Tolle Geschichten spritzig erzählt
Zum letzten Mal Hoffmanns Erzählungen im Theater Gera

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Zum letzten Mal schwebte die goldene Gallionsfigur des Geraer Theaters virtuell vom Dach und trat später als goldene Muse von der Seite auf. Der Einfall war schon mal gut. In Lutters Weinkeller zeigte sich dann die Geraer Theatergaststätte „Szenario“ als Kulisse. Es folgte der 1. Akt mit wirklich gutem Opernchor von Theater&Philharmonie Thüringen. Spannend auch der Olympiaakt: Auf der Bühne sieht man eine große zentrierte Konstruktion nur von einem Geigenkasten begrenzt und seitlich sieht man Stoffvorhängen mit Eintrittsschlitzen für die Besucher des Festes. Spalanzani, mit der Ähnlichkeit von Albert Einstein, präsentierte sein Puppenwerk und schon erschien die Muse im schönen Kostüm aus dem Geigenkasten. Die Gäste der Puppenvorführung kamen in weißen Kitteln und grünem Mundschutz. Olympia sang ihre Arie und als ihr der Strom auszugehen drohte, verschwand sie im Seitenabgang und wurde elektronisch unter Krawall aufgeladen, bevor sie weitermachen konnte. Hoffmann und Olympia tanzten Rücken an Rücken zusammen.

Regisseur Kay Kuntze hatte sich für seine Inszenierung eine Menge amüsanter Boshaftigkeiten einfallen lassen und gab dem Bühnengeschehen viel Schwung. Weiter ging es mit Antonia: angedeutete Zypressen rechts und links und nun lag der Geigenkasten in der Mitte der Bühne. Antonia sang ihr Lied. Sie saß dabei in einem Käfig. Dr. Mirakel war ein nicht gerade sehr viel Schauder verbreitender Landarzt. Der Mutter-Auftritt: man sah sie im Spiegel. Antonia saß im Rollstuhl und drehte ferngesteuert allein ihre Runden auf der Bühne.

Der 4. Akt mit Hintergrund Rialtobrücke in Venedig: Nun wurde der Geigenkasten zur Gondel. Giulietta wirkte sehr verführerisch. Hoffmann trat dagegen in Unterhosen und Bademantel auf. Wieder im Geraer Lokal zurück hatte Hoffmann erneut wenig Glück. Die Muse nahm zu guter Letzt ihren Platz auf dem Dach des Theaters ein. Viel Applaus brandete aus dem Zuschauerraum den Akteuren entgegen und viele Blumensträuße flogen, begleitet von Bravo-Rufen, auf die Bühne.

Noch einmal konnten die Besucher GMD Laurent Wagner am Pult erleben und spendeten ihm viel Beifall. Duncan Haylers Ausstattung zeigte sich farbenfroh und witzig. Die Regie von Generalintendant Kay Kuntze machte diese Oper mit ihren beliebten Melodien und Bühneneffekten zu einem echten Erlebnis.
Hugo Mallet als Hoffmann zeigte sich noch einmal mit runder Stimme. Johannes Beck gab einen soliden Bösewicht und überzeugte auch darstellerisch und stimmlich.
Miriam Zubieta als Olympia sang ihre Koloraturen mit prickelnder Klarheit. Als Antonia konnte Anne Preuß überzeugen. Ihr Sopran war tragend und klangschön. Rebekka Reister als Giulietta hatte einen sehr schön dunkel gefärbten Sopran mit erotischer Ausstrahlung. Die Muse, von Juliane Bookhagen gespielt, konnte mit ihrem angenehm timbrierten Mezzo-Sopran überzeugen. Auch der Opernchor von Theater&Philharmonie Thüringen hatte sich mit dieser letzten Hoffmann-Aufführung großen Applaus verdient. Das Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera unter GMD Laurent Wagner begleitete spritzig und gab der Aufführung einen runden Schliff. Vielleicht wird es ja nach dem Bühnenumbau des Theaters in Altenburg dort eine Wiederaufnahme der Kuntze-Hoffmann-Inszenierung geben. Das wäre schön und unterhaltsam zugleich dann zum 203. Geburtstag des Komponisten Offenbach.

Autor:

Thomas Janda aus Weimar

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