Mimmo Jodice mit Fotoserie "Transiti" im Stadtmuseum Jena

Mimmo Jodice
26Bilder

In den vergangenen fünf Jahrhunderten hat sich viel geändert. Manche unter uns würden wohl auch behaupten: Alles. Dass das ein riesiger Irrtum ist, beweist Mimmo Jodice in seiner aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum Jena.

Anlässe für Stimmungen und Emotionen mögen vielleicht nicht in allen Fällen exakt die gleichen sein, aber die damit einhergehenden Gestiken und Mimiken der Menschen sind unabhängig von Zeit und Ort geblieben. Den Beweis tritt der italienische Fotograf auf einfachem und doch meisterlich ausgeführtem Weg an. Er studiert Gemälde der vergangenen fünf Jahrhunderte im Muso di Capodimonte in seiner Heimatstadt Neapel. Dabei haben es ihm nicht die im Mittelpunkt stehenden Protagonisten angetan, sondern die Nebendarsteller. Er lichtet vornehmlich Köpfe, eher selten Szenen ab. Selbige findet Jodice in der heutigen Zeit hunderte Jahre später in Neapel und Umgebung wieder. Die Fotos werden gegenüber gestellt und bilden die Serie "Transiti". Der Transit als Durchreise von einer Welt zur anderen, von der Vergangenheit ins Heute. Dabei bedient sich der Fotograf einfacher Mittel, um die Bildaussagen aufs Wesentliche zu konzentrieren. Sämtliche Aufnahmen entstehen in Schwarz/Weiß, ablenkende Farben gibt es nicht. Ebenso wenig Bildtitel oder Namen oder Ortsbezeichnungen.

Die Fotografien Mimmo Jodices beeindrucken durch eine suggestive, poetische und dennoch klare Bildsprache und werden nun erstmals in einer Einzelausstellung in einem deutschen Museum gezeigt. Ausgestellt ist die Folge Transiti mit insgesamt 55 Foto­grafien. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildungen alle Werke der Ausstellung. Es ist die erste Publikation in deutscher Sprache.

Jodice arbeitet im Spannungsfeld zwischen Geschichte und Gegenwart und gehört zu den bekanntesten Fotografen Italiens in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Er fotografiert historische Monumente, antike Skulpturen oder Landschaften, die voller Geschichte sind und den Horizont unseres Daseins weiten und auch relativieren. Immer wieder sind es Zeit und Vergänglichkeit, die im Zentrum der Arbeit stehen. Jodice sucht und verweist auf die Spuren und Wurzeln unserer Existenz, auf surreale Zusammenhänge und verworrene Linien und auf jene metaphysischen Abdrücke, in denen sich Geschichte und Gegenwart überlagern und einander erklären.

Die Ausstellung der Kunstsammlung Jena im Stadtmuseum ist bis zum 11. August zu sehen. Geöffnet ist dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags von 15 bis 22 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Bitten bedenken Sie, dass die hier gezeigten Fotos keine Reproduktionen der Werke sind, sondern innerhalb der Ausstellung entstanden sind und somit Spiegelungen auf der Glasoberfläche haben können.

Die zweite derzeit zu sehende Kunstausstellung:

http://www.meinanzeiger.de/gera/kultur/gerhild-ebel-antonyme-and-transcripte-im-stadtmuseum-jena-d29901.html

Mehr über das Stadtmuseum Jena ist hier zu erfahren:

http://www.meinanzeiger.de/jena/themen/stadtmuseum.html

Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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