Win-win-Situation für alle. Tauschring Gera auf gutem Weg

Oliver Fretzer hat vor einem Jahr den Tauschring Gera ins Leben gerufen
  • Oliver Fretzer hat vor einem Jahr den Tauschring Gera ins Leben gerufen
  • hochgeladen von Steffen Weiß

Kann den angefangenen Eimer Farbe nicht jemand gebrauchen? Einfach mal veganes Essen ausprobieren. Aber wie, wenn man weder die Zutaten, noch das Wissen um die Zubereitung hat? In der Werkstatt geht es drunter und drüber. Es müsste dringendst Ordnung geschaffen werden. Wer hilft mir dabei?

Nachbarschaftshilfe hieß früher das Schlagwort. Aber wie sollen die Menschen heutzutage zueinander finden? Fünf Jahre ist es her, dass Oliver Fretzer die Lösung dafür in einem ARTE-Fernsehbericht gesehen hat. Vorgestellt wurde der Pariser Tauschring. Davon fasziniert begann er eine intensive Recherche, wie so was in deutschen Städten umgesetzt wird. Über 100 Konzepte hat er studiert, gefolgt von einem persönlichen Erfahrungsaustausch 2012 beim bundesweiten Tauschringtreffen.

Zu dem Treffen fuhr er bereits mit der Absicht, einen Tauschring in Gera zu gründen. Letztlich hat sich Fretzer bei den Vorbereitungen am Dresdner Modell orientiert: „Das System des Tauschrings Elbtal inklusive seiner neun Stadtteiltauschringe läuft seit Jahren stabil. Durch die Nullkontenführung gibt es in diesem System keine Schmarotzer. Es wird Lebenszeit gegen Lebenszeit getauscht. So handhaben wir das in Gera auch. Als Komplementärwährung gibt es so genannte Talentpunkte. Der Richtwert sind zehn Punkte pro Stunde.“.

Ein knappes Dutzend Teilnehmer hat der Geraer Tauschring mittlerweile. Ihr Guthaben wird in Verrechnungsheften erfasst, das von sämtlichen Teilnehmern einsehbar ist. Eine Internetplattform dafür wird gerade erstellt.

Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten, mit unterschiedlichen Interessen und Wünschen kommen zusammen und ergänzen sich gegenseitig, ohne dass dafür Geld fließt. Wer sich davon angesprochen fühlt, kann sich bei den regelmäßig stattfindenden Treffen informieren. „Die Teilnehmer stellen ihre Angebote und Gesuche auf eine so genannte Marktzeitung. Die Treffen und die Marktzeitung sind unsere zentralen Werkzeuge. Man lernt sich gegenseitig kennen, erfährt mehr über Fähigkeiten und Angebote der anderen Teilnehmer“, erklärt Fretzer.

Die Marktzeitung ist öffentlich auf der Internetseite www.tauschring-gera.de einsehbar. Dort findet sich ebenso der Terminkalender mit den Veranstaltungen. Die Teilnehmer des Tauschrings Gera treffen sich immer am ersten Sonntag des Monats, 15 Uhr, in der Eventgalerie Kaiserwerke, Rudolf-Diener-Straße 4 in Gera, sozusagen zum Kaffeeklatsch. Zusätzlich lädt Oliver Fretzer zu zwei Vorträgen, wo er den Tauschring Gera und das dahinter stehende System näher vorstellen möchte, ein. Die finden am 21. Februar, 18 Uhr, im Jugendclub Shalom, und am 1. März, 15 Uhr, in den Kaiserwerken statt. Beim zweiten Termin sind Teilnehmer des Tauschrings dabei – ein anregender Erfahrungsaustausch ist somit garantiert. Und so ganz nebenbei wird an diesem Nachmittag das einjährige Bestehen gefeiert.

Die bisherigen Teilnehmer sind ganz normale Menschen vom Arbeitslosen, über Büroangestellte bis hin zur Krankenschwester und Biobauer. „Jeder kann mitmachen, egal ob jung oder alt, egal welcher Konfession. Es ist eine Win-win-Situation für alle“, garantiert Fretzer. Letztlich sieht der Gründer den Tauschring Gera auch als Basis für weitere mögliche Projekte.

Der wissbegierige junge Mann beschäftigt sich seit Jahren mit den ökonomischen, strukturellen Problemen der modernen Gesellschaft. Oliver Fretzer möchte die Welt verstehen. Naturschutz und gesellschaftlicher Wandel liegt ihm am Herzen. Und immer liege es seiner Meinung nach am ökonomischen System, dass die angesprochenen Themen nicht wie erforderlich umgesetzt werden können. Vor vier Jahren hat der inzwischen 28-Jährige seinen Job als Energieelektroniker hingeschmissen um seinen Interessen nachzugehen. Herum reisen und lernen hat er zu seinem Lebensinhalt gemacht.

Mehr Infos:
www.tauschring-gera.de

Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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