Die coolen Typen sind weiß. Von den Schwierigkeiten, Nachwuchs für das Bäckerhandwerk zu bekommen

Patrick Schreiber ist Bäckerlehrling im ersten Ausbildungsjahr. Mit dem frühen Aufstehen, wenn alle anderen noch schlafen, hat er kein Problem. Ihm macht der Umgang mit Lebensmitteln Spaß.
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  • Patrick Schreiber ist Bäckerlehrling im ersten Ausbildungsjahr. Mit dem frühen Aufstehen, wenn alle anderen noch schlafen, hat er kein Problem. Ihm macht der Umgang mit Lebensmitteln Spaß.
  • hochgeladen von Steffen Weiß

Klar, die allabendliche Party bis in die frühen Morgenstunden ist tabu. Bäcker stehen früh auf. Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts geändert. Drei Uhr Arbeitsbeginn ist normal, freitags sogar noch eine Stunde früher. Wer als Lehrling das 17. Lebensjahr erreicht hat, „darf“ auch 4 Uhr beginnen. Was hingegen längst Geschichte ist: Schwere Mehlsäcke schleppen und Kohlen schaufeln. In die Bäckereien ist längst moderne Technik eingezogen.

Und dennoch haben die Bäckereien in Ostthüringen Probleme, Nachwuchs zu finden. Wolfgang Laudenbach, Obermeister der Bäckerinnung Gera, kann ein Lied davon singen. Die Innung zählt zurzeit 40 Mitglieder vom Klein- bis zum Großbetrieb. Laudenbach spricht von einem gesunden Mix, der hervorragende Voraussetzungen für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch bietet. Gemeinsam wird viel unternommen, für die Ausbildung zum FachverkäuferIn, BäckerIn, KonditorIn zu werben. Auf Ausbildungsveranstaltungen wird geworben, an Schulen und Veranstaltungen gemeinsam mit der Arbeitsagentur in den Ausbildungsbetrieben. Alles mit mäßigem Erfolg.

Die Flinte nicht in das sprichwörtliche Korn werfend, hat Laudenbach dennoch einen Weg gefunden. Es sei wichtig, die Sprache der Jugend zu sprechen. Und darin kommen Wörter wie „geil“ und „cool“ vor. Dementsprechend war die Werbekampagne für das Bäckerhandwerk im Azubi-Heft des Allgemeinen Anzeigers im vergangenen Jahr mit dem Slogan „Die coolen Typen sind weiß“ überschrieben. „Damit lagen wir richtig“, erinnert sich der Innungsobermeister und verweist auf ein knappes Dutzend Bewerbungen. Und die Jugendsprache wird auf dem Internetauftritt der Geraer Bäckerinnung fortgesetzt. Dort ist unter anderem ein Video zu sehen, in dem Jugendliche auf moderne Art und Weise mit dem Beruf konfrontiert werden. Selbstverständlich ist auf dieser Seite auch zu lesen, welcher Bäckerbetrieb noch Azubis sucht. Und ganz jugendgemäß kann sich auch gleich per E-Mail beworben werden.

Die Ausbildung in den drei angebotenen Berufen dauert jeweils drei Jahre. Durchgeführt wird die Ausbildung im sogenannten Blockunterricht. Zwei Wochen betriebliche Ausbildung wechseln mit einer Woche Schule. So könne man sich am besten auf das jeweils Anstehende konzentrieren. Selbstverständlich gibt es nach dem erfolgreichen Abschluss auch Aufstiegsmöglichkeiten. Beim Fachverkäufer wäre dies die Filialleitung. Beim Konditor und Bäcker besteht die Möglichkeit zur Meisterausbildung und sogar zum Studium in den Richtungen Ernährungswissenschaft, Lebensmittelchemie und Lebensmittelphysik. Auch Lehrausbilder in den drei Berufen werden immer wieder benötigt.

Wolfgang Laudenbach freut sich darüber, dass Azubis nicht mehr in die alten Bundesländer abwandern müssen, um das gleiche Geld zu verdienen. Am 1. September wurde die Ausbildungsvergütung dem westdeutschen Standard angepasst. Was ihn allerdings überhaupt nicht begeistert, ist der nicht vorhandene „Bock“ auf Schulbildung der Bewerber. Dieses Jahr habe es nicht einen einzigen Bewerber mit Realschulabschluss gegeben. Aus Erfahrung kann er bestätigen, dass diejenigen, die nicht mal einen qualifizierten Hauptschulabschluss in der Tasche haben, auch in der Lehrausbildung nicht viel lernen möchten. In den vergangenen 20 Jahren wurden in der Bäckerei Laudenbach 70 Lehrlinge ausgebildet. Zaubern kann selbst der Innungsobermeister nicht. Aber für diejenigen, die in ihrer Lehre etwas lernen möchten, bestehen nach erfolgreichem Abschluss alle Türen offen, die Erfolgsleiter zu besteigen.

Internet: http://www.baeckerinnung-gera.de/

Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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