Bärbel Hamal aus Gera schneidert Talare – als einzige in Ostthüringen
Mit Nadel und Faden dem Glauben nahe

Bärbel Hamal in ihrem kreativen Kirchenladen. Sie zeigt ein Antependium. Im Hintergrund ist ein von ihr geschneiderter Talar zu sehen.
  • Bärbel Hamal in ihrem kreativen Kirchenladen. Sie zeigt ein Antependium. Im Hintergrund ist ein von ihr geschneiderter Talar zu sehen.
  • hochgeladen von Simone Schulter

Zur Silberhochzeit ist Bärbel Hamal nach Israel gereist. Die Musik hat sie ins gelobte Land geführt. Lieder von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims hatten sie inspiriert, sich mit Fragen zu Glauben und Auferstehung auseinanderzusetzen. Das war 2009.

Ihr Mann konnte sie nicht begleiten. Schon fünf Jahre zuvor musste die Geraerin Abschied von ihm nehmen. Zum Ehejubiläum suchte sie deshalb Trost und fand ihn an heiligen Stätten.

„Mein Aufenthalt dort hat mich zutiefst berührt“, schaut Hamal zurück. Noch lange Zeit danach habe sie sich mit ihren Eindrücken auseinandergesetzt, eine Bibel gekauft und sich mit theologischen Fragen beschäftigt. „Obwohl ich in der Kindheit nicht christlich geprägt wurde.“

Es war ein langer Weg zum Glauben, so Hamal. Und er werde immer intensiver. 2010 folgte der nächste Schritt. Langsam näherte sie sich ihrer Kirchgemeinde in Gera-Langenberg an, fand in Pfarrer Andreas Schaller einen aufmerksamen Gesprächspartner und ließ sich schließlich von ihm taufen.

Kirchenladen und Schneiderwerkstatt

Mittlerweile bestimmt die Annäherung zu Gott auch Hamals Berufsleben. Als Schneidermeisterin hat sie sich ganz bewusst und konsequent vom täglichen  Einerlei verabschiedet. Ständige Reparaturen nahmen ihr die Zeit für kreative, sinnerfüllende Arbeiten. Mittlerweile hat sie sich in einem Haus ihrer Gemeinde eingemietet, betreibt einen Kirchenladen – und näht vor allem Talare und Antependien, die an ihrem Arbeitsplatz direkt im Laden entstehen.


Mit Antepedium beruflich neu orientiert


Begonnen hatte Hamals berufliche Neuorientierung mit einem Auftrag aus ihrer Heimatgemeinde. Der Stoff­behang für den Altar, auch Antependium genannt, war verschlissen. Sie nähte ein neues und freute sich über die positiven Stimmen während des Gottesdienstes.

Zwischenzeitlich hat sich die Handwerksmeisterin sehr intensiv mit Kirchengewändern und der Bedeutung von Farben im Gottesdienst beschäftigt. In vielen Kirchen hängen nun ihre Arbeiten an Altaren, über der Kanzel oder dem Rednerpult.

Oft kein Blick für Textilschmuck in Kirchen

Doch es könnten weit mehr sein. Das meint die Schneiderin nicht aus wirtschaftlichem Interesse. Sie bedauert, dass der Textilschmuck zu wenig Beachtung findet. „Viele haben nicht mehr so den Blick darauf. Bei manchen ist es oft auch eine Kostenfrage“, sinniert sie. Für solche Fälle empfiehlt sie einen Behang, der alle liturgischen Farben vereint.

Einen Namen hat sich Hamal nicht nur mit ihren Antependien erarbeitet. Gut die Hälfte ihrer Arbeitszeit schneidert sie Talare – für Lektoren, Prädikanten und Pfarrer. Zumindest in Ostthüringen ist sie damit die einzige ihres Fachs. In Thüringen selbst gibt es ihres Wissens nach nur noch eine weitere Schneiderin im Westen.

Fünf Meter Stoff für einen Talar

Durch Hörensagen kommen immer wieder neue Aufträge in die Werkstatt. „Schon der erste Talar hat mir große Freude bereitet“, so Hamal. „Das wollte ich intensivieren“, erklärt sie eine weitere Triebfeder für ihren beruflichen Schnitt.

Etwa eine Woche arbeitet Hamal an einem Talar. „Gut fünf Meter Stoff aus leichter italienischer Wolle verwende ich dafür“, erklärt sie. Anfragen bekommt sie dafür nicht nur aus Thüringen, sondern auch aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Intensiviert hat sie nicht nur ihre Scheiderei aus kirchlicher Sicht. Auch theologisch hat sie sich weitergebildet. Als Lektorin wird sie in Gera-Langenberg am zweiten Weihnachtsfeiertag und zu Silvester die Gottesdienste selbst abhalten. Doch das ist ihr noch nicht genug.

Prädikantin ist ihr nächstes Ziel. Im Gegensatz zu Lektoren dürfen diese selbst Predigten schreiben. Das ist ihr Wunsch. Dafür absolviert sie derzeit einen Fernunterricht. „Ich muss nur aufpassen, dass ich alles unter einen Hut bekomme. Schließlich bin ich ja auch noch selbstständig.“

Begriffserklärung

Talare:
sind weitärmelige, knöchellange Obergewänder. Der Name leitet sich vom lateinischen talus für Knöchel ab. Der Schnitt ist abhängig von der Funktion. Lektoren tragen V-Ausschnitt, Prädikanten und Pfarrer Kragen oder Stehbündchen.

Funktionen:
Lektoren sind in evangelischen Kirchen Laien mit theologischer Grundbefähigung.
Als Prädikanten gelten Hilfsprediger, die ehrenamtlich arbeiten.

Liturgische Farben:
Sie drücken Charakter und Stimmung kirchlicher Riten aus. Rot steht für Kirchenfeste wie Pfingsten und Reformation, weiß für Weihnachten, Ostersonntag und Ostermontag, grün für Zeit nach Epiphanias (6. Januar) sowie die Vorfastenzeit vor Aschermittwoch und violett für die Vorbereitungszeit auf hohe Christusfeste wie Weihnachten und Ostern sowie den  Buß-  und Bettag.

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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