"Heinrich der Unartige" – Erinnerungen an den letzten regierenden Greizer Fürsten

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Unteres Schloss, 07973, Greiz
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Heinrich XXII: im Alter von 53 Jahren auf einem zeitgenössischen Ölgemälde.
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  • Heinrich XXII: im Alter von 53 Jahren auf einem zeitgenössischen Ölgemälde.
  • hochgeladen von Gerd Zeuner

Heinrich XXII. war der letzte Regent des Fürstentums Reuß älterer Linie. Obwohl er nur eines von zahlreichen kleinen Staaten im Deutschen Bund des 19. Jahrhunderts regierte, zählte er zu den wenigen, die dem Reichskanzler Bismarck und sogar dem deutschen Kaiser Wilhelm II. die Stirn boten. Was ihm in den Berliner Zeitungen den Beinamen „Heinrich der Unartige“ einbrachte. „Ich halte dagegen …“ zitiert Regierungspräsident Meusel den Greizer Fürsten Heinrich XXII. vor 140 Jahren in seinen Aufzeichnungen. Widerspruch gegen den preußischen Zentralstaat und das deutsche Kaiserreich zogen sich wie ein roter Faden durch das politische Leben des letzten regierenden Fürsten von Greiz. Was ihn in den Karikaturen der Berliner Zeitungen den Beinamen „Heinrich der Unartige“ einbrachte.

Die am 1. April im Unteren Schloss von Greiz eröffnete Sonderausstellung zeichnet das Leben des letzten regierenden Greizer Fürsten in dessen originalem Wohnumfeld nach. In zehn authentischen Ausstellungsräumen des ehemaligen Residenzschlosses findet der Ausstellungsbesucher persönliche Objekte, Briefe und Filmsequenzen von Heinrich XXII. und seiner Zeit. Dazu gibt es zahlreiche Informationen und zeitgenössische Berichte, die Einblicke in politische Skandale und deren Personifizierung geben.

Das Fürstentum Reuß älterer Linie war einer der zahlreichen kleinen Staaten im Deutschen Bund des 19. Jahrhunderts. Letzter regierender Fürst in Greiz war Heinrich XXII. (1846-1902), der ein entschiedener Gegner der Machtpolitik des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck war. Der auf Selbstbestimmung und Föderalismus setzende Fürst war gegen den unter Bismarck und Kaiser Wilhelm II. vorherrschenden Nationalismus. Zunehmende Militarisierung, Flottenrüstungen und Kolonialismus kritisierte Heinrich XXII. genauso wie der zunehmende Zentralismus und die Uniformierung des neuen Deutschen Kaiserreichs. Für das wiederum galt der renitente Fürst in Greiz als die Inkarnation des deutschen Kleinstaates. In der satirischen preußischen Presse wurde er deshalb despektierlich als „Heinrich der Unartige“ benannt. Das „adelt“ ihn aus heutiger Sicht umso mehr, da er sich als einer der wenigen Staatsoberhäupter im Deutschen Reich mit diplomatischen Mitteln gegen die Politik Preußens, Bismarcks und des Deutschen Kaisers Wilhelm II. stellte. Und machte ihn im 1871 gegründeten Deutschen Reich weit über die Grenzen seines kleinen Landes hinaus bekannt.

Auch auf die Ausgestaltung der Residenzkultur in Greiz selbst und seiner Umgebung hatte Heinrich XXII. großen Einfluss. Auf ihn ist die Umgestaltung des Unteren Schlosses mit dem prächtigen Ida-Palais zurückzuführen – die Greizer Schlösser prägen bis heute unverwechselbar das Stadtbild der ehemaligen Residenzstadt. Ebenso wurde der Neubau des Mausoleums in Waldhaus, der Fürstliche Marstall und die Neugestaltung des Greizer Parks zu einem der schönsten englischen Landschaftsgärten Europas unter dem letzten regierenden Greizer Fürsten realisiert.

INFORMATION: „Heinrich der Unartige“ – Sonderausstellung der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz zum 110. Todestag von Heinrich XXII., dem letzten in Greiz regierenden Fürsten Reuss Aelterer Linie vom 1. April bis 2. September 2012 im Museum im Unteren Schloss. Geöffnet: Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr.

Heinrich XXII: im Alter von 53 Jahren auf einem zeitgenössischen Ölgemälde.
Eine Ausstellungsbesucherin betrachtet ein Ölgemälde von Heinrich XXII aus dem Jahre 1868, das als Leihgabe vom Schloss Burgk in der derzeitigen Sonderausstellung in Greiz gezeigt wird.
Heinrich XXII. Reuß ältere Linie, aufgebart nach seinem Todestag am 19. April 1902.
Eine Kranzschleife vom Sarg Heinrich XXII. aus dem Mausoleum in Waldhaus.
Eine Ausstellungsbesucherin betrachtet im Blauen Salon des Museums eine Portraitbüste Heinrich XXII.
Der Stammbaum Reuss ältere Linie mit den Nachkommen Hienrich XX.
Ausstellungsbesucherinnen am Stammbaum mit den Nachkommen Heinrich XX.
Die Totenmaske Heinrich XX Reuß ältere Linie. Der Vater des letzten regierenden Fürsten in Greiz starb am 8. November 1859.
Die Reussischen Länder Mitte des 19. Jahrhunderts.
Schauspieler Wilfried W. Pucher liest zur Ausstellungseröffnungen aus den Aufzeichnungen
des Regierungspräsidenten Otto Theodor Meusel über Heinrich XXII.
Yevgeny Sapozhnikov spielt zur Ausstellungseröffnung Stücke von Friedrich Wilhelm Grützmacher, die der Komponist  Fürst Heinrich XXII. gewidmet hatte.
Museumsdirektor Rainer Koch zeigt das Libretto mit den Stücken von Friedrich Grützmacher, die in Greiz ihre Uraufführung erlebten.
Dr. Gisela Baronin Schenck zu Schweinsberg überreicht Bürgermeister Gerd Grüner einen Fächer, der ihrer Großmutter, Prinzessin Ida, gehörte.
Dr. Gisela Baronin Schenck zu Schweinsberg und Bürgermeister Gerd Grüner mit dem Fächer, der Prinzessin Ida, gehörte.
Die Berliner Satirezeitschrift "Kladderadatsch", die den letzten Greizer regierenden Fürsten als "Heinrich der Unartige" betitelte.
Den "Kladderadatsch" gibt es auch in Greiz, ein Ausstellungsbesucher informiert sich.
Museumsdirektor Rainer Koch: "Heinrich XXII. war vielleicht unartig, aber nicht unvernünftig!"
Museumsbesucher in der Ausstellung „Heinrich der Unartige“.
Ein Museumsbesucher in der Ausstellung „Heinrich der Unartige“.
Museumsbesucher in der Ausstellung „Heinrich der Unartige“.
Museumsbesucher in der Ausstellung „Heinrich der Unartige“.
Heinrich XXII. frönte gern der Jagd, wie diese Ausstellungsbesucherin feststellt.
Museumsdirektor Rainer Koch im Gespräch mit Georg-Dietrich Prinz von Schoenaich-Carolath.
Büste Heinrich XXII. im Festsaal des Unteren Schlosses.

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