Fotos von Sternenkinder: Dafür gibt es keine zweite Chance

Fotos halten die Erinnerungen an Sternenkinder wach.
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  • Fotos halten die Erinnerungen an Sternenkinder wach.
  • Foto: www.dein-Sternenkind.eu
  • hochgeladen von Simone Schulter

Wenn Babys sterben, sind Eltern voller Trauer. Sternenkind-Fotografen können mit Bildern helfen, den Verlust zu verarbeiten ¬– auch in Thüringen.

Lachende Kinder, glückliche Eltern: Sie begegnen Sandra Schmidt täglich in ihrem Studio in Gera oder unterwegs in Kindergärten. Buntes Treiben herrscht dann. Dabei entstehen die typischen Fotos, die später in Familienalben geklebt werden. Frisch gekämmt sind die Kleinen, nett angezogen; mit Teddy, Puppe, Auto als schmückende Accessoires.

Ein Termin im Juli verlief hingegen ganz still. „Ich habe mein erstes Sternchen fotografiert“, erzählt die junge Frau. Das Mädchen wurde in der 22. Schwangerschaftswoche geboren. Die Eltern hatten – soweit es in einem solchen Fall möglich ist ¬– Zeit, sich auf das Unausweichliche vorzubereiten. Viele Untersuchungen im Vorfeld zeigten es. Ihr Baby war nicht lebensfähig.

Geraerin arbeitet für Fotografennetzwerk

Sandra Schmidt gehört zum Fotografennetzwerk „Dein Sternenkind“. Über dieses nahmen die Eltern Kontakt zu ihr auf, fragen an, ob sie ihre Tochter fotografieren würde. „Als die Geburt eingeleitet wurde, bin ich direkt von der Uniklinik in Jena informiert worden“, lobt die Geraerin das Zusammenspiel zwischen Sternen-Eltern, Hebammen und Fotografen in der Saalestadt. „In Jena sind sie da sehr offen.“

Nicht ganz einfach war die Fahrt ins Klinikum. Sandra Schmidt war vor ihrem ersten Einsatz zwar ohne Angst, aber durchaus angespannt. Deshalb hat sie sich wie auf jeden anderen Einsatz vorbereit. Neben der Kamera packte sie ausreichend Requisiten ein. „Es sollte so sein wie bei den anderen Baby-Fototerminen auch.“ Viel hat sie davon nicht gebaucht. „Die Eltern haben sich ganz viel Mühe gegeben und sogar ein kleines Körbchen mit dem Namen des Babys besorgt“, erzählt sie noch immer etwas gerührt.

Erinnerungen an ein kleines Mädchen

Nun gibt es bleibende Erinnerungen an ein Mädchen, das nicht ins Leben starten konnte. Fotos von seinen Händen und Füßen, alles winzig klein. Auf einem trägt der Papa sein Kind auf der Hand. Auch ein Familienbild entstand. Ästhetische Bilder dank fotografischem Blick.

Sandra Schmidt liegt das Angebot von „Dein Sternenkind“ sehr am Herzen. In manchen Kliniken bekommen die Eltern nur eine Karte mit einem Fußabdruck in die Hand. Zu wenig, findet sie. Die Sternen-Eltern haben ihr Baby nur noch in ihren Gedanken. Fotos hingegen helfen, mit der Trauer umzugehen. Sie halten die Erinnerungen wach. „Es ist und bleibt ja ein Familienmitglied, auch wenn es nicht mehr bei ihnen sein kann.“

Die Fotografin mag sich nicht vorstellen, wenn sie zu einer Familie gerufen wird, die nach einer gut verlaufenen Schwangerschaft den Tod ihres Kindes akzeptieren muss. Doch auch dafür ist sie bereit. „Sternenkind-Fotografen schreiben nach ihren Einsätzen Erfahrungsberichte. So kann man sich auf unterschiedliche Situationen einstellen“, lobt sie die Arbeit des Netzwerkes.

Auch nach 40 Jahren leiden Mütter unter dem Verlust

Auch Klaus Hegenwald aus Birkungen bei Leinefeld arbeitet für „Dein Sternenkind“. Er ist selbst betroffen, verarbeitet auf diese Weise das Erlebte, schafft Erinnerungsschätze für andere Eltern, deren Schicksal er teilt. „Ich bin froh“, so Hegenwald, „dass es heute diese Möglichkeiten gibt.“ Immer wieder werde er von älteren Menschen angesprochen, deren Kinder früh verstorben sind. „Die trauern auch nach 30, 40 Jahren um ihre Sternchen.“ Doch sie haben nichts in den Händen. Oft wurden die Frühchen als Klinikabfall entsorgt.

Ob Sternenkinder-Fotos in Alben geklebt werden, weiß Sandra Schmidt nicht. Es ist für sie auch nicht entscheidend. Manche öffnen ihre Mail mit den Fotos vielleicht nie. Andere umgeben sich gern mit den Bildern. Wichtig ist, das Eltern die Möglichkeit bekommen, sich zu erinnern – wann und wo immer sie wollen.

Kontakt
Fotos: www.dein-sternenkind.eu
Informationen: www.sternenkinder-eltern.de


Zur Sache

+ Als Sternenkinder bezeichnet man Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind.

+ Jeden zweiten Sonntag im Dezember ist „Weltweites Kerzenleuchten“ (engl. „Worldwide Candle Lighting“). Angehörige auf der ganzen Erde gedenken dann ihrer verstorbenen Kinder, Enkel und Geschwister und entzünden für sie um 19 Uhr Ortszeit eine Kerze. Dadurch soll über 24 Stunden eine Lichterwelle die Welt umkreisen.

+ Die Initiative „Worldwide Candle Lighting“ geht zurück auf den amerikanischen Verein verwaister Eltern, den "Compassionate Friends". Sie wurde im Jahr 1996 – vor 20 Jahren – ins Leben gerufen.

+ Anfang 2013 gründete Kai Gebel aus dem hessischen Seeheim-Jugenheim die Initiative „Dein Sternenkind“. Sie bietet Erinnerungsfotos als ein Geschenk für Eltern, die entweder ein bereits totes Baby auf die Welt bringen müssen oder denen der Tod des Neugeborenen unausweichlich bevorsteht. Inzwischen besteht die Initiative aus über 630 Fotografen, die kostenlos ihre Zeit für die Familien zur Verfügung stellen. Den Eltern entstehen keine Kosten. Die Fotos werden per E-Mail zugesandt.
Kostenlos

Fotos halten die Erinnerungen an Sternenkinder wach.
Sandra Schmidt aus Gera arbeitet ehrenamtlich für das Fotografennetzwerk "Dein Sternenkind".

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