Sybille Thomae ist die neue Leiterin der Ehrenamtszentrale, die nicht nur Vereine unterstützt, sondern auch Menschen hilft, das richtige Engagement zu finden
Ist doch Ehrensache

Sybille Thomae verstärkt als neue Leiterin der Geraer Ehrenamtszentrale das Team im Fachdienst Sport und Ehrenamt.
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  • Sybille Thomae verstärkt als neue Leiterin der Geraer Ehrenamtszentrale das Team im Fachdienst Sport und Ehrenamt.
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Frau Thomae, es ist als wenn Sie schon immer hier waren“

, sagt Bettina Schmid, Mitarbeiterin der Geraer Ehrenamtszentrale nach den ersten Tagen zur neuen Leiterin Sybille Thomae. Diese Worte kommen nicht von ungefähr, denn die Geraerin Lehrerin arbeitete als Externe Koordinatorin für das Bundesprogramm „Demokratie leben“ und das Landesprogramm „Denk bunt“ und ist somit in den Bereich des Ehren­amtes nicht ohne Erfahrung eingestiegen, selbst Menschen mit Flüchtlingserfahrungen hat sie als Dozentin am Bildungswerk Thüringer Wirtschaft das System ehrenamtlicher Tätigkeiten und deutscher Politik vermittelt. Im Interview mit AA-­Redakteurin Sandra ­Rosenkranz spricht sie über die Arbeit der Ehrenamtszentrale, Aufgaben und das passende Ehrenamt. 

Wie ergab sich der Weg vom Lehramt zur ­Ehrenamtszentrale?
Ich habe zunächst 2010 mein erstes Staatsexamen in Geschichte und Sozialkunde gemacht. Danach habe ich als Schulbegleiter gearbeitet und die Geschäftsstelle der SPD-Stadtratsfraktion geleitet bis ich 2013 mein Referendariat begann und ins ­Goethegymnasium befristet eingestellt worden bin. Doch die Befristung wurde nicht verlängert. Und als Lehrer ist man umtriebig. So war ich für viele Jahre die Vorsitzende des Stadtelternbeirats für Kitas, war ehrenamtliches Mitglied im Begleitausschuss der Partnerschaft für Demokratie, bin Mitglied im Deutschen Verband für politische Bildung und engagiere mich in der Arbeitsgemeinschaft für integrierte Stadtentwicklung. Zudem habe ich 2016 im Übergang Willkommensklassen unterrichtet. Bis ich Koordinatorin für das Bundesprogramm „Demokratie leben“ und das Landesprogramm „Denk bunt“ geworden bin, habe ich zuvor jedoch den Begleit­ausschuss der Stadt Gera über die Partnerschaft für Demokratie ehrenamtlich begleitet. Und aus diesem Fundament heraus habe ich viele Netzwerke geknüpft.
Bis Sommer 2019 habe ich zusätzlich als freie Dozentin das Bildungswerk Thüringer Wirtschaft unterstützt und Politische Bildung unterrichtet. Dort konnte ich Flüchtlingen oder Menschen mit Flüchtlingserfahrungen, die schon eine Weile hier sind, in Politik bilden. Für mich war es wichtig, wenn mindestens 50 Prozent der Klasse verstanden hat, was Ehrenamt ist und wenn ich vom Staat etwas bekomme, gebe ich auch etwas wieder zurück. Wenn meine Schüler dann noch ihre Prüfungen gut abgeschlossen haben und sich engagieren, war es das i-Tüpfelchen.
Nun war die Stelle bei der Ehrenamtszentrale ausgeschrieben. Und weil mir die Ehrenamtstätigkeit sehr am Herzen liegt, habe ich mich beworben. Freunde, Bekannte und Berufskollegen fragten auch, ob ich mich bewerben würde, denn bei mir ­verknüpfe sich politische Bildung, demokratische Bildung, Wertevermittlung gefusst auf geschichtlichen Know-how.

Sind Sie selbst Vorbild und engagieren sich ­ehrenamtlich?
Ich bin Übungsleiterin für Breitensport für Kinder und Jugendliche und bin im Tanzkreis „Brillant“ e.V. in Gera. Und es kamen viele Anfragen von Vereinen, ob ich nicht eintreten möchte. Leider ist es aber nicht möglich. Dafür reicht weder die Zeit noch das ausloten in welchen Verein ich interessenshalber beitreten würde. Da gäbe es schon einige. Also hilft man anders: Zum Beispiel spenden mein Mann und ich regelmäßig an Vereine unserer Stadt.
Beim Sport habe ich aber nichts verkehrt gemacht. Sport ist meine Leidenschaft und mein Ausgleich im Alltag. Ich habe mit drei Jahren mit Ballett angefangen und bin zum Ballett zurückgekehrt.

Glauben Sie, dass ­das ­Ehrenamt eines Menschen ­beziehungsweise sein ­freiwilliges ­Engagement zu ihm passen muss?
Ehrenamt ist etwas Menschliches. Möchte ich etwas zurückgeben, möchte ich etwas Gutes tun und jemandem uneigennützig etwas wiedergeben. Ich denke, dass ist in den Menschen vorhanden, die den Wert von zu Hause, von Freunden oder von der Schule so vorgelebt bekommen haben. Sie geben diesen Wert auch gern so weiter. Aber das haben nicht alle Menschen.
In Gera haben wir eine sehr hohe Vereinsdichte, laut aktuellem Stand des Vereinsregisters 1193 Vereine. Wenn man möchte, findet man für sich etwas Passendes. Und die Personen, die sich ehrenamtlich engagieren, schauen schon, wie sie an ihren Interessen orientiert etwas beitragen können.
Für mich war es zum Beispiel wichtig, wenn ich ein Know-how in politische Bildung habe, dann auch in diesem Bereich meine Unterstützung anzubieten. Oder bin ich sportlich versiert, dann schaue ich, kann ich dort etwas dazu beitragen.
Würde sich jemand mit zwei linken Händen für Handwerk einschreiben, wäre es wohl nicht das Optimum. Man muss schon ausloten, was passt zu einem. Wir bekommen von den Vereinen auch Tätigkeitsprofile. Dann führen wir in der Ehrenamtszentrale Beratungsgespräche. Was mögen Sie? Wo würden Sie gern Ihren Beitrag sehen, der Gesellschaft etwas wiederzugeben? Und daraufhin ­schauen wir, was passt zueinander und stellen den Kontakt her.

Warum braucht eine Stadt wie Gera überhaupt eine Ehrenamtszentrale?
Die Ehrenamtszentrale gibt es in der Stadt schon sehr lange. Sie hat vier Aufgabenbereiche. Und für Gera sind 1193 Vereine, 78 Selbsthilfegruppen sowie ein Seniorenbüro immens. Zudem stellt die Ehrenamtszentrale die Schnittstelle für Projekte, wie zum Beispiel Pflegebegleitung, Lebenswelten gestalten, nebenan angekommen und Hand in Hand dar. Die Behindertenbeauftragte hat ebenfalls ihren Sitz bei uns, hinzu kommen Besuche bei Neugeborenen, Geburtstage und Jubiläen, wo auch der Oberbürgermeister hingeht.
Die Mitarbeiter der Ehrenamtszentrale erarbeiten Konzepte für die Entwicklung der Stadt im ehrenamtlichen Bereich, sie koordinieren und führen eigene Projekte und Aktionen durch wie zum Beispiel Tag des Ehrenamtes, Schülerfreiwilligentag und Thüringen-Freiwilligentag. Einen große Aufgabe ist auch, die Vereine darüber zu informieren, wo sie Förder­gelder bekommen – wie zum Beispiel die Thüringer Ehrenamtsstiftung – und sie bei den bürokratischen Angelegenheiten zu unterstützen.
Im Bereich Lokale ­Agenda sind Projekte zu Umweltschutz, Wirtschaft, Klima- und Naturschutz angesiedelt, so unter anderem ein Taubenprojekt zur Regulierung der Stadttaubenpopulation in Gera.
Die Freiwilligenagentur ­arbeitet eng mit dem Jobcenter zusammen, um interessensgeleitet und nach Bedürfnissen die passende ehrenamtliche Tätigkeit zu finden, wenn man sich engagieren möchte.
In der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen ist die Behindertbeauftragte die ­Ansprechpartnerin, denn es gibt Selbsthilfegruppen, die zur seelischen und körperlichen Genesung betragen sollen. Und abschließend gehört noch das Seniorenbüro zu uns.

Vereinen und Bürgern auswelchem Umkreis ­helfen Sie in der ­ Ehrenamtszentrale?
Theoretisch wäre es nur die kreisfreie Stadt Gera, praktisch grenzen wir das nicht ein, denn auf Thüringen- und Bundesebene arbeiten wir auch mit Partnern und Interessierten eng zusammen. Zum Beispiel gibt es für das Seniorenbüro demnächst ein gemeinsames Treffen im Senio­renbüro Bad Frankenhausen, um zu kooperieren. Und es gibt auch Anfragen von Vereinen aus umliegenden Orten und das lehnen wir nicht ab.

Wohin laufen die Fäden der Zusammenarbeit noch beziehungsweise wollen Sie sie weiter ausbauen?
Innerhalb von Thüringen ist es wichtig, voneinander zu lernen und zu profitieren. Ein reger fachlicher Austausch zwischen den Ehrenamtsbeauftragten und vertrauliches Miteinander unterstützen die Arbeit des bürgerlichen Engagements.

Welche ­neuen Aufgaben ­werden auf Sie zukommen?
Viele Aktionen, die wir selbst starten werden. Das Team der Ehrenamtszentrale mit unserem Fachdienstleiter Herrn Soboll, unserer Behindertenbeauftragten Frau Morgenstern und anderen Mitarbeitern der Stadtverwaltung sind auf Ideensuche: Wie können wir auf bürgerschaftliches Engagement aufmerksam machen? Wie können wir zeigen, dass wir nicht nur beraten, sondern auch etwas Aktives sind?

Welche Aufgaben haben Sie sich selbst noch gestellt?
Hauptaufgabe ist immer, die Balance des Ehrenamtes zu wahren. Dazu gehört zu beraten, zu vernetzen, zu würdigen und zu fördern – also auch die Akquise von Fördergeldern, egal, ob von Sponsoren, von Stiftungen oder ob es Mittel aus Bundes- oder Landesprogrammen sind. Dann ist es die Öffentlichkeitsarbeit der Ehrenamtszentrale und natürlich der sensible Umgang mit allen Vereinen und Trägern dieser Stadt. Dass dieser auf Augenhöhe passiert, ist ganz wichtig. Ehrenamt ist etwas, was mit höchster Wertschätzung anerkannt werden muss. Und die Vereine sollen wissen, dass ihre Arbeit wahnsinnig wertgeschätzt wird.  Und dann kommt es der Stadt zugute. Mit den wenigen Mitteln, die ich zur Verfügung habe, möchte ich also das Positive, was die Menschen von Gera schaffen, nach außen tragen.

Sybille Thomae verstärkt als neue Leiterin der Geraer Ehrenamtszentrale das Team im Fachdienst Sport und Ehrenamt.
Viele fleißige Hände kennzeichnet das Ehrenamt.
Autor:

Sandra Rosenkranz aus Sömmerda

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