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Kaleidoskop eines zerrissenen Landes

30. März 2017 um 20:00
Kulturhaus, 99867, Gotha
Konzertmeister Alexej Barchevitch spielt mit der Thüringen Philharmonie Gotha das Violinkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofieff.
Konzertmeister Alexej Barchevitch spielt mit der Thüringen Philharmonie Gotha das Violinkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofieff. (Foto: Dominik Franke)
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Im siebenten Konzert ihrer A-Reihe am Donnerstag, dem 30. März 2017, entführt die Thüringen Philharmonie Gotha ihr Publikum ins Russland des ausgehenden 19. Jahrhundert und zu den Anfängen sowjetischer Musik.
Als Eingangsstück erklingt Alexander Borodins beliebte Ouvertüre zur Oper „Fürst Igor“. Beinahe sein ganzes Leben war der Komponist mit dem Bühnenwerk beschäftigt, und hinterließ nur einen Torso. Nach seinem Tod mit nur 53 Jahren brachten seine Freunde Nikolai Rimski-Korssakoff und Alexander Glasunow manche Skizze zur Vollendung. Letzterer kannte die Ouvertüre nur von einem einmaligen Klaviervortrag Borodins und schrieb sie aus dem Gedächtnis nieder. 1890 uraufgeführt, gehört sie heute zu den bekanntesten Konzertstücken Borodins.
Keine dreißig Jahre später stellte die Oktoberrevolution 1917 die gesamte russische Kulturwelt auf den Kopf. Galt das Land bis dahin als Herd des Experimentierens einer avantgardistischen Künstlerelite, so wendete sich das Blatt mit den neuen gesellschaftlichen Forderungen radikal. Viele verließen das Land – so 1918 auch der junge Sergej Prokofieff. In seiner Heimat hatte er bereits mit gewagter Harmonik und bohrender Rhythmik für ein paar Skandale gesorgt. Mit dem 1916 geschaffenen Violinkonzert Nr. 1 schlug er versöhnlichere Töne an, weniger, um sich zu rechtfertigen, sondern um zu zeigen, dass er eben auch anders komponieren kann. Dennoch verlangt er seinem Solisten alles ab, was ein brillanter Geiger beherrschen muss. Mit Alexej Barchevitch präsentiert sich in diesem Konzert unter Leitung von Stefanos Tsialis der erste Konzertmeister der Gothaer Philharmonie.
Nach der Pause steht Dmitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 1 auf dem Programm – das vielleicht genialste Frühwerk eines 19-Jährigen überhaupt. In vier Sätzen bedient sich Schostakowitsch tradierter Formen, findet aber in diesen eine vollkommen neue Klangsprache. Von beißender Groteske bis zu atemberaubender Intimität lotet er alle Ausdrucksbereiche aus, die seine spätere Größe ausmachen. Konzertbeginn im Kulturhaus Gotha ist um 20 Uhr. Karten (ab 13 € / 10,40 € ermäßigt) sind erhältlich in der Tourist-Information Gotha (Tel. 0 36 21-510 450) und den Vorverkaufsstellen des Ticketshop Thüringen. Weitere Informationen: www.thphil.de

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Autor: Luise Ehrhardt Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach
aus Gotha
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