Märchenhaftes im Wünschendorfer Märchenwald
19 auf einen Streich

Der Papa mit seinem vierjährigen Sohn vor dem Karussell - ein beliebtes Fotomotiv.
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  • Der Papa mit seinem vierjährigen Sohn vor dem Karussell - ein beliebtes Fotomotiv.
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Im Märchenwald Wünschendorf begeistern Wasserspiele Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Der Gründer der Anlage – Herbert Schulze – wäre dieses Jahr 120 Jahre alt geworden.

Von Jana Scheiding (Text) und Gerd Zeuner (Fotos)

Die Sonne entfaltet ihre ganze Kraft an diesem Vormittag. Vögel zwitschern, es ist ein schwülheißer Tag. Vor einem Fachwerkhaus unter Buchenbäumen sitzt eine Großmutter mit ihrem Enkelsohn. Vor sich einen Kinderwagen, den sie vor- und zurückschiebt, zu Füßen eine schnurrende Katze. Eine Alltagsszene und an sich nichts Besonderes. Aber: Das Areal ist nicht größer als vier Kuchenbleche und der Wagen mit dem Baby wird durch Wasserkraft bewegt.
Die hölzerne Oma und ihre Enkelkinder gehören zu einem von 19 Wasserspielen im Märchenwald Wünschendorf. „Wir arbeiten an Nummer 20“, verrät René Gerstner lächelnd und liest ein paar Blätter aus der Rinne, damit der Wasserlauf nicht unterbrochen wird. Der Mitarbeiter vom örtlichen Bauhof und seine Mitstreiter kümmern sich rührend um den Märchenwald, den Herbert Schulze – er wäre dieses Jahr 120 geworden – 1927 gründete. „Es gab damals viele Mühlen in der Gegend und Schulze nutzte die Wasserkraft, um das hier zu schaffen.“

Die Saison im eintrittsfreien Märchenwald geht von Ostern bis einschließlich Oktober und beinahe jeden Tag schaut jemand vom Bauhof nach den liebevoll gestalteten Wasserspielen. Die Rinnen müssen – besonders nach starkem Regen – gereinigt, die Wasserräder wieder in Gang gesetzt werden. Für Besucher gilt: Nur anschauen, nicht anfassen – da soll alles funktionieren. Die Spiele begeistern Kinder und Erwachsene gleichermaßen. „Man sollte sich nie allzu weit von seiner Kindheit entfernen“, sagt Gerstner mit Blick auf staunende Mittfünfziger und klingt fast ein wenig philosophisch.

Eine Attraktion unter den Attraktionen ist die Müllerin, die aus dem Fenster ihrer Mühle schaut und den Kopf zu beiden Seiten dreht. Im Drei-Minuten-Takt erklingt die Melodie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach…“ Ein Vater und sein etwa vierjähriger Sohn sind entzückt. „Ich bin hier aufgewachsen“, erzählt der Wahlschweizer. „Und ich wollte die Spiele unbedingt meiner Familie zeigen.“

Weiter geht’s zur Seilbahn, die schon eines großen Schildes wegen die Aufmerksamkeit auf sich zieht: „Fahrgeld abgezählt bereithalten“. Um die beiden Kabinen zu bewegen, bedarf es ausgeklügelter Technik, um die sich der Wünschendorfer Horst Klinger kümmert.

Der Wald im Kamnitzgrund hat etwas Verwunschenes und bei Nacht ist man wahrscheinlich gut beraten, einige leuchtende Kieselsteine mit sich zu führen, wie es Hänsel und Gretel getan haben. Am Tag bietet er Möglichkeiten für Spaziergänger und Wanderer, denn er liegt inmitten eines ausgebauten Wegenetzes.

Beruflich mit dem Märchenwald in Berührung zu kommen, ist dem einheimischen René Gerstner nicht genug. Deshalb engagiert er sich im zwei Monate alten Verein „Sieben auf einen Streich“, der sich den Wasserspielen fortan intensiv widmen will.

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