„Bunte Vögel der Reformation“ - eine außergewöhnliche Geraer Gottesdienstreihe im Reformationsjahr
Willem von Oranje – Begründer der Niederlande / Die Predigt

Willemvon Oranje wäre wahrscheinlich der erste König der freien Republik der
Niederlande geworden, wenn er nicht zuvor ermordet worden wäre. Als Märtyrer
der Freiheit wuchs ihm aber nur noch mehr Ehre zu. Willem wurde geradezu zu
einem Mythos, dessen Ruf bis heute ungebrochen das Selbstbewusstsein der
Niederländer und Niederländerinnen prägt. Willem„der Schweiger“, der keine überflüssigen Worte verschwendete, aber richtige
Entscheidungen im richtigen Moment getroffen hat. Der Verantwortung übernahm,
ohne zu zögern. Der versuchte, im Guten zu vermitteln, aber auch Konflikt und
Kampf nicht scheute, als es notwendig wurde. Der mit seiner starken
Persönlichkeit die Widerstandsbewegung gegen die spanische Inquisition
vereinte. Willem war wie ein Niederländischer Moses, der das Volk der
Niederlande aus der Knechtschaft in die Unabhängigkeit, in die Freiheit führte.
Eine wesentliche Quelle für Willems Entschiedenheit, Mut und Kraft war sein
Glaube. Das feste Vertrauen auf Gott und der opferreiche Streit um die Freiheit
waren bei ihm nicht zu trennen. Merkpunkt 1:„Und ich bin herniedergefahren, dass ichsie errette aus der Ägypter Hand. ich will dich zum Pharao senden, damit du
mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst“
(2. Mose 3)Glaube bedeutet immer auch Freiheit! Jesuskündete den Jüngern seinen Heiligen Geist an. Dieser Geist ist eine göttliche,
befreiende Kraft. Das Evangelium verkündet uns ein freies Dasein in der
Kindschaft Gottes. Dabei knüpft Jesus unmittelbar an die jüdische Tradition an,
welche von Anbeginn an Gott als einen rettenden, befreienden Gott bekannte. Knechtschaftund Tyrannei stehen dem Geist der Bibel, dem Geist des Evangeliums entgegen.
Frei muss unser Gewissen sein, um sich frei für das Evangelium, frei für den
Glauben entscheiden zu können. Und genau die Sehnsucht nach dieser Freiheit
trieb Willem in seinem Handeln an.  Merkpunkt 2:„Ichbin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Matth. 10, 35)Glaube bedeutet auch Kampf! DieBindung an Jesus mutet uns auch schwierige Entscheidungen zu. Der Kampf,von dem hier die Rede ist, geschieht zuerst im geistlichen, spirituellen
Bereich. Der Kampf vollzieht sich zuerst einmal im Inneren des Menschen. Er
beschreibt eine Auseinandersetzung im Herzen. ZuBeginn war Willem mit der spanischen Krone verbunden. Er war in das bestehende
Machtgefüge eingebunden. Als Vertreter der Obrigkeit war er bemüht, zwischen
den Interessen seines Volkes und denen des spanischen Königs zu vermitteln. Er wollte
eine Eskalation vermeiden, den Konflikt befrieden und Ausgleich schaffen. Das
entsprach sowohl seiner politischen Überzeugung als auch seinem Naturell.
Jedoch brachte ihn der Terror, den der Herzog von Alba ins Land trug, in einen
schweren Gewissenskonflikt. Er musste und er wollte sich entscheiden. Willemstrebte geistige, geistliche und auch politische Freiheit für sein Volk an.
Doch diese Freiheit, gerade auch die Freiheit des Glaubens, wurde den
Niederländern nicht geschenkt.. Die Freiheit musste erstritten werden. Es war
notwendig, für den freien Glauben zu kämpfen. Und Willem nahm diese
Herausforderung, diese Aufgabe an.  Derinnere Kampf übertrug sich nun auch auf die Außenwelt. Willem wurde an die
Spitze des Niederländischen Widerstandes gestellt, zog in Schlachten,
organisierte militärische Aktionen. Es folgte, wie wir wissen, ein sehr langer,
opferreicher Krieg. Am Ende jedoch errangen die freien Provinzen der
Niederlande ihre Unabhängigkeit.Heutesind wir beschämt, wenn uns bewusst wird, wie Christen miteinander umgegangen
sind. So viel Gewalt und Blutvergießen! Doch eines müssen wir hier festhalten:
Willemund die Geusen führten das Schwert, aber sie löschten damit die Feuer der
Scheiterhaufen. Auf ihrem Gebiet beendeten sie die Macht der Inquisition. Sie
verhalfen ihrer Republik und dem Protestantismus calvinistischer Prägung zum
Sieg, aber sie führten lange vor anderen westeuropäischen Staaten die
Gewissens-, Glaubens-und Religionsfreiheit in ihrem Land ein. Menschen, die
weiterhin an anderen Orten vertrieben, verfolgt, mit dem Tod bedroht wurden,
konnten in den freien Niederlanden Schutz und Zuflucht finden. Sogar den
jüdischen Gemeinden wurde hier Toleranz und Achtung entgegengebracht. Amsterdam
wurde bei den europäischen Juden als Mokkum, das bedeutet guter Ort oder als
Jerusalem des Nordens bezeichnet. Gewiss,auch hier war nicht immer alles Gold was glänzt. Es traten auch in den
Niederlanden immer wieder Episoden eines aufflammenden Fanatismus und
unheiligen Eifers auf. Katholischen Christen wurde die Ausübung ihres Glaubens
über längere Zeit hinweg erschwert. Innerhalb der protestantischen Gemeinden
kam es immer wieder zu unnötigen Streitereien und Spaltungen. Unddennoch bleibt der Verdienst: wie in kaum einen anderen europäischen Land blieb
der Geist von Freiheit und Toleranz in den Niederlanden lebendig. Es war das
Vermächtnis von Willem, dem Vater des Vaterlandes, was über die Jahrhunderte
hinweg weitergetragen wurde. Glaube bedeutet immer auch Freiheit!Glaube bedeutet auch Kampf!Glaube bedeutet auch Kampf für dieFreiheit!  Innur 5 Tagen wurde das freie Niederlande militärisch überrollt. 1940 besetzte
die deutsche Wehrmacht das Land. Äußerst brutal wurden die
nationalsozialistische Ideologie und Gesetzgebung eingeführt. Die jüdische
Bevölkerung, die traditionell Schutz und Heimat in den Niederlanden besaßen,
war einer gnadenlosen Verfolgung ausgesetzt. Willem von Oranje schien in diesen
düsteren Tagen wie mit einer inneren Stimme im Gewissen vieler Menschen zu
sprechen. Und seine Stimme flüsterte deutlich die Worte: „Es wieder Zeit,
Widerstand zu leisten. Es ist wieder Zeit, für die Freiheit zu kämpfen“. Esgab Einige, die mit der Besatzungsmacht zusammenarbeiteten, Es gab Viele, die
mutlos resignierten und versuchten, persönlich über die Runden zu kommen. Aber
es gab nicht Wenige, die der Stimme Willems lauschten und dem Geist der alten
Geusen folgten. ImFebruar 1941 gab es in den Niederlanden den einzigen Generalstreik, der sich
gegen die Deportation jüdischer Menschen richtete. Hunderttausende Niederländer
verweigerten die Arbeit, um ihre Solidarität mit den Verfolgten offen zu
zeigen. DieKirchen verkündeten über konfessionelle Grenzen hinweg in einem gemeinsamen
Appell offen von den Kanzeln, dass der Antisemitismus und die Besetzung Sünde
sind. Es gab Untergrundzeitungen, Sabotageaktionen, verfolgte Menschen wurden
versteckt. Und obwohl es durch die Besatzungsmacht verboten war, sang man
weiterhin die 6. Strophe des Wilhelmus:  „Mein Schild und mein Vertrauen,
bist du o Gott mein Herr,
auf dich so will ich bauen,
verlas mich nimmer mehr,
Das ich doch fromm mag bleiben,
dir dienen zu aller Stund,
die Tyrannei vertreiben,
die mir mein Herz verwund.“
 WillemsVermächtnis ist weiterhin in den Niederlanden lebendig. Längst ist es in unser
gemeinsames europäisches Gewissen hineingewachsen. An Tyrannen hat die Welt im
Moment leider keinen Mangel. Willems Vermächtnis ist gerade in unseren Tagen
wieder neu kostbar und wertvoll, nicht allein für die Niederlande. Lauschenwir auf Willems Stimme und tragen wir sein Vermächtnis weiter.  Undder Friede Gottes, der höher ist als alles Verstehen, bewahre unsere Herzen und sinne in Jesus Christus. ….

Autor:

Michael Kleim aus Gera

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