„Kirche unterwegs“ in Gera-Zwötzen - Hochwasserschäden an der St. Martinikirche werden beseitigt – Trotz Fördermitteln bleiben Finanzierungslücken

Behutsam präparieren die Restauratoren das Kruzifix aus der Kirche in Gera-Zwötzen für den Abtransport in das Atelier
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  • Behutsam präparieren die Restauratoren das Kruzifix aus der Kirche in Gera-Zwötzen für den Abtransport in das Atelier
  • hochgeladen von Wolfgang Hesse

Das verheerende Hochwasser der Weißen Elster Anfang Juni letzten Jahres hat große Schäden an der Kirche St. Martini in Gera-Zwötzen hinterlassen. Dieser neogotisch geprägte Kirchenbau stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Bodenplatte im Kirchenschiff ist längs durchgebrochen und hat sich in der Mitte um mehrere Zentimeter abgesenkt. Auf ca. eine halbe Million Euro wurde der Schaden beziffert.

Ein Strömungsdruck längs der Kirche spülte die Aufschüttungen unterhalb der Bodenplatte heraus und der Hohlraum ließ die Platte in der Mitte durchbrechen.
Mit der Hochwassersoforthilfe von 6000 Euro und großzügigen Spenden von insgesamt 7000 Euro konnten Kernbohrungen und umfangreiche Untersuchungen an der Substanz durchgeführt werden. „Daraus ergab sich eine Kostenschätzung in Höhe von 465 T€ für die Sanierung. Diese Summe an Fördermitteln wurde beim Thüringer Landesamt für Denkmalschutz beantragt“, sagt der ordinierte Gemeindpädagoge Michael Keßler, der als Gemeindepfarrer die Stadtteile Zwötzen, Liebschwitz und Taubenpreskeln betreut.
Nach neun Monaten konnte sich die Kirchgemeinde über einen positiven Bescheid freuen, auch wenn die Summe deutlich niedriger ausfiel. Michael Keßler ist trotzdem sehr froh darüber: „Mit den 388 T€ sind wir in der Lage, die Bodenplatte, die Außentreppen und den Putz im Kirchenschiff zu erneuern." Ganz besonders dankbar ist der Gemeindepfarrer für eine unkomplizierte und spontane Zuwendung von 30TEuro durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). „Damit können wir Elektrik und Bankheizung erneuern, die durch andauernde Nässe nicht mehr verwendbar sind." Dennoch fehlen, neben den Eigenleistungen der Gemeinde, weitere 30T€. "Wir wissen noch nicht, woher diese Gelder kommen sollen.“, fragt sich der Geistliche.
Architektin Dr. Löffler besitzt umfangreiche Erfahrungen bei der Sanierung sakraler Bauten und erklärt die komplizierte Vorgehensweise: "Um zukünftige Schäden zu minimieren muss die Bodenplatte auf einem stabilen Untergrund gegründet werden. Dazu werden im gesamten Kirchenschiff Mikropfähle in 4-6 Meter Tiefe eingebracht, auf denen dann die neue Bodenplatte verankert wird." Seit dem 8. August wird nun gebaut. Die Orgel ist gegen Staub geschützt, Kruzifix, Bänke und die Holzkanzel sind bereits aus der Kirche verschwunden. Alle Beteiligten rechnen mit einer Bauzeit bis Juni 2015.
Damit heißt es ab sofort für die Kirchgemeinde Martini: "Kirche Unterwegs". "In den nächsten Wochen laden wir zu Open Air Gottesdiensten im Hof des Pfarrhauses ein", sagt der Gemeindepfarrer. Die Kirchen in Liebschwitz und Taubenpreskeln werden genutzt und mehrere Baustellengottesdienste sind ebenfalls vorgesehen. Für die Vesper am Heiligen Abend konnte das Volkshaus Zwötzen gewonnen werden. Das Kulturhaus im Süden der Stadt hatte ebenfalls durch das Hochwasser große Schäden zu verzeichnen und Michael Keßler freut sich, dass die Betroffenen im Ortsteil zusammenhalten und sich gegenseitig helfen.
"Die Gemeinde verfolgt die Sanierung sehr aufmerksam und nimmt regen Anteil am Baugeschehen", erklärt Karl-Heinz Geppert vom Gemeindekirchenrat. "Die Mitarbeiter der Kirchgemeinde Ina Gläser, Thomas Jost und Reinhard Göring haben parallel zu ihrer Arbeit auf dem Friedhof in ihrer Freizeit die Kirche beräumt."
Im Zuge der Sanierung werden kleine Veränderungen im Kirchenraum, vor allem aus Vorschlägen der Gemeindeglieder, umgesetzt. Eine Neuanordnung von Altar und Kreuz ermöglichen eine individuellere Nutzung des Altarraumes. Ein Geländer in der Kirche und ein barrierefreier Zugang werden geschaffen. Die Winterkirche wird mit Stühlen bestückt und eine Glaswand ermöglicht die Sicht zum Altar.
"All diese Veränderungen werden den sanierten Kirchenraum aufwerten und dazu einladen, die Kirche St. Martini in Gera-Zwötzen wieder neu zu entdecken.", erwartet Michael Keßler.

Autor:

Wolfgang Hesse aus Gera

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