Das Haus Schulenburg in Gera - ein Kunstwerk Henry van de Veldes
Die vielen Gesichter des Bauhaus

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Weimar: Seit 1995 war das kleine, unscheinbare Flachdachhaus gegenüber dem pompösen Bau des neoklassizistischen Nationaltheaters wieder für Besucher geöffnet. Drinnen ein Hauch von „Bauhaus“. Die Ausstellung war klein. Ich bekam eine leise Ahnung davon, was „Bauhaus“ bedeutete.

Quadratisch. Praktisch, Gut.

Um die Wende ins 20. Jahrhundert entstanden eben nicht nur revolutionär modern im Design „gebaute Häuser“, sondern auch neuartig schlicht und zweckmäßig gestaltete Gebrauchsmöbel, Geschirr und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Teilweise mit bekannten Formen, nicht gerade spektakulär.
Oder doch? Der flämische Architekt Henry van de Velde war ab 1900 der „Wegbereiter des Bauhauses und Grenzgänger der Moderne“ (Titel der Ausstellung im Haus Schulenburg in Gera).
Er läutete den Abschied von bisherigen Baustilen ein. In Weimar rief er eine Kunstgewerbeschule ins Leben. 1919 begründete Walter Gropius dort eine neue Kunstschule, die Leben, Handwerk und Kunst unter einem Dach vereinen sollte, und holte berühmte Lehrer wie Lyonel Feininger, Ludwig Mies van der Rohe und Paul Klee nach Weimar. Es begann ein Neudenken in Kunst, Architektur und Design. Glas, Stoff und Stahl dienten als Materialien für Gebrauchsgegenstände.

Hundert Jahre Bauhaus überall.

Unter dem Motto „Die Welt neu denken“ lädt der Bauhaus Verbund 2019 anlässlich des Gründungsjubiläums in vielen Städten auch in unserer Region zu einer Entdeckungstour ein.
Wenn man einen Stadtbummel durch die Innenstädte und Villenviertel in Gera, Weimar oder Erfurt unternimmt, dann ahnt man nicht, dass viele der bestaunten Gebäude jener Zeit entspringen; von Bauhaus-Architekten entworfen wurden.
In Weimar steht jetzt ein neues, gigangtisches Bauhausmuseum. das seit 6.4.2019 die Schätze der weltweit ältesten Bauhaus-Sammlung präsentiert. Das Domizil am Theaterplatz hat ausgedient.

„Bauhaus“ hat viele Gesichter.

Das lernte ich in der Ausstellung im Haus Schulenburg, wo eine Fotogalerie verschiedenste bewohnte Bauhausvillen an ganz verschiedenen Standorten in verblüffend variabler Architektur präsentiert. Das Haus selbst ist ein Meisterwerk von Henry van de Velde, das dieser 1913/1914 als Auftragswerk für den Geraer Textilfabrikanten Paul Schulenburg und seine Familie errichtete. Heute befindet sich das Van de Felde-Museum darin mit einer Vielzahl faszinierender Exponate wie Bucheinbände (besonders beeindruckte mich die Vorzugsausgabe "Also sprach Zarathusta", ledergebunden, aus dem Jahr 1908), rührende Briefe seines Schülers Thilo Schröder an den geliebten Professor oder schlichtes, ergreifendes Kaffeegeschirr (genau meinen Geschmack trafen die Kaffeeteller im "Peitschenhiebdekor"). Übrigens: die bekannten Mitropa- Tassen, an denen reisende DDR- Bürger nicht vorbeikamen, sind „Bauhaus“! Im Inneren des Hauses fasziniert die zentrale Treppe mit der Oberlichtöffnung. Auch der Außenbereich des Hauses Schulenburg steckt voller künstlerischer und landschaftsbaulicher Überraschungen und sollte mit in die Entdeckungstour einbezogen werden. Die Ausstellung ist noch bis Februar 2020 zu bewundern.
Das Haus Schulenburg

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