Oberbürgermeister Wilhelm Weber initiierte vor 150 Jahren die Gründung des Thüringer Städteverbandes
Ein Geraer mit politischem Weitblick

Er setzte sich schon vor 150 Jahren für eine starke Region ein: Geras Oberbürgermeister Wilhelm Weber.
  • Er setzte sich schon vor 150 Jahren für eine starke Region ein: Geras Oberbürgermeister Wilhelm Weber.
  • Foto: Stadtarchiv Gera, Bildsammlung A0098
  • hochgeladen von Daniel Dreckmann

Heute existiert auf thüringischer Landesebene der Gemeinde- und Städtebund Thüringen e.V., der die Interessen seiner Mitglieder, also der Gemeinden, Städte, Verwaltungsgemeinschaften und anderen kommunalen Gebietskörperschaften vertritt. Der Gemeinde und Städtebund Thüringen e.V. ist bekannt.

Nicht ganz so bekannt ist heute der vor 150 Jahren gegründete Thüringer Städteverband, der auf die initiative des damaligen Geraer Oberbürgermeisters Wilhelm Weber gegründet wurde.

Christel Gäbler, Leiterin des Stadtarchivs Gera, forschte und verfasste dazu kürzlich einen Beitrag in den „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“. Sie beschreibt, wie Oberbürgermeister Wilhelm Weber, der in Gera von 1865 bis 1872 die Geschicke der Stadt führte, am 4. September 1869 ins Rathaus der Stadt Gera zu einer Vorberatung für die Gründung eines Thüringischen Städteverbandes einlud: „Zu diesem Zweck waren am 16. August 1869 Einladungen an die Bürgermeister folgender Städte adressiert worden: Altenburg, Gotha, Weimar, Eisenach, Coburg, Apolda, Arnstadt, Jena, Meiningen, Ronneburg, Rudolstadt, Sonneberg, Sondershausen, Ohrdruf, Weida, Saalfeld, Eisenberg, Pößneck, Neustadt an der Orla, Schleiz, Schmölln, Frankenhausen, Hildburghausen, Waltershausen, Greiz, Zeulenroda und Hirschberg.“

Christel Gäbler macht sogleich auf eine Besonderheit aufmerksam: „Augenfällig wird bei der Betrachtung der eingeladenen Stadtväter, dass keine Vertreter aus Städten des damals preußischen Thüringen, zu dem beispielsweise Erfurt oder auch Mühlhausen zählten, anwesend waren. Vertreten waren schließlich bei der ersten offiziellen Hauptversammlung des Thüringer Städteverbandes am 30. Oktober 1869 in Weimar 32 Repräsentanten, die ausschließlich den acht thüringischen Staaten Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Reuß älterer Linie und Reuß jüngerer Linie entstammten.“

Auch wenn es in erster Linie um den Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung der Städtevertreter in kommunalpolitisch relevanten Themen ging, war ein wichtiger Grund für die von Wilhelm Weber angeregte Gründung des Verbandes die Erarbeitung und Durchsetzung gemeinsamer Positionen gegenüber der übergeordneten staatlichen Verwaltung – und da hatten die Bürgermeister neben den eigenen kleinstaatlichen Landesregierungen auch ganz klar Preußen im Blick, das damals ehrgeizig als Oberhaupt des Norddeutschen Bundes den Zusammenschluss zu einem neuen deutschen Reichsverband plante.

Später öffnete sich der Thüringer Städteverband für Preußische Städte. 1882 – 12 Jahre nach der Gründung des Verbandes – traten die Städte Erfurt und Weißenfels bei, bevor weitere Preußische Städte folgten.

Es waren auch die Industrialisierung und das explosionsartige Anwachsen der Städte mit den damit verbundenen Herausforderungen u.a. an die Stadthygiene und die Unterbringung der Menschen, die die Städte zusammenrücken ließen. Denn damals wie heute gilt: Zusammen und in Kooperation mit anderen kann man die Herausforderungen einer sich wandelnden Zeit besser meistern als allein.

Daniel Dreckmann

Dieser Beitrag ist Teil der Sonderveröffentlichung "Meine Stadt Gera", die am morgigen Freitag, 27. September 2019, den Tageszeitungen der Mediengruppe Thüringen im Raum Gera kostenlos beiliegt. 

Autor:

Daniel Dreckmann aus Zeulenroda-Triebes

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