Wer Claudia Dillner in Gera begegnet, darf sich Glück „mopsen“

Wenn Claudia Dillner Schornsteine kehrt, ist sie in Zunftkleidung unterwegs. „Sie gehört einfach dazu“, erklärt die junge Geraerin. „Man ist ordentlich eingepackt, der derbe Stoff schützt vor Ruß und Verletzung, das weiße Mundtuch dient als Atemschutz. Der Zylinder bewahrt einen vor Beulen.“
  • Wenn Claudia Dillner Schornsteine kehrt, ist sie in Zunftkleidung unterwegs. „Sie gehört einfach dazu“, erklärt die junge Geraerin. „Man ist ordentlich eingepackt, der derbe Stoff schützt vor Ruß und Verletzung, das weiße Mundtuch dient als Atemschutz. Der Zylinder bewahrt einen vor Beulen.“
  • hochgeladen von Simone Schulter

Seit über zehn Jahren arbeitet Claudia Dillner über den Dächern Geras. Sie ist eine der wenigen Frauen, die das Schornsteinfeger-Handwerk ausübt. Dass sie nicht nur als Fachfrau, sondern auch als Glücksbringerin wahrgenommen wird, nimmt sie als freudigen Nebeneffekt.

Angst vor schmutzigen Händen hat Claudia Dillner nicht. „Man kann sie ja waschen“, erklärt sie lächelnd. Und das muss sie ziemlich gründlich. Kräftig schrubben und danach intensiv eincremen, denn der Ruß zieht ihr fast täglich tief in die Hautporen und unter die Nägel. Schließlich sorgt die junge Frau aus Gera dafür, dass in ihrer Heimatstadt die Öfen gut ziehen.

Claudia Dillner arbeitet als Schornsteinfegerin und ist damit eine Exotin in ihrem Job. „Nur etwa fünf bis sechs Prozent meiner Kollegen sind Frauen“, schätzt sie ein. Ihr ist der Beruf quasi in die Wiege gelegt worden. Dass sie ihn schließlich auch wirklich ergriff, war doch nicht ganz selbstverständlich.

Bedenken schnell ausgeräumt

Ihr Vater Thomas arbeitet seit über 30 Jahren als Bezirks-Schornsteinfeger in Gera und einigen Vororten. Er wollte schon frühzeitig, dass seine Tochter ins Familienunternehmen einsteigt. „Doch ich wäre gern in die kreative, künstlerische Richtung gegangen.“ Als das nicht klappte, schaute sich Claudia Dillner im väterlichen Unternehmen intensiver um. „Zu Beginn hatte ich Bedenken weger der ganzen Technik“, erklärt sie. Doch diese waren schnell ausgeräumt. „Das ist am Ende gar nicht so kompliziert und schnell zu lernen. Zudem hatte ich einen guten Lehrmeister“, lässt die junge Frau ihren Humor erkennen.

Seit 2004 steigt sie den Geraern aufs Dach, kehrt die Schornsteine, überprüft die Feuerstätten und sorgt dafür, dass die Werte des Bundes-
emissionsschutzgesetzes eingehalten werden. Mittlerweile ist sie sogar Schornsteinfegermeisterin, um später einen eigenen Kehrbezirk übernehmen zu können. Denn den des Vaters kann sie nicht automatisch zu ihrem machen. „Wenn jemand aufhört, werden die Kehrbezirke europaweit ausgeschrieben.“

Von den Kunden akzeptiert

Bedenken ihr gegenüber hat sie bei den Kunden nie gespürt. „Im Gegenteil. Sie sind eher überrascht, wenn ich vor der Tür stehe, erzählen gern im Bekanntenkreis, dass sie eine Schornsteinfegerin haben.“ Manche seien sogar etwas enttäuscht, wenn nicht sie, sondern der Firmenchef zum Dienst kommt.

Dass sie als Glücksbringer wahrgenommen wird, ist für Claudia Dillner ein netter Nebeneffekt ihres Handwerks. „Irgendein Spruch kommt immer“, erzählt sie. Die Leute freuen sich, wenn sie ihr in der Zunftkleidung begegnen.

Den schwarzen Anzug streift sie über, wenn sie auf Dächern arbeiten muss. Das Schornsteinfegen nimmt allerdings nur noch rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit in Anspruch. Denn mit Kohle oder Holz wird in Gera nicht allzu oft mehr geheizt.

Claudia Dillner ist mit Glück freigiebig

Aufdringlich werden die Menschen nicht. „Keiner haut mir einfach auf die Schulter“, so die Erfahrung. Passanten fragen freundlich nach, ob sie sie berühren dürfen. Die Einwilligung kommt prompt. „Gern kann man mir ein bisschen Glück mopsen.“ Das Geben macht auch die Handwerksmeisterin froh.

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