Standing Ovations – Peter Lohmeyer und Reinhardt Repkes Club der Toten Dichter in Gera – Ein Höhepunkt bei den 10. Songtagen in Gera

Peter Lohmeyer mit vertonten Gedichten von Charles Bukowski (Der Club der toten Dichter bei den Songtagen Gera)
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  • Peter Lohmeyer mit vertonten Gedichten von Charles Bukowski (Der Club der toten Dichter bei den Songtagen Gera)
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Das dritte Mal und immer wieder anders, so sagte Daniel Zein zu Beginn der Konzertes des Clubs der toten Dichter am Freitag, 21. April im Geraer Clubzentrum Comma. Es stimmt, der Kopf des Projektes und Gründer Reinhardt Repke sieht das genauso. In jedem Programm nähert sich der "Club" einem Dichter, der bereits tot ist. Nach Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Rainer Maria Rilke und Friedrich Schiller wollte sich Repke einem Jüngeren, will heißen noch nicht ganz so lange toten Dichter widmen. Hängengeblieben ist er beim amerikanischen Autor CHARLES BUKOWSKI (1920 bis 1994).
Nicht immer leicht fiel ihm dabei die musikalische Umsetzung der Worte des Amerikaners. "Derweilen dachte ich, wäre ich doch lieber Maurer geworden.", erzählt er dem Geraer Publikum. Doch heute, wenn der Club der toten Dichter mit dem Programm unterwegs ist, ist er doch ganz froh, nicht Maurer geworden zu sein. "Max" Reinhardt Repke singt, spielt verschiedene Gitarren und zupft das Banjo. Bekannt ist der Multiinstrumentalist und Songschreiber auch als Bassist bei der Band Rockhaus.
Im Fokus dieses Abends steht jedoch unzweifelhaft Peter Lohmeyer. Bekannt von fast unzähligen Filmen (Das Wunder von Bern, Tatort. Polizeiruf 110 u.v.a.) lebt die Show durch seine Stimme und mit seiner Gestik und Mimik. Die Gedichte Bukowskis erhalten durch Lohmeyers Stimme Ausdruck und Inhalt. Er nimmt die Zuhörer mit auf eine Gedankenreise und schafft perfektes Kopfkino. Wenn er im Gedicht „Sagenhaft“ über den Regen, die „himmlische Brühe“ singt, findet er mit seiner Stimme die Schönheit, die der Melancholie innewohnt. Lohmeyer ist gern melancholisch, ja er badet geradezu darin. Ob nur mit einer Kinderspieluhr in der Hand oder der ganzen Band im Rücken, Lohmeyers Interpretation der Texte saugt den Zuhörer an. Lohmeyer, übrigens das erste Mal in Gera, freut sich auf das Publikum bei den Songtagen. Der gute Ruf dieses Singer- Songwriter Festivals ereilte ihn bereits in Hamburg, gibt er zu. Zwischen der vertonten Lyrik gibt es jede Menge Informationen zu Charles Bukowski. "Es muss nicht einfach mit ihm gewesen sein.", so beschreibt Reinhardt Repke die Erinnerungen von Carl Weissner, der Bukowski ins Deutsche übertragen hat. "Weissner war mit Bukowski befreundet und etablierte diesen Schriftsteller in Deutschland."
In einer Geschichte hat sich Bukowski mit dem 16-bit Intel Chip 8088 auseinandergesetzt. Er beschreibt bis aufs Details die Probleme der Inkompatibilität zwischen den Computern jener Zeit und kommt zu dem Schluss: "Aber trotzdem streicht der Wind noch immer über die Savanne, und der Truthahn stolziert im Frühling vor seinen Hennen herum…"
Auch nach acht Stunden Maloche bei der Post, wo er 11 Jahre als Briefsortierer arbeitete, ist Bukowski in seinen Gedichten auf der „Suche nach der letzten Wahrheit, die man nie zu fassen bekommt“. Und so schreibt er über die piefigen Nörgler, während sein Buddha schmunzelnd in der Ecke sitzt, den Uhu, den er auf einem Telegrafenmast entdeckt oder über einen Jungen, der ihm klar macht, dass der bloße Anblick des Meeres nicht schön ist. Bukowski selbst beschreibt seine Arbeit mit den Worten: „Beobachtung in die Tat umgesetzt, ist die Essenz der Kunst.“
Der Abend zeigte, dass Bukowski, so wie ihn der Club der toten Dichter entdeckt haben, ein anderer ist, als der Suffpoet mit den bösen Worten. Ein Mensch, jenseits der Gesellschaft, der mit einem fast zärtlichen Blick auf die Gesellschaft schaut.
Auch während des dritten Gastspiels des Clubs der toten Dichter war das Programm eine Bereicherung für die Songtage in Gera. Und so bedanken sich 300 Besucher zum Schluss mit Standing Ovations bei den Künstlern.

Im Programm des Geraer Bürgerfernsehens Labor 14 ab 26. April gibt es ein Interview und Ausschnitte vom Songtagekonzert mit dem Club der toten Dichter.

Autor:

Wolfgang Hesse aus Gera

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