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Deutscher Mühlentag wird im thüringischen Lumpzig eröffnet

5. Juni 2017 um 09:30
Dobraer Weg 3, 04626, Lumpzig
Martin Burkhardt, Vorstandsvorsitzender des Vereins Altenburger Bauernhöfe, heißt alle Gäste zum Mühlentag willkommen. Heute wird auch die Schaubäckerei eröffnet, die hinter der Lade eingerichtet wurde.
Martin Burkhardt, Vorstandsvorsitzender des Vereins Altenburger Bauernhöfe, heißt alle Gäste zum Mühlentag willkommen. Heute wird auch die Schaubäckerei eröffnet, die hinter der Lade eingerichtet wurde.
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„Die Mühle war aus dem Lot geraten, sah aus wie der Schiefe Turm von Pisa“, erzählt Martin Burkhardt, Vorstandsvorsitzender des Vereins Altenburger Bauernhöfe. Um so beachtlicher ist es, was er und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren in Lumpig geschaffen haben. Die Bockwindmühle ist längst wieder im Lot. Jetzt können Besucher im Mühlenhof auch noch zwei Schauwerkstätten besuchen, die regionale Landwirtschaft und Handwerk miteinander verbinden.

„Das wird doch nüscht!“ Mit einem solchen Satz kann man Martin Burkhardt nicht abschrecken, höchstens anspornen. Seit über eineinhalb Jahrzehnten kämpft der Profimusiker gemeinsam mit über 85 Mitgliedern des Vereins Altenburger Bauernhöfe e.V. um den Erhalt der einzig noch erhaltenen Windmühle im Altenburger. Mit Erfolg.

Etwa eine halbe Million Euro sind bisher in das 1732 errichtete Bauwerk und den angrenzenden Mühlenhof geflossen: öffentliche Fördermittel und Eigenkapital des Vereins. Zur Jahrtausendwende schien die Rettung der Mühle hingegen fast aussichtlos.

Zwei Hühnerställe am Mühlenfuß

„Das Dach war undicht“, erinnert sich Burkhardt. Die Mühle selbst war aus dem Lot geraten. Gemahlen wurde in Lumpzig schon seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr. Dafür tummelte sich Federvieh in den zwei am Mühlenfuß angebauten Hühnerställen. Doch zwei Architekturstudenten machten jenen Menschen Mut, die sich um den Erhalt historischer Bauten in Thüringens östlichstem Landkreis engagieren. In ihrer Diplomarbeit wiesen sie nach, dass die Mühle noch zu retten ist.

Die Bockwindmühle ist inzwischen wieder voll funktionstüchtig. Bei Führungen wird den Besuchern an einem von ehemals drei Mahlwerken erklärt, wie vor rund 300 Jahren Getreide zu Mehl verarbeitet wurde. Auch kann die Mühle – typisch für diese Bauart – 360 Grad mittels Mühlensterz und Manneskraft in den Wind gedreht werden. „Jedes Jahr ein Stücken mehr“, beschreibt Burkhardt den Weg ins Heute, der wohl auch den letzten Lumpziger Müller überzeugt haben dürfte, der einst glaubte, dass das „nüscht“ wird.

Schaubäckerei und Schaukäserei werden eröffnet

Mittlerweile kümmert sich der Verein nicht mehr nur um die Mühle. Er saniert auch den angrenzenden Mühlenhof. In den ehemaligen Stallungen entstehen eine historische Schaubäckerei und eine Schaukäserei. Traditionelles landwirtschaftliches Handwerk soll hier erlebbar werden.

Zum ersten Mal können sich Besucher die beiden Werkstätten am Pfingstmontag anschauen. An diesem Tag steht Lumpzig im bundesdeutschen Blickpunkt. Denn hier finde die zentrale Eröffnungsfeier des 24. Deutschen Mühlentages statt, an dem sich 2017 über 1100 Mühlen aus 14 Landes- und Regionalverbänden beteiligen.

TERMIN

+ Eröffnungsveranstaltung zum 24. Deutschen Mühlentag am 5. Juni, ab 9 Uhr an der Bockwindmühle mit einem ökumenischen Gottesdienst
+ 10 Uhr Grußworte von Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung Bodo Ramelow, Landrätin Michaela Sojka und Alfred Kirsten, Ehrenvorsitzender des Thüringer Landesvereins für Mühlenkunde
+ nach der offiziellen Eröffnung um 10.45 Uhr: Mühlenführungen, Kunst- und Handwerkermarkt in der Mühlenscheune, Lesungen zum Mythos Mühle, Bühnenprogramme mit Folklore- und Musikensembles, Spiel und Spaß für Kinder, Herstellung von Brot und Käse in den Schauwerkstätten
+ Zum Deutschen Mühlentag haben über 60 weitere Mühlen in Thüringen für Besucher geöffnet.

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Autor: Simone Schulter
aus Weimar
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