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Eine Marke - zwei Philosophien. Treue ist Ansichtssache. Wir haben uns bei zwei Renault-Clubs in Thüringen umgeschaut

Denis Toparkus (rechts) und Roy Kochniß am siriusgelben Mégane Coach.
Denis Toparkus (rechts) und Roy Kochniß am siriusgelben Mégane Coach. (Foto: Jana Scheiding)
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Gemeinsam auf Achse: Nach dem Zuhause ist das Auto der Deutschen liebstes Kind und viele tun sich in Autoclubs zusammen, um der Leidenschaft zu frönen. Wir stellen zwei Thüringer Renault-Clubs vor, die kaum gegensätzlicher sein könnten: In Gehren fährt man gern gemeinsam aus, in Gera schraubt man Nächte durch für einen begehrten Pokal.

Seinen Trabi hat Peter Reichardt geliebt. Zeit genug hatte er, sich auf das Gefährt aus Duroplast vorzubereiten: Mehr als zehn Jahre dauerte es, bevor die ersehnte Nachricht über die Zuteilung endlich eintraf. Dann kam die Wende und mit ihr ein vollkommen neues Lebensgefühl. Autos konnte man jetzt sofort kaufen und mitnehmen, Sonderwünsche erfüllten die Hersteller binnen Monaten.

"Wir haben uns damals für Renault entschieden", erzählt Peter Reichardt. Die französische Automarke hatte ihm und seiner Frau Ursula gleich gefallen.
Über das Gehrener Autohaus Parthen entstand der Kontakt zu Gleichgesinnten, die im Mai 1997 den Renault-Club Gehren gründeten. "Anfangs waren wir über 40 Mitglieder, jetzt sind wir noch 19, wobei das Durchschnittsalter bei etwa 60 liegt“, erzählt Clubchefin Ursula Reichardt. "Vielleicht ist die Marke bei der Jugend nicht so populär wie bei uns Älteren", vermutet der Gatte.

Im Club stehen ohnehin gemeinsame Aktivitäten im Vordergrund. „Wir sind ein Gesellschaftsverein, fahren gern gemeinsam aus und schauen uns Ausflugsziele an“, verrät Vorstandsmitglied Ulf Heinemann. Ursula Reichardt gerät indes ins Schwärmen: „Es ergibt immer wieder ein schönes Bild, wenn unsere blitzblank geputzten Renaults im Konvoi fahren.“ Dank Navi bleibt die Kolonne zusammen. Mit der Orientierung klappe das manchmal besser als zu Fuß, wird in der Runde gewitzelt. 

Die Clubmitglieder sitzen aber nicht nur hinterm Steuer, wenn sie zusammen sind. „Kultur, Sport, Erste-Hilfe-Veranstaltungen und Verkehrsteilnehmerschulungen sind fester Bestandteil unseres Clublebens“, zählt Ulf Heinemann auf.
Jedes neue Auto wird in der Gemeinschaft gebührend empfangen - und getauft. Gedanken an sektklebrigen Lack lässt Peter Reichardt aber gar nicht erst aufkommen: "Den Sekt bekommt natürlich der Fahrer", sagt er und lacht.

Jedes Jahr im März fahren Vertreter des Clubs zum Treffen an den Nürburgring, wo die Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes „D’ARC“ stattfindet. Das Treffen gibt den Fans aus Gehren neue Impulse für ihr Clubleben. Und manchmal ist sogar Glück im Spiel, wie Peter Reichardt zu berichten weiß: „Vor zwei Jahren gewann ich ein Fahrsicherheitstraining am Ring. Unter diesen speziellen Anforderungen habe ich mein Auto erst richtig kennengelernt.“ 

Eine technische Herausforderung gab es im zwanzigjährigen Clubleben bisher leider noch nicht. "Wir würden gern einen R4 oder R5 zusammenbauen", verrät Peter Reichardt einen innigen Wunsch des Clubs. "Ersatzteile hätten wir genug, uns fehlt lediglich ein solches Auto."

Bei jungen Leuten nicht populär? - Von wegen!

Dass die Marke Renault bei jungen Menschen nicht populär sei, kann für den knapp 120 Kilometer entfernten Renault Club Gera nicht gelten. Dort liegt der Altersdurchschnitt bei etwa 30. Überhaupt ist in der Dix-Stadt alles ein wenig anders als in Gehren. Einige Clubmitglieder sind Berufspendler. So treffen sie sich an den Freitagabenden in der Werkstatt, wo jeder ein bisschen schrauben, fachsimpeln und mit der neuesten Musikanlage prahlen darf. Clubchef Denis Toparkus, der mit seinem Bruder Mike auch schon einen Renault 19 Chamade zum Pickup umbaute, zeigt stolz seine Flotte: Alltagsauto Mégane 2 Kombi, einen orangefarbenen Twingo und einen gelben Mégane Coach. "Der Twingo gehörte einem Clubmitglied, der ihn ins Erzgebirge verkaufte. Von dort haben wir ihn zurückgekauft", erzählt Toparkus, der den Kleinen aufmotzte und mit einer den gesamten Kofferraum einnehmenden Musikanlage ausstattete.

"Der Coach ist mein Traumauto." Tatsächlich ist das 147 PS-starke Gefährt ein Traum in Sirius-Gelb: Karosse, Sitze, Interieur, Lenkrad - alles in Markenfarbe. Seit 2009 ist der 41-Jährige Vereinschef, übernahm das Amt zehn Jahre nach Clubgründung. Ihm zur Seite steht unter anderem Roy Kochniß, der zufällig zur Marke kam. "Bei meiner Autosuche im Netz stieß ich auf den Renault-Club Gera. Ich wusste sofort, dass die Jungs zu mir passen." Im Hof steht sein Liebling - ein dunkelblauer Renault Mégane 4 GT mit 205 PS. "Mir ist das inzwischen fast zu wenig", gesteht Kochniß. "Auf meiner wöchentlichen Strecke nach Feuchtwangen und zurück habe ich das Gefühl, dass da noch was geht.“

Die 23 Clubmitglieder aus Gera, Jena, Hermsdorf, Glauchau oder Zeulenroda investieren vor allem in die Autopflege und ins Tuning. Vom Twingo bis zum Espace ist im Club alles vertreten und auch einige Schätzchen sind dabei. „Wir fahren zu Tuning-Treffen, um auf dem Laufenden zu bleiben", sagt Denis Toparkus. Dieses Jahr war der Club bei den French-Emotions, dem French-Weekend und auf dem Renault-Treffen in Oelsnitz. Gelohnt haben sich die langen Schraubernächte und der Blick fürs Detail allemal: „Wir erhielten Pokale für unsere Mitgliedsautos - das motiviert natürlich.“

Einmal im Jahr veranstalten die Ger‘schen ein Szenetreffen im Renault Autohaus Walter. "Mit etwa 30 Leuten fing es an, jetzt sind wir um die 100. Manche kommen sogar aus Tschechien.“

Gemeinsame Ausfahrten unternehmen die jungen Leute kaum. Sie tauschen sich lieber auf Treffen aus und feiern gemeinsam. "In unserem Lager ist immer Stimmung", beschreibt Roy Kochniß. "Zelt und Zapfanlage haben wir meistens dabei. Es ist schon passiert, dass wir nach zwei, drei Bratwürsten noch einen Spoiler angeschraubt haben. Schließlich geht es bei den Treffen nicht nur um den Erfahrungsaustausch - die Autos sollen gebührend bewundert werden."

Zur Sache:
Es gibt Clubs zu nahezu allen Automarken – auch in Thüringen sind etliche Fabrikate vertreten.
In den 1950er-Jahren wurden erste Renault-Clubs in Deutschland gegründet. Heute umfasst die deutsche Clubszene etwa 100 Markenclubs mit über 4000 Freunden.
Die Renault-Clubs in Gehren und Gera sind unter dem Dach des 1997 gegründeten Bundesverbandes Deutscher Alpine und Renault Clubs e.V., „D'ARC“, organisiert.
www.d-arc.org 
Gehren ist für neue Mitglieder auch anderer Automarken offen.
Kontakt: renault-clubgehren@web.de
Gera heißt neue Mitglieder herzlich willkommen, will der Marke aber treu bleiben.
Kontakt: vorstand@renaultclubgera.de, Telefon 0365/5517636
www.renaultclubgera.de 

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