Hochwasser Gera: Wut, Freude, Dankbarkeit und Verzweiflung liegen nah beieinander

"Diesen Goldfisch habe ich aus der Flut vor meiner Haustür gefischt", freut sich Lorenz Schneider aus Gera-Zwötzen bei all dem derzeitigen Drama.
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  • "Diesen Goldfisch habe ich aus der Flut vor meiner Haustür gefischt", freut sich Lorenz Schneider aus Gera-Zwötzen bei all dem derzeitigen Drama.
  • hochgeladen von Steffen Weiß

"Gelassen" ist wahrscheinlich nicht das treffendste Wort. Aber die vom Hochwasser betroffenen Geraer nehmen die Flut mit einem gewissen Galgenhumor hin. Viele von ihnen sind seit Stunden teils auch über Nacht auf den Beinen und versuchen bis zur körperlichen Erschöpfung Schlimmeres zu verhindern. Die Flut schweißt die Geraer zusammen, überall sieht man Nachbarn, die sich gegenseitig unterstützen.

Und dennoch liegen Wut und Freude dicht beieinander, beispielsweise in der Zwötzener Straße. Wenn Andreas Berndt von Entsetzen spricht, meint er nicht das Wasser, dass in seinem Haus mittlerweile bis zur Oberkante Kellerdecke steht. Er ist wütend, keine Informationen zu erhalten: "Feuerwehr und Polizei fahren nur vorbei und verraten nichts von bevor stehenden Flutwellen. Auch seitens der Stadt erhalten wir keine Informationen. Ich habe mittlerweile gehört, dass es im Internet Infos geben soll. Aber wie soll ich die abrufen? Seit heute Mittag haben wir keinen Strom mehr. Und wieder hat's keiner angekündigt. Ich habe vier Tiefkühltruhen". Seit gestern Mittag pumpt Berndt Wasser aus dem Keller. Anfangs war es Grundwasser, bis gegen 3.30 Uhr das Elsterwasser kam. "Ich habe das Radio angemacht. Auch hier gab's keine Infos, aber dafür schöne Musik!", kommentiert der Geraer und schaut nach, ob in seinem Notstromaggregat für die Pumpe noch genügend Sprit ist.

Sein Nachbar hingegen hat einen "Goldigen Moment" erlebt. Klar ist er auch sauer darüber, dass seine Heizung wahrscheinlich einen Totalschaden erlitten hat. "Den genauen Schaden, auch am Haus, werden wir wohl erst in einigen Tagen ausmachen können", meint Lorenz Schneider. Als er die Pumpe und die Schläuche nach draußen auf die Straße eingerichtet hat, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Mitten im Hochwasser zog quietschvergnügt ein Goldfisch seine Bahnen. Schnell war ein Eimer geholt und das Fischlein eingefangen. "Der kommt dann in meinen Goldfischteich", freut sich Schneider. Vorsichtshalber nachgefragt, ob der Fisch möglichweise nicht aus seinem eigenen Teich stammen könnte, meinte der Zwötzener: "Nein. Mein Gartenteich befindet sich nicht hier im Überschwemmungsgebiet".

Weitere Beiträge und Fotogalerien zur Überschwemmung in Gera und weiteren Orten sind hier zu finden:

http://www.meinanzeiger.de/gruppen/hochwasser-155.html/action/tab/articles/view/visits/

"Diesen Goldfisch habe ich aus der Flut vor meiner Haustür gefischt", freut sich Lorenz Schneider aus Gera-Zwötzen bei all dem derzeitigen Drama.
Andreas Berndt war auf der Luftmatratze paddelnd in seinem Keller unterwegs. Mittlerweile steht die braune Suppe bis zur Kellerdecke. Er ist sauer, dass keine Informationen zu bevorstehenden Flutwellen an die Bürger weitergegeben werden.
Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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