Thüringer Hilfsverein schickt Praktikanten nach Afrika
Erlebnisreiche Zeit trotz tropischer Temperaturen und kalter Duschen

Melanie Ebert (rechts) mit Schwester Stephanie (links)  und Freundin Anna-Katharina im Kreise von Grundschülern, um die sie im Kongo betreut haben.
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  • Melanie Ebert (rechts) mit Schwester Stephanie (links) und Freundin Anna-Katharina im Kreise von Grundschülern, um die sie im Kongo betreut haben.
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Seit vielen Jahren engagiert sich der Thüringer Verein "Hilfe für die Menschen im Kongo" für Kinder in Afrika. Die Arbeit in den vom Verein betreuten Waisenheimen und Schulen wird auch durch Praktikanten aus Deutschland unterstützt. Derzeit ist noch ein freier Platz für einen sechsmonatigen Aufenthalt zu vergeben.

Verzicht kann befreiend, ja bereichernd wirken. Diese Erfahrung machte Melanie Ebert, als sie sechs Monate in der Demokratischen Republik Kongo lebte. „Man lernt dort, mit viel weniger zu leben und merkt sehr schnell, wie gut es geht “, resümiert sie. „Ich habe meine eigenen Werte überdacht.“

Geburtstagsfeiern und Pflanzendienst

Im Kongo hat die 22-Jährige als Praktikantin für den Thüringer Verein „Hilfe für die Menschen im Kongo“ gearbeitet. „Wir waren vor allem in der Grundschule des Vereins eingesetzt, haben die Mädchen bei den Hausaufgaben betreut, mit ihnen lesen geübt und viel gespielt“, beschreibt sie ihren Alltag in dem zentralafrikanischen Land. „Uns war es wichtig, eine Struktur in den Alltag der Kinder zu bringen“, erinnert sich Melanie Ebert. So haben sie einen Müll- und Pflanzendienst eingeführt und Geburtstagsfeiern organisiert. „Viele Kinder wissen ihr Geburtsdatum nicht. In den Kinderheimen des Vereins leben viele Waisen. Für sie wird der Tag festgelegt. Durch die Feier durften sie sich einmal als etwas Besonders empfinden.

Es sei die richtige Entscheidung gewesen, die Zeit zwischen Abitur und Ausbildungsstart am Altenburger Krankenhaus auf diese Weise zu verbringen. „Afrika hatte ich schon länger im Sinn. Als der Verein Praktikanten gesucht hat, habe ich mich beworben und bin froh darüber“, so die angehende Krankenschwester. Von Sommer 2015 bis Februar 2016 war sie zusammen mit ihrer Schwester Stephanie und einer Freundin im Kongo. Damit haben die drei eine Tradition begründet. Ihnen folgten zwischenzeitlich sechs weitere Praktikanten. Zwei neue sollen im Juli auf die Reise geschickt werden. Ein Platz dafür ist noch frei.

Ein Praktikum der Extreme

Wer sich für dieses Abenteuer entscheidet, den erwartet ein Praktikum der Extreme. „Extremes Klima, extrem notvolle Lebensverhältnisse, extrem viele Kinder und extrem weit weg“, formuliert es Jürgen Hauskeller, der den Verein mitgegründet hat. Melanie kann das nur bestätigen. Doch trotz alledem seien die Menschen freundlich und fröhlich. „Obwohl sie so viel weniger haben als wir, viel Leid erfahren mussten und oft nicht wissen, wie sie ihr Essen bezahlen sollen.“ Diese Unbeschwertheit hat sie beindruck. – Ebenso wie die Fantasie der Kinder. „Was wir als Müll ansehen, nutzen die zum Spielen, bauen sich auch Abfällen Puppenhäusern.“

„Wir haben über Handy Kontakt mit Zuhause gehalten. Man ist dort nicht abgeschnitten.“
Melanie Ebert

Wegen dieser offen herzlichen Art, zu der kein Klagen gehört, möchte sie die Zeit im Kongo nicht missen. Auch wenn sie über Monate hinweg kalt duschen musste, die Wäsche nur mit der Hand waschen konnte, das Essen oft gewöhnungsbedürftig war.

Vor allem Fufu und Reis mit Bohnen werden im Kongo serviert. An den Brei aus Maniok und Kochbananen mag sie sich nicht gern erinnern. Doch Reis mit Bohnen seien „superlecker“. Gern haben sich die jungen Frauen am Straßenrand Ananas, Mangos oder Bananen gekauft. „Und zur Not gibt es auch im Kongo Supermärkte mit einem großen Angebot.“

Verständigt haben sich Melanie und ihre Mitstreiterinnen mit den Kongolesen auf Französisch. Auch mit nur drei Jahren Schulfranzösisch sei sie gut zurecht gekommen. Wörter, die man täglich brauchte, hat sie schnell gelernt.

Heimweh kam nicht auf. „Ich hatte ja meine Schwester an meiner Seite.“ Etwas komisch sei es aber gewesen, Weihnachten bei tropischen Temperaturen zu feiern. „Doch wir waren die ganze Zeit mit den Kindern zusammen. Da kam kein Grübeln auf.“

Ebenso wenig hat sie um ihre Sicherheit gebangt. „Es ist wahrscheinlich überall auf der Welt gefährlich“, ist sie sich sicher. „Ich habe mich nie unwohl gefühlt.“ Dafür hat sie sich an zwei wichtige Regeln gehalten: „Wir waren nie allein oder im Dunkeln unterwegs.“

Wiedersehen ist im Sommer geplant

Für Melanie, Stephanie und Anna-Katharina ist nach dem Praktikum das Kapitel Kongo längst nicht abgeschlossen. Im Sommer wollen sie dort Urlaub machen und dabei viel Zeit mit den Mädchen in den Vereinsprojekten verbringen. Auch eine berufliche Zukunft kann sich Melanie Ebert – zumindest auf Zeit – in Afrika vorstellen. „Hauskellers planen ein Gesundheitszentrum“, erzählt sie. „Dort zu arbeiten, wäre eine Option.“

ZUR SACHE

Zum Verein
+ Der Verein „Hilfe für Menschen im Kongo“ wurde 2007 in Sondershausen gegründet. Die Idee dazu entwickelten Dr. Christine und Jürgen Hauskeller, die von 2002 bis 2006 im Kongo gearbeitet haben. Zuvor waren die beiden viele Jahre im Sondershäuser Raum als Pastoren tätig .

+ Finanziert über Spendengelder und Mitgliedsbeiträge unterstützt der Verein ein Kinderhaus in Kisenso sowie ein Kinderhaus und eine Grundschule in Maluku. In den Kinderhäusern leben, bis auf Ausnahmen, Mädchen. Kisenso und Maluku sind Gemeinden innerhalb der Hauptstadt Kinshasa, der drittgrößten Stadt Afrikas.

+ Der Verein plant zudem den Aufbau eines Gesundheitszentrums mit Entbindungsstation.

Zum Praktikum
+ Der Verein entsendet seit 2005 junge Menschen für ein sechsmonatiges Praktikum in seine Projekte nach Kinshasa.

+ Derzeit bereitet sich eine Abiturientin auf die Reise vor. Sie startet im Juli 2008. Ein weiterer Praktikumsplatz ist noch zu vergeben.

+ Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt und tropentauglich sein. Erwartet werden ausbaufähige Französischkenntnisse sowie die Bereitschaft, sich offen und besonnen auf eine ganz andere und zunächst fremde Welt einzulassen sowie liebevoll und geduldig mit Kindern umzugehen zu können.

+ Weitere Informationen unter www.hilfe-im-kongo.de unter „Praktikum“.

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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