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Gerhild Ebel: "antonyme & transcripte" im Stadtmuseum Jena

Gerhild Ebel, labyrinth, Objekt/Collage, 1997 (Ausschnitt)
Gerhild Ebel, labyrinth, Objekt/Collage, 1997 (Ausschnitt)
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"Eine einfache, sinnliche Ausstellung werden Sie hier nicht vorfinden", warnt Kurator Erik Stephan gleich eingangs und verweist darauf, dass man sich als Besucher Gedanken machen muss.

Beispielhaft für diese These steht unter anderem das Tagebuch "Skandinavische Reise". Fotos von Fjorden oder endlosen Wäldern werden Sie vergebens darin suchen. Das Erlebnis Skandinavien hat Gerhild Ebel auf monotone Farbflächen reduziert.

"antonyme & transcripte" nennt sich die neue Ausstellung der in Halle und Berlin lebenden Künstlerin Gerhild Ebel im Stadtmuseum Jena. Gezeigt werden Zeichnungen und Bücher. Aber es gibt auch etwas zu Hören.

Die Kombinationen und Überlappungen von Text und Bild sind so allgegenwärtig, dass wir uns diesen Begegnungen kaum entziehen können. Der sich ergänzende informative Gehalt von Texten und Bildern stellt sich heute jedoch, dank gereifter technischer Möglichkeiten, anders als in den letzten Jahrhunderten dar. Durch die digitale Omniprä¬senz von Texten und Bildern in den Medien und im Internet haben sich mit den Ange¬boten auch die Lese- und Sehgewohnheiten verändert.

Auch die Strategien der Künstler bleiben davon nicht unberührt. Inhaltliche und formale Aspekte verschränken sich immer deutlicher mit interdisziplinären Strategien, die bereits aus den Tagen der Dadaisten bekannt sind und von den visuellen Poeten, Concept-, Minimal- und Pop-Art-Künstlern weiterentwickelt und fokussiert worden sind.

Gerhild Ebel kommt vom Wort. Auch ihr Auszug in andere Bereiche der Kunst behält diese Bindung und sucht dieser einen größeren Spielraum, eine andere Form der Darstellung zu geben. Dabei ergründet sie die Zusammenhänge von Text und Bild in immer neuen Beziehungen. Die Quelle ihrer Arbeiten, die subtile Neugier am Entdecken, teilt sich dem Betrachter in einem erfrischend offenen Dialog mit. Doch was so leicht und offen daherkommt, ist sorgfältig kalkuliert und bedacht.

Bereits in einer ihrer frühen Arbeiten, dem Künstlerbuch Die neue Versleere von 1993, untersucht Gerhild Ebel Erscheinungsmuster unserer Sprache, deren Auftreten und Verlöschen in einem Grenzbereich zwischen ästhetischer Wahrnehmung und soziologischer Phänomenologie. Auch die grafische Folge antonyme (1997) verbindet Wort und Bild. Wie der Titel nahelegt, handelt es sich um Wortgegensatzpaare, die Gerhild Ebel grafisch verknappt, gedreht und gegeneinander im Siebdruck auf weißes Papier gedruckt hat.

Immer wieder wendet sich Gerhild Ebel dem Grenzgebiet zwischen Kunst und Wissen¬schaft zu. Dem Geheimnis des Unsichtbaren auf der Spur, visualisiert sie in diary of sound (2001) Klänge und Geräusche des täglichen Lebens und entwirft in seven people (2001) abstrakte Porträts, bei denen die Eigenschaften der „Probanten“ – Intelligenz, soziale Stabilität, Selbstsicherheit, Unkonventionalität und anderes mehr – mit bestimmten Werten kodiert und in abstrakten Zahlenkolonnen auf farbige Fonds gedruckt werden.

Die Spielarten der Kombination von Text und Bild sind äußerst vielfältig und finden sich in den von Gerhild Ebel herausgegebenen original-grafischen Editionen miniature obscure (1991 bis 2007) und quartett (ab 2008) wieder. Beide zeitschriften für experimentelle literatur und kunst zählen zu jenen international bemerkenswerten Künstler-Buch-Editionen, für die mit thematischen Vorgaben Künstler eingeladen und deren originale Arbeiten in geringer Auflage publiziert werden. Neben Schriftstellern und bildenden Künstlern sind es immer wieder auch Wissenschaftler und Musiker, die mit ihren Beiträgen zum originären Charakter dieser Editionen beitragen. Die thematische Klammer definiert nicht nur den Inhalt, sondern immer auch die Form.

Eine ähnlich strenge Disziplin gilt auch für die eigenen Arbeiten Gerhild Ebels. Möglicher¬weise wirkt das Studium der Phytopathologie, das Gerhild Ebel 1990 mit einem Diplom in Halle abgeschlossen hat, richtungsweisend für ihre künstlerische Arbeit. Die Verbindung zwischen Einfall und Form ist immer direkt und ohne Schnörkel. Ebels Arbeiten behalten immer, auch in der konkreten Abstraktion, eine von feinsinnigem Humor gestimmte Rückbindung, die auch die eigenen Einfälle nicht ausnimmt. Die Künstlerin hat im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte eines der bemerkenswertesten Werke im Bereich buchkünstlerisch gefasster Konzeptkunst vorgelegt und damit Eingang in viele der weltweit bedeutendsten Sammlungen auf diesem Gebiet gefunden.

Die Ausstellung antonyme & transcripte zeigt Arbeiten aus nahezu zwanzig Jahren künstlerischer Arbeit, vor allem jedoch neuere Werke. Die strenge Auswahl verweist auf ein weit umfangreicheres Werk, das im Spannungsfeld von konzeptioneller Strenge, Experimentierlust und Humor den Raum für immer neue Ideen schafft. Die Arbeiten Gerhild Ebels sind so komplex wie konkret und so vielschichtig, wie sie in ihren konzeptionellen Bindungen stets erkennbar bleiben.

Gerhild Ebel lebt und arbeitet in Halle und Berlin. Nach dem Studium der Phytopathologie an der Martin-Luther-Universität Halle (Diplom 1990) hat sie zunächst als Wissenschaftlerin gearbeitet und wenig später eine künstlerische Laufbahn gewählt.

Bereits ab 1988 ist sie mit konzeptionellen Arbeiten, Installationen, Objekten, Künstlerbüchern, Grafiken, Scherenschnitten, experimentellen Texten und Performances künstlerisch aktiv. Von 1991 bis 2007 gibt sie (gemeinsam mit Cornelia Ahnert) die original-grafische Zeitschrift miniature obscure heraus. Ab 2008 publiziert sie eigenständig die Künstlerzeitschrift quartett. experimentelle literatur und kunst.

Gerhild Ebel konnte ihre Arbeiten in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zeigen, darunter in Argentinien, Australien, Österreich, Brasilien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Italien, Japan, Mexico, Niederlande, Norwegen, Schweden, Chile, Russland, Südkorea, Spanien, Schweiz, USA und Deutschland.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die Ausstellung ist bis zum 11. August zu sehen: Dienstag, Mittwoch, Freitag 10-17 Uhr, Donnerstag 15-22 Uhr, Samstag, Sonntag 11-18 Uhr,
Montag geschlossen.

Derzeit ist noch eine zweite Kunstausstellung im Stadtmuseum Jena zu sehen:

http://www.meinanzeiger.de/gera/kultur/mimmo-jodice-mit-fotoserie-transiti-im-stadtmuseum-jena-d29629.html

Gerhild Ebel, labyrinth, Objekt/Collage, 1997 (Ausschnitt)
signatures, Acryl auf Leinwand, 2003. "signatures": Die reinen Signaturen von Künstlern, deren teilhabe am Kanon gar nicht bezweifelt werden soll, als Bild. Können wir das auch als ihre Form der Wertschätzung lesen? Das Zitat ist kein Kniefall, meine Damen und Herren, soviel ist sicher. Hier wird Unbezweifelbares benutzt, um auf ein ganz anderes Phänomen hinzuweisen. ...
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novel, 1999, Handschnitt mit Cutter, 16 x 21 cm, 60 Seiten, Auflage 35, Berlin 1999. CUt/novel: Kommunikation gegen Ende des 20. Jahrhunderts - Computer und elektronische Medien treten zunehmend anstelle des Buches in einer neuen Dimension. Die Informationssysteme der Gegenwart sind so umfangreich und vielschichtig geworden, dass für ihre Vernetzung und Simultanität die eindimensionale Form des Buches nicht mehr genügt.
skandinavische reise, Text, Grafik: Gerhild Ebel, Siebdruck, Digitaldruck, 15 x 42 cm, 16 Seiten, Auflage 15, Berlin, Halle 2008. Der gleichnamige experimentelle Text Gerhild Ebels wurde visualisiert durch Substitution der Buchstaben in verschiedene Grüntöne - eine Fortführung der Arbeiten Ebels zum Farbklang von Sprache.
Gerhild Ebel, Quartett no. 1 / Zeit, Edition für experimentelle Literatur und Kunst, 22 beteiligte Künstler mit jeweils vier Seiten, Kunstsammlung Jena, Inv. Nr. VI 1717
Antonym, 16-teilige Blattserie, Siebdruck, 1997. Eine Arbeit zur Einheit der Gegensätze: Wortgegensatzpaare geteilt, gedreht und gegeneinandergestellt. Es entstehen Chiffren, die entziffert werden sollen.
Kurator Erik Stephan vor: augenminusfalle.com, Grafik: Acryldruck/Text: Siebdruck, 16 Seiten, Auflage 16+4, Halle, Berlin 2012. Autoren als Seismographen ihrer Zeit: Es entstand eine Porträtserie mit seismographischer Linienführung und partieller Darstellung, gleich einem Kommen, einem Gehen. Ein Nachdenken über die Vergänglichkeit des Seins und die Beständigkeit des Werkes. ...
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augenminusfalle.com, Grafik: Acryldruck/Text: Siebdruck, 16 Seiten, Auflage 16+4, Halle, Berlin 2012. Autoren als Seismographen ihrer Zeit: Es entstand eine Porträtserie mit seismographischer Linienführung und partieller Darstellung, gleich einem Kommen, einem Gehen. Ein Nachdenken über die Vergänglichkeit des Seins und die Beständigkeit des Werkes. ...
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augenminusfalle.com, Grafik: Acryldruck/Text: Siebdruck, 16 Seiten, Auflage 16+4, Halle, Berlin 2012. Autoren als Seismographen ihrer Zeit: Es entstand eine Porträtserie mit seismographischer Linienführung und partieller Darstellung, gleich einem Kommen, einem Gehen. Ein Nachdenken über die Vergänglichkeit des Seins und die Beständigkeit des Werkes. ...
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augenminusfalle.com, Grafik: Acryldruck/Text: Siebdruck, 16 Seiten, Auflage 16+4, Halle, Berlin 2012. Autoren als Seismographen ihrer Zeit: Es entstand eine Porträtserie mit seismographischer Linienführung und partieller Darstellung, gleich einem Kommen, einem Gehen. Ein Nachdenken über die Vergänglichkeit des Seins und die Beständigkeit des Werkes. ...
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augenminusfalle.com, Grafik: Acryldruck/Text: Siebdruck, 16 Seiten, Auflage 16+4, Halle, Berlin 2012. Autoren als Seismographen ihrer Zeit: Es entstand eine Porträtserie mit seismographischer Linienführung und partieller Darstellung, gleich einem Kommen, einem Gehen. Ein Nachdenken über die Vergänglichkeit des Seins und die Beständigkeit des Werkes. ...
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aus der Serie "memories", Papierschnitte, 2008
sequenzen des erinnerns, Papierschnitte, Blattserie, work in Progress seit 2000, Edition 2005. Ende der 80er Jahre entstanden in "Die neue Versleere" erstmalig in Papier geschnittene leere Zeilen und Bilder, im Jahr 1998 in der Installation "CUt" zu einem Endpunkt geführt, der jedoch gleichzeitig auch Neubeginn ist. Wiederkehrende Erinnerung: In leeren Textzeilen werden anhand eigener Fotografien bildliche Informationen schemenhaft wieder sichtbar.
aus der Serie "Illusionen", Papierschnitte, 2013
links und rechts, Text: Gerhild Ebel, Grafik: Ottfried Zielke, Siebdruck 22 x 22 cm, 36 Seiten, Auflage 80, Berlin 2005. Mit Witz und Ironie wird in Text und Bild der oft fliegende Wechsel politischer Positionen aufs Korn genommen.
seven People, Digitaldruck, Ystad/Schweden 2000. Porträts des Inneren: Reale Personen wurden mit ihren psychologischen und genetischen Merkmalen dargestellt. Dabei steht jede Linie für eine Charaktereigenschaft, jede Zahl für den Ausprägungsgrad der jeweiligen Eigenschaft (Selbstbewusstsein, soziale Integrationsfähigkeit, Antriebsspannung, Rigidität, Risikobereitschaft...). Dank gilt dem Institut für Humangenetik der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg für die Unterstützung des Projektes.
Prices, Acryl auf Leinwand, 1998/2003. Auch die Verkaufspreise scheinen, angekommen in einer gewissen schwindelerregenden Höhe, erst dann Bedeutung herzustellen. Warum dann nicht nur noch über die Preise reden. Aber das passiert ja längst. Ebel zeigt dies deutlich. Sie macht die Preise zum Bildinhalt. ...
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Erik Stephan im Gespräch mit Linda Ferchland.
Portraits, Acryl auf Leinwand, 2006. Porträts des Inneren: Reale Personen wurden psychologisch porträtiert. Dabei steht jeder Buchstabe für eine Charaktereigenschaft, jede Zahl für den Ausprägungszustand des Merkmals (1 gering ... 10 hoch), z.B. Kontakorientierung, Intelligenz, Selbstbewusstsein, Unkonventionalität, Unabhängigkeit... "Portraits" kann als ein weiterer Versuch Ebels gelesen werden, die Oberfläche zu durchschauen. ...
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Gerhild Ebel, labyrinth, Objekt/Collage, 1997
Gerhild Ebel, labyrinth, Objekt/Collage, 1997 (Ausschnitt)
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