Ein Bett allein hilft nicht. Am 11. September ist Tag der Wohnungslosen / Zu Besuch im "Haus Emmaus"

Daniel L. (34 Jahre) packt gern gemeinsam mit Sozialarbeiterin Christine ten Venne an, wenn es darum geht, die Bücherspenden von Bürgern der Stadt Gera in die Bibliothek im „Haus Emmaus“ einzuräumen.
  • Daniel L. (34 Jahre) packt gern gemeinsam mit Sozialarbeiterin Christine ten Venne an, wenn es darum geht, die Bücherspenden von Bürgern der Stadt Gera in die Bibliothek im „Haus Emmaus“ einzuräumen.
  • hochgeladen von Steffen Weiß

Sie sitzen in Parks und Innenstädten herum. Sie saufen. Sie sind kriminell. Sie spritzen sich - zumindest in den Großstädten - öffentlich Drogen. Sie sind zu faul zum Arbeiten. Sie haben auf nichts Bock. So in etwa hält sich das Bild der Obdachlosen hartnäckig in der Gesellschaft. Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gibt es in Deutschland derzeit rund 292.000 wohnungslose Menschen. Wer sind diese Obdachlosen? Ist das oben aufgezeigte Bild tatsächlich korrekt? Und ist ein Obdachlosenasyl tatsächlich nur die Unterbringung weg von der Straße?

1953 geboren. Bei der Wismut als geachteter Bergbauingenieur gearbeitet. Ein perfektes Leben mit Frau, Kindern, einem Haus und Auto. Dann Arbeitslosigkeit, Trennung, die Kinder wenden sich ab, Haus weg, Demenzerkrankung, Obdachlosigkeit seit 2010. Nur die frühere Wismut-Belohnung – der Bergarbeiterschnaps – bleibt.

„Das ist nicht unser einziger Klient von der Wismut“, erklärt Christine ten Venne, Heimleiterin „Haus Emmaus“ der Caritas Ostthüringen, und fügt im gleichen Atemzug an, dass es nicht darum geht, die Schuldfrage zu klären und Wohnungslose nur weg von der Straße unterzubringen. „Ein Bett allein hilft nicht. Die Betroffenen benötigen einen Ansprechpartner auf gleicher Augenhöhe. Wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Klienten neue Perspektiven“, so die Sozialarbeiterin.

Acht Plätze für Wohnungslose stehen ihr zur Verfügung, vermittelt durch die kommunale Wohnungslosenhilfe im Fachdienst Soziales der Stadt Gera. Zudem können 16 weitere Klienten präventiv betreut werden, bei denen Obdachlosigkeit droht. Mit dem Ziel der Beheimatung und Wiedereingliederung in eigenen Wohnraum stehen der Diakonie im „Haus Emmaus“ weitere Plätze zur Verfügung.

Christine ten Venne kann und will nicht von „dem“ Obdachlosen sprechen. „Die Schere zwischen arm und reich klafft in unserer Gesellschaft immer weiter auseinander. So verschiedenen die Ursachen für die Obdachlosigkeit beziehungsweise drohende Obdachlosigkeit sind, so verschieden gestalten sich die damit verbunden Probleme. Dementsprechend bieten wir unterschiedliche Hilfsangebote“, erklärt sie. Dabei versteht sich die Caritas nicht als Asyl für Obdachlose, die nicht an der Lösung ihres Problems interessiert sind. „Unsere Angebote funktionieren nur mit den Menschen, die wollen. Leider wissen sie oftmals nicht, wie es funktionieren könnte. Dabei können wir behilflich sein“, erklärt sie. Manche Fälle lassen sich schnell klären. Bei anderen benötigt allein die Aufarbeitung der Selbstwertschädigung schon lange.

Kontakt Wohnungslosenhilfe Gera:

FD Soziales
Gagarinstraße 99-101
07545 Gera
Ansprechpartner: Frau Wilnis
Fon: (0365) 8 38 31 20
Fax: (03 65) 8 38 31 15
Verkehrsmittel: Stadtbahnlinie 3
Sprechzeiten der Sachbearbeiter/-innen nach Terminvereinbarung
E-Mail: Soziales@gera.de

Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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