BAJA300: Mit Lada Niva 300 Meilen durch den Tagebau

Marian Menzel (links) und Christian Becker starten dieses Wochenende mit dem Lada Niva, Baujahr 1988, bei der BAJA300, der größten Off-Road-Veranstaltung Europas, in einem aktiven Braunkohletagebau bei Leipzig.
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  • Marian Menzel (links) und Christian Becker starten dieses Wochenende mit dem Lada Niva, Baujahr 1988, bei der BAJA300, der größten Off-Road-Veranstaltung Europas, in einem aktiven Braunkohletagebau bei Leipzig.
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„Soll ich nicht doch lieber aufzählen, was noch original ist?“, gibt Marian Menzel zur Antwort auf die Frage, was an dem Lada Niva umgebaut wurde. Da hätte er nicht viel zu erzählen. Menzel ist ein Abenteurer. Fällt in seiner Gegenwart das Stichwort SUV, dann kommt er nicht mit Breitreifen, glänzenden Alufelgen, Chromzierleisten oder mattschwarzer Folierung ins Schwärmen. Sein Niva hat nicht viel mit den neumodischen Sport Utility Vehicle gemeinsam, die noch nie Schlamm unter den Rädern gesehen haben. Anstatt sein Hinterteil in einen Luxusledersitz zu platzieren und vor Biergartenpublikum zu flanieren, quetscht er sich lieber in seinen Sportsitz, schließt den Vier-Punkt-Gurt und lässt die Reifen quietschen. Stopp. Da quietscht kein Gummi auf Asphalt. Wenn er den Zündschlüssel herum dreht und Gas gibt, hat er nichts anderes als Geröll und Dreck unter den Rädern.

Dieses Wochenende geht Menzel erneut bei Europas größter Off-Road-Veranstaltung, der BAJA300 bei Leipzig, an den Start. 300 Meilen - das sind knapp 483 Kilometer - sind an zwei Renntagen in einem aktiven Braunkohletagebau bei Pegau über Stock und Stein zu meistern. Die BAJA300 Mitteldeutschland ist eine lizenzfreie Wettbewerbsveranstaltung für Enduros, Quads, Side-by-Sides, Geländewagen und Gelände-Lkw. Die Rallye besteht aus zwei Wertungsprüfungen, welche nach Roadbook gefahren werden und wo die Zeit in Kombination mit einer perfekten Navigation zwischen den einzelnen Check-Points über Sieg oder Niederlage entscheidet. Unter den Startern ist diesmal auch der Vorjahressieger der Dakar Gerard de Rooy.

Das hört sich nach einer harten Materialschlacht an. „Ist es auch“, bestätigt Menzel, der seinen Niva in den vergangenen Jahren schon öfter „weich“ gefahren hat. Die bis 2008 stattgefundenen Deutschen Vier-Stunden-Offroad-Meisterschaften für Geländewagen auf dem Offroad-Gelände Tollwitz, an denen er mehrmals teilgenommen hat, haben ihren Tribut gefordert. Aber so leicht lässt sich Menzel nicht entmutigen. Da wird die Karosserie eben wieder zusammengeschweißt und das Fahrwerk verstärkt. Mittlerweile hat der Niva ein 1700-ccm-Motor mit Doppel-Weber-Vergaser, der Zylinderkopf wurde abgeschliffen, die Ansaugkanäle vergrößert, die Schwungscheibe erleichtert. Neue Auspuffanlage, Getriebe mit geänderten Kugellagern. Verstärkte Hinterachse mit ZF-Sperre, Doppelstoßdämpfer, Geometrie der Vorderachsaufhängung verändert. Im Innenraum fehlt alles, was man für ein Rennen nicht benötigt. Dafür wurde die Ansauganlage nach drinnen verlegt. GPS-Navigation, Tripmaster.

Genau an dieser Stelle kommt der Beifahrer ins Spiel. „Der unnütze Sandsack, wie man so schön sagt“, scherzt Christian Becker selbst über sich. „Wir fahren auf Sicht. Wir kennen die Strecke nicht.“ Wenn er nicht „rechts“ oder „links“ ansagt, fährt Marian Menzel nur gerade aus. Orientiert wird sich anhand eines Roadbooks. Natürlich wird die Strecke zuvor gedanklich durchfahren. Derartige Vorbereitungen nehmen laut Christian mehrere Stunden in Anspruch. „Als Beifahrer ist es nicht einfach, bei 120 Stundenkilometer aus dem Fenster zu schauen und zu entdecken, wo es lang geht“.

Für Christian ist es die zweite BAJA300, für Marian bereits die fünfte. Die beiden haben sich gesucht und gefunden, sind ein eingeschweißtes Team. Und sie sind nicht so verwegen, von einer Teilnahme an der Dakar zu träumen. Lieber halten sie die Augen offen nach Off-Road-Veranstaltungen in Polen oder der Niederlande, schließlich werden dort keine utopischen Startpreise verlangt. Denn die könne man sich ohne Sponsoren als Normalverdiener (Christian ist Karosseriebauer und Marian Kfz-Mechaniker) niemals leisten. Aber bevor es vielleicht irgendwann mal zur MT-Rallye nach Polen geht: Hals und Beinbruch bei der BAJA300!

Mehr zur BAJA300 ist hier zu erfahren:

http://www.meinanzeiger.de/gera/themen/baja300.html

Autor:

Steffen Weiß aus Gera

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