951 an der Hochschule für Graphik und Buchkunst bei Professor Johannes Widmann Fotografie studierte. Seit 1951 ist er freiberuflich als Mode-, Reportage- und Werbefotograf tätig, ab 1954 1954 bis 1990 arbeitete er überwiegend für DDR-Modemagazine wie „Modische Maschen“ und „Sibylle“ sowie die Monatszeitschrift Das Magazin. Günter Rössler lebt zweiter Ehe mit seiner Frau Kirsten Schlegel der gemeinsamen Tochter in Markkleeberg.

Nachträgliche Information: Günter Rössler ist sieben Tage vor seinem 87. Geburtstag am 31. Dezember 2012 in Leipzig verstorben.

Günter Rössler vor seinem Foto "Jutta", einem Klassiker aus dem "Magazin" 1974.
Günter Rössler vor seinem Foto "Jutta", einem Klassiker aus dem "Magazin" 1974.
Günter Rössler und seine Frau Kirsten Schlegel zur Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle Vogtland.
Eva, 1975
Günter Rössler vor seinem Foto "Jutta", einem Klassiker aus dem "Magazin" 1974.
Marietta Jeschke vom Förderverein "KUnsthalle Vogtland" und Enkelin Tabea überreichen Günter Rössler eine Rose.
Miriam Ullmann spielt zur Ausstellungseröffnung Gitarre.
Günter Rössler und seine Frau Kirsten Schlegel (l.) lauschen dem Gitarrenklängen...
... und applaudieren der jungen Künstlerin.
Dr. Klaus Schäfer (r.), Vorsitzender des Fördervereins "Kunsthalle Vogtland", begrüßt die Gäste zur Ausstellungseröffnung.
Gäste der Ausstellungseröffnung.
Verleger Dr. Ralf C. Müller hält die Laudatio.
Dr. Klaus Schäfer dankt Kirsten Schlegel, die "wesentlich zum Zustandekommen der Ausstellung beigetragen hat".
Dr. Klaus Schäfer im Gespräch mit Kirsten Schlegel.
Dr. Klaus Schäfer übergibt Günter Rössler ein Weinpräsent.
Dr. Klaus Schäfer dankt Miriam Ullmann für die musikalische Begleitung der Vernissage.
Günter Rössler im Gespräch mit Miriam Ullmann.
Auch als Modefotograf hat sich Günter Rössler einen namen gemacht.
Bulgarien 1974, aus der Serie "Balkanbilder".
"Bulgarien 1974" im Visier der Kamera.

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