Anzeige

Tausend-Taten-Verein hilft den Angehörigen von Demenz-Kranken

16. April 2015
Neugasse 19, Jena
Dorothea Petrich vom tauden-Taten-Verein hat das Projekt Paten für Demenz entwickelt. Gisela Schenke hat so einen Freund und Ratgeber für sich und ihren kranken Mann finden können.
Dorothea Petrich vom tauden-Taten-Verein hat das Projekt Paten für Demenz entwickelt. Gisela Schenke hat so einen Freund und Ratgeber für sich und ihren kranken Mann finden können.
Anzeige

Es hätte ein schönes Rentnerleben werden können. Häuschen, Garten, Wohnmobil. Bester Kontakt zu Familie, Nachbarn und Wanderfreunden. Doch es kam anders.

Wenn Gisela Schenke erzählt, ist eine Spur von Enttäuschung herauszuhören. Kaum etwas von dem, was sie mit ihrem Mann in den letzten Jahren unternommen hat, ist heute noch möglich. Jörg Schenke sitzt neben ihr. Aber er nimmt nicht mehr wahr, was seine Frau erzählt. Vor fünf Jahren wurde bei den 74-Jährigen Demenz diagnostiziert. Seit dem muss das Ehepaar schon zu Lebzeiten von einander Abschied nehmen. Jeden Tag ein bischen mehr.

Resignieren will Gisela Schenke aber nicht: „Ich möchte meinen Mann so lange es geht bei mir behalten, ihn zu Hause betreuen“, erklärt sie mit Nachdruck. Eine Entscheidung, die Außenstehenden Respekt abverlangt, ihr selbst aber oftmals mehr Kraft, als sie zu geben vermag.

„In dieser Situation kann unser Projekt ‚Paten für Demenz‘ helfen“, erklärt Dorothea Petrich vom Jenaer Verein „Tausend Taten“. Der Verein schult Ehrenamtliche, die danach Angehörige von Demenzkranken im Alltag unterstützen. Eine große Entlastung für Menschen wie Gisela Schenke, die fast rund um die Uhr für ihre Angehörigen da sein müssen. Eine kleine Verschnaufpause.

Es sind vor allem Senioren und Studenten, die sich dieser Aufgabe stellen – für zwei bis drei Stunden in der Woche. Die Familien, so Petrich können uns um Hilfe bitten und wir schauen dann nach einem geeigneten Paten.

Auch Gisela Schenke ist diesen Weg gegangen. Seit gut einem Jahr kommt Roland Kämmerer regelmäßig in die Familie. „Die beiden Männer haben sich sofort verstanden“, erinnert sich die Ehefrau. Sie haben gemeinsam im Garten gearbeitet und sind spazieren gegangen. „Roland ist ein mobiler Typ“, so Gisela Schenke. „Er hat sogar den Gassigeher-Schein im Tierheim gemacht, damit er mit meinem Mann Hunde ausführen kann.“ Jörg Schenke war immer tierlieb. Der Kontakt zu Hunden erfreut ihn noch heute. „Das berührt sein Herz. Er taut auf.“ Auch wenn er das meiste vergesse, wenn man von Hunden erzählt, öffnet sich ein kleines Erinnerungsfenster. Das habe sie dem Paten zu verdanken, freut sich Gisela Schenke. Er ist auch ihr zum Gesprächspartner geworden. Viele Tipps habe er ihr geben, auch aufgrund seiner Schulung zum Demenz-Paten. „Es hilft den Familien, wenn jemand von außen kommt und eine andere Sicht auf die Dinge hat“, stellt Dorotha Petrich klar.

ZUR SACHE
• Das Projekt „Paten für Demenz“ des Tausend-Taten-Vereins Jena besteht seit 2012.
• Derzeit engagieren sich 35 Paten, in dem sie Angehörige von Demenzkranken stundenweise entlasten.
• Vor dem Einsatz muss ein kostenfreier Qualifizierungskurs besucht werden.
• Der nächste Kurs findet vom 16. bis 18. April statt. Einige Plätze sind noch frei. Anmeldungen sind möglich unter 03641/9 26 41 71.

Anzeige
Anzeige
Autor: Simone Schulter
aus Weimar
Anzeige
Anzeige