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Kunst im Atombunker

4. Dezember 2011 um 14:00
..., Stadtilm
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„Thüringer Kunst verstehen eigentlich nur die anderen“, sagt Professor Achim Preiß. Will heißen: Thüringer sehen in Kunst, die ihnen täglich zugänglich
ist, nichts Besonderes mehr. Fremde hätten einen ganz anderen Zugang zu hiesigen Schöpfungen.
Mit Thüringer Kunst beschäftigt sich die Ausstellung „Land in Sicht!“, die derzeit
im ehemaligen Atombunker in Stadtilm zu sehen ist. Neun Studenten und Professor Preiß mit Lehrstuhl für Architekturgeschichte an der Fakultät
Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar – die sich „die Zuwanderer“ nennen - stellen hier mittels ungewöhnlicher Exponate einen Abriss der
Thüringer Geschichte im Besonderen und der deutschen Historie im Allgemeinen dar. Stadtilm ist die zweite Station der Ausstellungstournee, die
nicht zuletzt für die künstlerische Ausbildung in Weimar werben soll. Noch bis 15. Januar 2012 ist eine Parallelpräsentation auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden stationiert.
Zur Vernissage in Stadtilm am vergangenen Samstag konnten die Veranstalter ihr Glück kaum fassen. „Eigentlich war der Eröffnungsbeginn für 17 Uhr vorgesehen“, berichtet Koordinatorin Sibylle Hager atemlos. „Doch bereits 14 Uhr herrschte hier Hochbetrieb“. Die Exponate sind tatsächlich sehenswert. Einer der Künstler, Sebastian Hertrich, in Oberammergau ausgebildeter
Holzbildhauer, erklärt seine beiden selbstironischen Arbeiten: Adolf Hitler in einem Vogelkäfig nach Freiheit heischend und „Megalomania“, eine in Berlin geplante Halle, deren Kuppel 300 Meter Durchmesser haben sollte. Hertrich baute sie aus Platinen ausrangierter Computer. Nachdenkenswert auch die
Extreme zweier Häuser in Ausstellungsraum 2, die Traum und Realität widerspiegeln.
Was zum Ende dieses Jahres als zartes Pflänzlein angegossen wurde, soll 2012 und 2013 ein junges Bäumchen werden. „Wir reisen mit unserer Ausstellung von Ort zu Ort, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Professor Achim Preis, dessen Arbeiten sich mit der Darstellung von
Bushaltestellen beschäftigen. Etwa zehn bis zwanzig Präsentationen sind insgesamt geplant. „Nach Ablauf dieser Zeit ziehen wir ein Fazit und erweitern unseren Aktionsradius“, schaut Preiß in die Zukunft und sieht sich mit
seiner Thüringer Kunst schon in New York. „Dort ist es übrigens ganz genau so wie hier“, ist er sich sicher. „Die New Yorker finden ihre eigene Kunst auch langweilig".

Hintergrund:
• Die Wanderausstellung „Land in Sicht!“ ist im Atombunker noch bis 4. Dezember zu sehen.
• Öffnungszeiten: 3. & 4. 12. 14 bis 17 Uhr oder auf Anfrage bei Sibylle Hager:
0151/51257197.
• Künstler: Kathrin & Mathias Baumann, Haiying & Dan Gao, Cosima Göpfert,
Sebastian Hertrich, Achim Preiß, Andreas Tontsch, Katja Triol und Rosmarie
Weinlich.

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Autor: Jana Scheiding
aus Arnstadt
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