Und die Schlange war listiger.... ein Blick auf die Paradiesgeschichte

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Predigt Genesis 3 Invokavit

„Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?
Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!
Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß.
Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan.
Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten.
Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich.

Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war.
Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zum Baum des Lebens.“

„Und die Schlange war listiger als alle...“

Sie war vertraut mit Management, Produktbeschreibung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Schlange war ein listiger Werbestratege. Sie kannte sich mit Sehnsüchten und Träumen aus. Sie verstand es, neue Bedürfnisse zu wecken. Sie konnte perfekt jedes Produkt vermarkten und an den Mann und an die Frau, an den Adam und an die Eva bringen.

Die Schlange wirbt:
„So eine Frucht ist doch mehr als nur eine Frucht. Diese Frucht an diesem Baum, die müssen Sie nun wirklich haben. Diese Frucht bedeutet die Erfüllung Ihrer geheimsten Wünsche. Diese Frucht wird Sie glücklich machen. Ohne diese Frucht ist Ihr Leben nur halb – aber mit Ihr wird es doppelt! Greifen Sie zu, denn...es handelt sich auch noch um ein Sonderangebot. Nirgendwo anders bekommen Sie gerade dieses Produkt. Es kostet wirklich nicht viel. Kein Euro, keinen Dollar, kein Rubel. Nur die Übertretung eines kleinen Verbotes. Gott hat Euch gesagt, dass Ihr schon alles habt, alles was Ihr zu einem erfüllten Leben braucht. Doch um tatsächlich zur Erfüllung zu kommen, braucht Ihr gerade diese Frucht. Drum – nicht länger gezögert, greift endlich zu---!“

Die Schlange war listiger als alle. Sie kennt die Schwachstellen ihrer Kunden, weiß genau, wo diese zu packen sind. Sie verkauft alles – Früchte und Brot, Wasser und Wein, Sport und Politik, Lebenssinn und Antworten auf ungelöste Fragen, die Erde und den Mond, Versicherungen und Grabstellen. Sie verkauft alles und uns Menschen als dumm.
Und die Schlange hat leichte Geschäfte. Die Menschen brauchen oft nicht mehr überredet zu werden, sie drängeln sich gerade zu, um bezahlen und verbrauchen zu dürfen.
Gott hatte gesagt: von diesem Baum da, esst nicht davon, rührt ihn nicht an.
Doch die Schlange duldet keine Einschränkung. Sie will grenzenlosen Konsum – alles ist dem Menschen verfügbar, alles wird zur Ware – keine Tabus bitte, das stört nur das Geschäft.

Ihr werdet sein wie Gott – auch das so ein cleverer Werbespot der Schlange. Doch die Menschen lassen sich bereitwillig einwickeln. Mit Gottes Schöpfung, so wie sie ist, sind sie längst nicht mehr zufrieden. Sie schaffen sich ihre eigenen Welten – bunt, glitzern, warenvoll. Wenn wir durch die Warentempel unserer Tage pilgern, da gibt es kaum etwas, was es nicht gibt – außer Natürlichkeit. Alles ist eine künstlich vom Menschen hergestellte Welt. Selbst das Licht ist kommt aus einem Kraftwerk.

Doch statt dem versprochenem Glück bleiben Scherbenhaufen auf dem Weg zurück. Mit Gier und ständig neu geweckten Bedürfnissen verliert der Mensch schließlich den Kontakt zu seiner Seele. Neid und eine ständige Unzufriedenheit begleiten seine Wünsche. Zu anderen Menschen gerät er in Konkurrenz. Die einen können mit der schillernden Werbewelt mithalten, andere fühlen sich als Versager und Verlierer. Und die von Gott gestaltet Welt bleibt auf der Strecke. Die Schönheit, das Wunder der Schöpfung hat Gott uns kostenlos vor die Nase gesetzt, und wir zerstören dieses Geschenk systematisch. Der Abfall unserer Wohlstandswelt vergiftet Erde, Wasser, Luft. Wälder und Meere sterben. Tiere werden in Massenställen eingepfercht.

Gott hatte gesagt: von diesem Baum da, esst nicht davon, rührt ihn nicht an.
Doch wir Menschen wollen weiter grenzenlos herstellen und grenzenlos verbrauchen. Keine Tabus bitte, das stört nur das Geschäft. Der Mensch hat die Achtung vor Grenzen verloren. Alles gehört mir, alles steht zu meiner Verfügung. Sogar das Leben selbst wird angetastet.

„Und die Schlange war listiger als alle...“

Rhetorik hatte sie studiert, sich intensiv mit Massenpsychologie beschäftigt. Sie wusste, wie man die Stimmung anheizen kann, wie man die Leute auf die Beine bringt. Sie hatte wirklich Führungsqualität. Die Schlange war ein listiger Propagandist. Sie verstand es, Menschen so weit zu bringen, sich selbst und anderen Leid zuzufügen. Natürlich immer für „die gute Sache“.

Die Schlange lässt verlautbaren:
„Bei dieser Frucht handelt es sich um den Schlüssel zur Macht. Wir müssen – gegen alle moralisch verständlichen Bedenken – konsequent und auf der Stelle handeln, bevor es unsere Feinde tun. Nur, wenn wir den Schlüssel zur Macht in unseren Besitz bringen, können wir sicher und zufrieden leben. Denn es geht um unsere gute Sache. Wenn wir nach dieser Frucht greifen, werden wir bestehende Grenzen verletzen. Doch das ist notwendig. Ohne Kampf, kein Sieg. Ohne Opfer, kein Gewinn. Aber Ihr steht auf der richtigen Seite. Keine Skrupel, keine Bedenken – greift zu, schnappt Euch diese Frucht. Dann werdet Ihr Sieger sein. Das ist das Gebot der Stunde.“

Die Schlange war listiger als alle. Sie hat keine Idee, aber etwas scheinbar Machtvolleres – eine Ideologie. Die „gute Sache“ Die Schlange weiß, wie Menschen zu beeinflussen sind. Und sie kennt die Strategien, an die Macht zu kommen. Der Philosoph Noam Chomsky hat es so beschrieben: „Vergessen wir nicht, wie Ideologien durchgesetzt werden. Gewalt allein reicht nicht aus, um Menschen zu beherrschen, sie braucht stets eine Rechtfertigung. Wenn ein Mensch Macht über einen anderen ausübt – ein Diktator, ein Bürokrat, ein Ehemann oder Vorgesetzter, - braucht er eine Rechtfertigung, und die lautet immer gleich: alle Zwangsmaßnahmen sind ‚nur zum Besten‘ der Beherrschten. Die Macht gibt sich stets großzügig und selbstlos.“

Nur mit gutem Gewissen ist man zu den größten Verbrechen bereit, denkt sich die Schlange. Und sie ist da sehr erfinderisch, flexibel und wahllos, was die „gute Sache“ ist, die ihr zur Macht verhilft. Sie kann „Nation“ genannt werden, oder „Kommunismus“, „Religion“ oder „Freiheit“.

Und die Schlange kommt leicht zum Ziel. Die Menschen brauchen oft nicht mehr überredet zu werden, sie drängeln sich gerade zu, um zu herrschen und um beherrscht zu werden.
Gott hatte gesagt: von diesem Baum da, esst nicht davon, rührt ihn nicht an.
Doch die Schlange duldet keine Einschränkung. Sie will grenzenlose Herrschaft – alles wird den eigenen Machtinteressen untergeordnet– keine Tabus bitte, das wäre ja ein Zeichen von Schwäche.

Ihr werdet sein wie Gott – wenn uns die Wirklichkeit nicht gefällt, dann schaffen wir uns unsere eigene Realität und setzen die mit Gewalt und Lüge durch.

Doch statt der guten Sache bleiben Scherbenhaufen auf dem Weg. Die Geschichte ist ein Sammelband aus Blut und Tränen, Kerkertürquietschen und Kettenrasseln. Der Griff nach der Macht endete oft in neuen ungerechten Verhältnissen. Aus Menschen wurden Feinde, Sieger und Besiegte, Herrscher und Beherrschte. Das Paradies sieht anders aus.

Gott hatte gesagt: von diesem Baum da, esst nicht davon, rührt ihn nicht an.
Doch wir Menschen wollen anderen überlegen sein. Keine Tabus bitte, das wäre ja ein Zeichen von Schwäche. Der Mensch hat die Achtung vor Grenzen verloren. Sogar das Leben selbst wird angetastet.

„Und die Schlange war listiger als alle...“

Sie gab sich nicht mit irdischen Belangen und oberflächlichen Genüssen ab. Die Schlange war ein listiger Prediger. Sie war Theologe, Religionsführer, vertraut mit tieferen Wahrheiten und heiligen Schriften. Nicht Egoismus und Eigeninteresse trieb sie an, sondern die rechte Verwaltung der Wahrheit.

Die Schlange predigt:
„Seht die Frucht. An dem Tag, da ihr davon esset werdet, werden eure Augen aufgetan. Erkenntnis kann doch nicht falsch sein! Und ihr werdet wissen, was gut und böse ist. Schließlich braucht der Mensch seine Moral. Euer Glaube wird euch überlegen machen. Ihr seid Diener der höheren Macht. Deshalb habt ihr einen Auftrag – das Interesse dieser Macht durchzusetzen, gegen alle Widerstände. Haltet euch nicht mit Kleinigkeiten auf – wie dem Verbot, von diesem Baum zu essen; es geht um Höheres und Wichtigeres. Gerade weil ihr der Wahrheit dient, ist euch alles erlaubt. Greift beherzt nach der Frucht!“

Die Schlange war listiger als alle. Sie kann auch bei Menschen mit Idealen und hohen Ansprüchen ihr Ziel erreichen. Besitz von Wahrheit, Macht auf geistigem Gebiet – das ist für religiöse Menschen attraktiver als materielle Güter und weltliche Herrschaft. Und die Schlange hat leichte Beute. Die gläubigen Menschen brauchen oft nicht mehr überredet zu werden, sie drängeln sich gerade zu, um sich auch religiös von anderen abzugrenzen, sich über andere geistlich zu erheben und im Zweifelsfall ihre Wahrheit mit psychischem Druck oder äußerlicher Gewalt durchzusetzen. Angst ist für die Schlange das Lieblingsinstrument, um spirituellen Einfluss zu gewinnen.
Gott hatte gesagt: von diesem Baum da, esst nicht davon, rührt ihn nicht an.
Doch die Schlange duldet keine Einschränkung. Sie will grenzenlos werden durch Religion – alles wird in diesem Zusammenhang gerechtfertigt– keine Tabus bitte, das stört nur die eigene Gewissheit und die die Mission.

Ihr werdet sein wie Gott.
Dazu sind gläubige Menschen eigentlich viel zu demütig. Doch geht es darum, den Willen Gottes zu erklären, das rechte Verständnis der Schrift zu erläutern, die Sünde der Anderen zu geißeln, dann fällt jede Demut von diesen frommen Leuten ab. Sie wissen genau, was gut oder böse – sie wissen zu genau wer gut oder böse ist. Barmherzigkeit zu den Menschen, eine selbstkritische Haltung zu sich selbst, Vertrauen und Gelassenheit Angesichts von Gottes Liebe bleiben auf der Strecke.
Gott hatte gesagt: von diesem Baum da, esst nicht davon, rührt ihn nicht an.
Doch wir Menschen wollen grenzenlos sein. Keine Tabus bitte, das stört nur die eigene Gewissheit. Der Mensch hat auch religiös die Achtung vor Grenzen verloren. Sogar das Leben selbst wird angetastet.

Doch statt der erhofften Wahrheit finden sich zahllose Scherbenhaufen auf dem Weg. Auch auf dem Weg aller Religionen. Auch auf dem Weg der Kirchen.

„Und die Schlange war listiger als alle...“

Was hast du getan? – als Gott sie fragt, berichtet sie in ihrer Beichte:

„Was gibst du mir die Schuld an dem Desaster. Ich habe es doch nur gut gemeint. So im Paradies, rundherum geborgen, ohne die Chance auf Veränderung – das konnte auf die Dauer doch nicht gut gehen. Gott, es musste so kommen. Adam und Eva sind doch keine Kinder, die es sich auf ewig im Bauch ihrer Mami gemütlich machen. Und sie können doch auch Dir, Herr, nicht ständig am Rockzipfel hängen. Es sind deine Kinder, Gott, aber nun erwachsen. Und damit bereit, eigene Wege zu gehen. Eigene Entscheidungen zu treffen. Ja, und auch eigene Fehler zu machen. Sie sind so weit, sich auf den Weg zu machen – mit all seinen Problemen und Schwierigkeiten. Ich habe doch nur zu ihnen geredet – und du musst zugeben, dass das für eine Schlange bereits ein recht ungewöhnliches Unterfangen darstellt. Ich habe nur geredet, entschieden haben diese Menschen immer selbst. Sie hatten die Wahl. Du, Herr, warst es doch, der ihnen diese Freiheit in den Schoß gelegt hat. Sie hatten tatsächlich die Wahl. Und sie haben nach der Frucht gegriffen, ohne an die Folgen zu denken. Adam und Eva waren es; was also gibst du mir die Schuld? Immerhin habe ich es geschafft, so etwas wie ‚Die Weltgeschichte‘ und „Menschliche Kultur“ in Gang zu setzen. Ohne den Apfel gäbe es auch keine Entwicklung. Dass musst du doch zugeben…und außerdem wirst Du, Gott, jetzt mehr denn je gebraucht.“

„Und Adam nannte sein Weib Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben. Und Gott der HERR machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.“

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