Wie eine Ballerina gedreht - Fahrsicherheitstraining der Bundeswehr

Auf eisglatter Fahrbahn - hier durch Wasser und entsprechenden Belag simuliert - dreht sich der Wolf bei einer Gefahrenbremsung aus 65 Stundenkilometern mehr als einmal um die eigene Achse.
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  • Auf eisglatter Fahrbahn - hier durch Wasser und entsprechenden Belag simuliert - dreht sich der Wolf bei einer Gefahrenbremsung aus 65 Stundenkilometern mehr als einmal um die eigene Achse.
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„Das war nix“, kommentiert Kai Gundermann die viel zu lasche Bewegung, die fast nur aus dem Fußgelenk kam. Der Ausbilder lässt sich vor geöffneter Geländewagentür und versammelter Mannschaft vorführen, wie eine Gefahrenbremsung aussehen sollte. Trockenübung im Stand. An der Bewegung müsse der gesamte Körper beteiligt sein. Und so kommt er nochmals auf die Dinge zu sprechen, die anfangs des Fahrsicherheitstrainings eine Rolle spielten: Sitzposition, Einstellen des Sitzes, Sicherheitsgurt. Und dann mit dem ganzen Körper gegen das Bremspedal stemmen. Und das vom ersten Moment an. „Schnell, hart und nachhaltig ins Pedal treten, selbst wenn die Räder blockieren“, erklärt Gundermann. Der Trockenübung folgt die Praxis auf nassem Asphalt. Anfangs mit 30, dann 40 und 50 Stundenkilometern. Ab 40 km/h beginnen die Fahrzeuge unüberhörbar mit ihren Fahrern zu „sprechen“: Die Reifen quietschen. Die zuvor von den Fahrern selbst aufgestellten Hütchen an dem Punkt, wo ihr Fahrzeug zum Stehen kommen könnte, machen deutlich, dass kaum einer seinen Bremsweg bei einer Vollbremsung genau einschätzen kann.

Quietschende Reifen sind für die Ausbilder der TÜV-Akademie GmbH Unternehmensgruppe TÜV Thüringen Alltag. Aber dass das Geräusch von bis zu acht Reifen, die an mattgrün-gefleckten Fahrzeugen montiert sind, gleichzeitig kommt, ist eher die Ausnahme. Seit Juni 2010 trainiert auch die Bundeswehr auf dem Gelände in Nohra. „Das Fahrsicherheitstraining ist fester Bestandteil unserer Kraftfahrerweiterbildung. Die Soldaten sollen die Gefahren erkennen und lernen, mit ihnen umzugehen. Jeder muss sein Fahrzeug im Gefecht beherrschen“, erklärt Major Heiko Kern, Technischer Stabsoffizier im Panzerpionierbataillon 701 Gera-Hein. Vier Tage ist das Bataillon mit täglich wechselnden Soldaten und ihren Fahrzeugen vor Ort.

Es sieht imposant aus, wenn der 15-Tonner-Faltfestbrückentransporter schlagartig in die Kurve geht, gefolgt von einer Vollbremsung. Das Problem dabei ist nicht nur das Gesamtgewicht von 32 Tonnen, sondern der hohe Schwerpunkt durch die Beladung. Ausbilder Siegwart Thorwirth kann deutliche Unterschiede bei den Soldaten feststellen. „Man merkt, wer schon öfter ein derartiges Training absolviert hat“. Nicht zu unterschätzen sei zudem die unterschiedliche technische Ausstattung der Fahrzeuge. Nur wenige in der überalterten Flotte – „dank“ der Sparmaßnahmen bei der Bundeswehr - haben ABS. Aber schlussendlich gilt es während des Trainings nicht, darüber zu trauern, sondern genau diesem Aspekt Rechnung zu tragen.

Ein Teil der Außenfläche des Fahrsicherheitszentrums nennt sich schlicht „Mehrzweckfläche mit Dynamikplatte und Gleitfläche“. Erstlingen treibt dieser Part durchaus Schweiß auf die Stirn. Hauptgefreiter Ronny Dextor war überrascht vom langen Bremsweg mit seinem 7-Tonner. Noch dramatischer gestaltet sich die Gefahrenbremsung, wenn man nur mit einer Fahrzeugseite auf glatter Fahrbahn unterwegs ist. Der knapp 9 Meter lange Lkw hat sich fast um 360 Grad gedreht. Drei Versuche hat der Zeitsoldat benötigt, seinen Lkw halbwegs in der Spur zu halten. Von der Wichtigkeit ausgehend, dies beherrschen zu müssen, meint Dextor, das dies bereits während der Fahrschule geübt werden sollte.

Auch am Hauptgefreiten Franz Christopher hätte wohl jeder Ballett-Choreograph seine Freude gehabt. Wie eine Ballerina hat sich sein Geländewagen Wolf auf der Gleitfläche gedreht: Bei 65 Stundenkilometern ohne Gegenlenken um 450 Grad. Auf der weiträumigen Fläche des Fahrsicherheitszentrums ist dies machbar. Im normalen Straßenverkehr mit Gegenverkehr: „Da heißt es natürlich vorsichtig unter solchen Bedingungen zu fahren. Runter mit dem Tempo!“, zieht Christopher sein persönliches Fazit.

Die TÜV Thüringen ist eine international tätige Unternehmensgruppe mit Stammsitz in Erfurt. Mehr als 1000 Mitarbeiter im In- und Ausland sorgen für die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit von Anlagen, Systemen und Prozessen in allen Wirtschaftsbranchen zum Vorteil der Kunden weltweit. In Mitteldeutschland ist der TÜV Thüringen mit acht großen Standorten in Thüringen und Sachsen sowie mit zahlreichen Kfz-Prüfstationen in Thüringen vertreten. Die TÜV Akademie GmbH, die das Fahrsicherheitstraining für die Bundeswehr organisiert hatte, ist Mitglied in der TÜV Thüringen-Gruppe. Sie ist deutschlandweit mit Seminaren aus den Bereichen Technik, Qualitätsmanagement, Sicherheit und Unternehmensführung aktiv.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.tuev-thueringen.de und www.die-tuev-akademie.de

Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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