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Quidditch-Spieler aus ganz Deutschland tragen Deutsche Meisterschaft in Jena aus

3. Juni 2017
Jena, 07749, Jena
Der Schnatz kann im Vergleich zu den Harry-Potter-Büchern nicht selbst fliegen. Ein unparteiischer Spieler übernimmt die Funktion. Der Schnatz selbst ist ein Tennisball. Er steckt in einer Socke, die am Hinterteil des gelben Schnatz befestigt ist und durch die Quidditch-Spieler erobert werden muss.
Der Schnatz kann im Vergleich zu den Harry-Potter-Büchern nicht selbst fliegen. Ein unparteiischer Spieler übernimmt die Funktion. Der Schnatz selbst ist ein Tennisball. Er steckt in einer Socke, die am Hinterteil des gelben Schnatz befestigt ist und durch die Quidditch-Spieler erobert werden muss. (Foto: Juliane Schillinger)
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Schnappt den Schnatz: Mit Stange statt Besen und auf ebener Erde tragen Quidditch-Spieler aus ganz Deutschland an diesem Wochende ihreDeutsche Meisterschaft in Jena aus. Der Sport begeistert längst nicht mehr nur Harry-Potter-Fan.

Optimismus klingt anders. „Es würde mich schon wundern, wenn wir unter die Top Ten kommen“, blickt Stephan Brosch auf die Deutsche Meisterschaft voraus, die am Wochenende in Jena stattfindet. Doch für ihn und sein Team scheint vor allem der Spaß an Spiel und Bewegung im Vordergrund zu stehen.

Tackeln, abwerfen, Tor erzielen

Wie sonst ist zu erklären, dass Jugendliche, Studenten und Berufstätig mit einen Stock zwischen den Beinen übers ovale Spielfeld rennen, sich gegenseitig tackeln, abwerfen, um Tore und einen Schnatz kämpfen, der als Tennisball am Hinterteil eines gelb gekleideten Spielers baumelt.

Fantastisch klingen auch die Spielerpositionen. Es agieren Treiber, Hüter, Jäger. Sucher. Sie lassen die Herkunft des Spiels erkennen. Quidditch wird in den Harry-Potter-Büchern und -Filmen gespielt. Vor gut zehn Jahren holten zwei amerikanische Studenten den Spielspaß heraus aus der zauberhaften Welt von Joanne K. Rowling hinein ins reale Leben und haben damit eine neue Mannschaftssportart etabliert.

Muggels fliegen nicht beim Spiel

Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen beiden Versionen. Denn Muggels, wie die Nicht-Zauberer bei „Harry Potter“ genannt werden, können im Gegensatz zu den Zauberschüler aus Hogwarts nicht fliegen. Um Sieg oder Niederlage wird deshalb auf ebener Erde gerungen. Und das ziemlich heftig. „Angst vor Köperkontakt sollte man nicht haben“, erklärt denn auch Mona Ankenbauer. Sie gehört seit fast zwei Jahren zu den Jobberknolls, Thüringens einzigem Quidditch-Team. Zudem verzichten die Realo-Spieler ¬– anders als in der Romanvorlage ¬ - auf einen Besen.

„Man sollte keine Hemmungen haben, mit einem Stock zwischen den Beinen übers Spielfeld zu laufen. Auch wenn es komisch aussieht.“
„Wir fliegen natürlich nicht.“
Mona Ankenbauer, Spielerin bei den Jobberknolls

Eine zwischen 0,80 und einem Meter lange Plastikstange sorgt für das Handicap beim Spiel, ähnlich wie die Schrittbegrenzung im Basketball oder das Hand-Verbot im Fußball. Die Rolle des Schnatz übernimmt ein Unparteiischer, der sich gegen die beiden gegnerischen Teams zugleich wehren muss. Er betritt in der 18. Spielminute das Feld. Wird ihm der in einer Socke verstaute Tennisball entrissen, ist das Spiel beendet. Bei Rowling ist der Schnatz hingegen ein kleiner goldener Ball mit silbernen Flügeln, der mit hoher Geschwindigkeit durch die Lüfte fliegt.

Harry-Potter-Wissen schadet nicht, ist aber nicht Bedingung

Mona Ankenbauers Interesse am Quidditch wurde natürlich durch die Harry-Potter-Bücher geweckt. „Ich bin ein Fan, seit ich denken kann“, erklärt die Studentin der Bioinformatik. „Und Quidditch fand ich schon immer cool.“ Als der Sport erstmals in Jena ausgetestet wurde, war auch sie dabei und ist geblieben.
Ein typischer Weg, wie Trainer Stephan Brosch bescheinigt. Die meisten finden übers Lesen und Filme schauen zum Quidditch. Doch nicht alle bleiben am Ball oder besser an den drei Balltypen, die im Spiel für Abwechslung und Spannung sorgen. „Man braucht Kraft, Ausdauer und Spielintelligenz“, erläutert der Trainer. Manchem Harry-Potter-Nerd sei das zu anstrengend. Nach einem kurzen Gastspiel kommen sie nicht wieder. Dafür finden immer öfter Sportler zum Team, die mit der Potter-Welt kaum Berührung hatten, weder die Bücher noch Filme kennen. „Der Sport verselbständigt sich allmählich“ urteilt Stephan Brosch.

TERMIN

+ 21 Teams spielen am 3. und 4. Juni und die Deutsche Meisterschafte im Quidditch mit Gruppen- und Relegationsphase sowie k.o.-Runden im Sportkomplex Oberaue, Am Stadion 1 in Jena.

+ Spielzeit: Sa 9 bis 18 Uhr, So 9 bis 16 Uhr

+ Der Eintritt ist frei.

ZUR SACHE

+ Die Jobberknolls haben sich im Oktober 2015 gegründet. Ihr Name ist abgeleitet von einem Vogel, der Rowling-Roman „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ vorkommt.

+ Die Jobberknolls sind das einzige Quidditch-Team in Thüringen. Organisiert ist es imUSV Jena.

+ 32 Sportlerinnen und Sportler gehören derzeit zum Team.

+ Die Jobberknolls trainieren montags und mittwochs, jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr auf dem Gelände des Instituts für Sportwissenschaftenin der Seidelstraße in Jena. Interessierte sind immer willkommen. Das Training findet zu jeder Jahreszeit im Freien statt.

+ Ab 16 Jahre ist man spielberechtigt. Jüngere dürfen gern mittrainieren.

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Autor: Simone Schulter
aus Weimar
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