Aufklären mit Humor
Enkeltrick und Teppichmafia - Kriminalrat a. D. Lothar Schirmer kennt sie (fast) alle

Pssst! Bloß nicht zu viel verraten. Morgen wird Lothar Schirmer in der Stadtbibliothek Gera aus dem kriminalistischen Nähkästchen plaudern. Hier sieht man den Autor vor dem Hundertwasserhaus in Magdeburg, wo er sich mit AA-Redakteurin Jana Scheiding getroffen hat.
  • Pssst! Bloß nicht zu viel verraten. Morgen wird Lothar Schirmer in der Stadtbibliothek Gera aus dem kriminalistischen Nähkästchen plaudern. Hier sieht man den Autor vor dem Hundertwasserhaus in Magdeburg, wo er sich mit AA-Redakteurin Jana Scheiding getroffen hat.
  • Foto: Jana Scheiding
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Kriminalität beginnt nicht mit Mord und Totschlag, sondern mit Betrug am Telefon, sagt Lothar Schirmer. Er will die Menschen aufklären, nicht belehren. Mit seiner heiteren Krimishow ist der Kriminalrat außer Dienst am 15. Februar in Thüringen zu Gast.

Es gab eine Zeit, da verfügte Lothar Schirmer – heute Kriminalrat außer Dienst - über eine bessere Telefonanlage als der Polizeipräsident von Sachsen-Anhalt. Die DDR-Funktionäre hatten von Kripo-Beratungsstellen nichts gehalten, Schirmer fand Aufklärung wichtig. Mithilfe von Kassettenrekorder „Anett“ und Dias warnte der Magdeburger Kriminalist in den Achtzigern die Menschen vor Betrügern. Zu seinem Glück. „Mit der offenen Grenze kam viel mehr Kriminalität und ich war ein sofort einsatzfähiger Wegbereiter“, erinnert sich Schirmer, der seine Arbeit nun mithilfe hochwertiger Technik fortsetzen durfte.
Mit „postmortaler Klugscheißerei“ will er auch als Pensionär die Menschen zum Nachdenken anregen – ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Humor. 199 aus seiner 1200 Betrugsfälle umfassenden Sammlung beleuchtet der 67-Jährige in seinem Buch „Die Tricks der Gauner und Ganoven“. Der Leser erfährt Erstaunliches über vermeintlich amtliche Einträge ins Branchenverzeichnis, Drückerkolonnen, himmlisches Lottoglück oder den Trick mit dem gefundenen Goldring. Dabei ist der Unruheständler kein Unbekannter – 14 Jahre fungierte er als Kriminalfachmann in der MDR-Fernsehsendung „Kripo live“. AA-Redakteurin Jana Scheiding hat mit dem „Magdeburger des Jahres 2017“ ein Schlagwortinterview geführt.

Thüringen
… verbinde ich mit einem Klassiker: Thüringer Klößen. Seit 1970 hatte ich einen guten Freund in Erfurt, der mich mit Sauerbraten mit Klößen bekochte. Leider ist er verstorben. Er und die Klöße fehlen mir sehr.

Polizeiwitze
… gibt es nicht – die Geschichten sind alle wahr.

Tatort-Kommissare
… mag ich aus Münster – wegen der Ironie. Mir fällt auf, dass nirgendwo so viele Täter barfuß laufen wie in unseren Tatorten. Jedenfalls sichern die Kriminalisten dort jede Menge Fußspuren. Eigentlich müssten sie Schuhspuren sichern.

Mord und Totschlag
… gibt es im realen Leben Gott sei Dank nicht so viel wie im Fernsehen. Dort laufen wöchentlich über 60 Filme mit Gewalt – ich habe gezählt.

Kripo live
… habe ich gern mitgemacht. Es war sehr aufregend, die Szenen nachzustellen. Immerhin beträgt die Aufklärungsquote der in den Sendungen gezeigten Fälle etwa 25 Prozent. Leider musste ich 2010 aufhören, weil nur aktive Polizisten fahnden dürfen.

Rechtsstaat
… unterscheidet leider in Recht haben und Recht bekommen. Ich wünschte mir Erziehungsmaßnahmen, wie einen längeren Freiheitsentzug für Kriminelle, und andererseits mehr Beamte. Mit der dünnen Personaldecke vergeben wir uns die Chance, Täter zu erziehen.

Kriminalprävention
… ist wichtig und sollte sowohl von Polizisten als auch Bürgern betrieben werden. In Magdeburg qualifizieren sich Senioren, um über Gaunereien wie den Enkeltrick oder die Teppichmafia aufzuklären.

Polizeiruf 110
… war 1968 der Nachfolger von „Blaulicht“ – einer Sendung, der ich meine Polizistenlaufbahn verdanke. Eigentlich wollte ich Lehrer für Musik und Deutsch werden.

Hilfsbereitschaft
… darf uns niemals abhanden kommen. Ich werde zornig, wenn Menschen die Hilfsbereitschaft anderer ausnutzen. Bei meinen Vorträgen in Prävention sage ich: Bewahren Sie den guten Ton, helfen Sie, aber nicht ohne gesundes Misstrauen.

Qualifizierte Hochstapler
… versetzen mich ob ihrer Kreativität in Erstaunen. Würden sie diese Energie in die Gesellschaft einbringen, ginge es uns noch besser.

Gottvertrauen
… geht einem Atheisten wie mir eher ab. Ich verlasse mich auf mich, mein Wissen und Können. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Mit Wissen kann man viel bewirken.

Zur Sache:
Lothar Schirmers Buch „Die Tricks der Gauner und Ganoven“, erschienen im Thüringer Verlag Michael Kirchschlager, ist sowohl über den Autor als auch über den Buchhandel erhältlich.
Termin: 15. Februar, Schirmers Krimiabend mit Lesung, Videoeinspielungen und Tipps, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Gera.
Kontakt zum Autor: lothar.schirmer@web.de

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