Das Ende der Klosterzeit
... die erste Enteignung zu Reinhardsbrunn

Riss des Kloster-Gutes ca. 1660 ---
nach Abriss der Klausur und des Münsters - schon als Amt Reinhardsbrunn deklariert und nach dem ersten Schlossbau
  • Riss des Kloster-Gutes ca. 1660 ---
    nach Abriss der Klausur und des Münsters - schon als Amt Reinhardsbrunn deklariert und nach dem ersten Schlossbau
  • Foto: Archiv - gemeinfrei - Unbekannt
  • hochgeladen von Peter Köllner

Der prägende Bestandteil von Friedrichroda, auch noch in unserer Zeit, ist das Schloss Reinhardsbrunn mit seinem dazugehörigen Innen- und Außenpark.
Seit einigen Jahren schon ist man seitens des Landes Thüringen intensiv bemüht, das Areal einschließlich des Schlosses in Landeseigentum zu Überführen. Das Mittel der Wahl ist, auch immer wieder in den Medien publiziert, ein Enteignungsverfahren - die inzwischen vierte Enteignung zu Reinhardsbrunn. Es hat zum Ziel, das an unsere Generation überkommene Kulturgut wieder zu beleben. … ein Präzedenzfall allemal!

Der Weg in unsere Zeit begann schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts.
Lange Zeit schon vor der Reformation brodelte es im „gemeinen Volk“, als auch in den Kirchenkreisen selbst.

Den Bauern belasteten die harten Fronen erheblich und das arme Landvolk war erbittert, ob die Winkelzüge des immer mehr angewendeten römischen Rechts, was dazu beitrug, dass ihm die freie Weide, die Waldgerechtigkeit und die freie Fischerei genommen wurden. So sprach man hinter vorgehaltener Hand:

„Das edle Recht ist worden krank:
Dem Armen kurz, dem Reichen Lang“

Martin Luther selbst scheint aber die Tatsache, dass die leibliche Not im Volke größer denn der seelischen Not war, selbst nicht wahrgenommen zu haben. Als er von der „Freiheit der Christenmenschen“ sprach, war das ein willkommener Anlass für die geknechteten Zinsleute und Bauern sich dieser Gedanken zu bemächtigen, um ihre Not zu beenden.
Luther war lediglich angetreten die damaligen, verkrusteten Strukturen der katholischen Kirche mit den Ausuferungen im stetig wachsenden Ablasshandel zu reformieren. Das führt in Folge zur Herausbildung „neuer“ christlicher Konfessionen, zur Reformation in späterer Verbindung mit dem Protestantismus.
Im Jahr 1443 schon ersuchte der damalige Kurfürst Friedrich der Sanftmütige den Provisor von St. Severi in Erfurt ihm einen „tauglichen, gelehrten Mann“ zu senden. Er habe die Absicht zusammen mit einigen Prälaten und dem Abt von Bursfeld eine „Reformation“ des Klosters Reinhardsbrunn einführen zu wollen.
So richtig hat es jedenfalls nicht gefruchtet. Zumindest gibt es keine weiteren Hinweise darauf. In Folge waren alle Aktivitäten diesbezüglich nur Korrekturen von Äußerlichkeiten. Eine Reform aus dem Inneren heraus konnte, wie es das Wirken Martin Luthers eindringlich belegt, in dieser Zeit nicht gelingen. Erst äußere Zwänge veranlassten die katholischen Kirchenväter die katholische Kirche schrittweise zu reformieren.
Immer wieder gab es vor 1525 Anlass für das Aufbegehren der Friedrichröder und Waltershäuser gegen das Kloster.
Die Waltershäuser ließen so zum Beispiel das Wasser der Teiche (Aquakulturen) ab und zerstachen die Blasebälge der Schmelzhütte.
Am meisten erbitterte die Friedrichröder wohl die Einmischung in deren Angelegenheiten, dabei besonders die Beschränkung der Schenkgerechtigkeit (vergleichbar mit der Ausschankgenehmigung einer Gaststätte). Die Schenkstatt beanspruchte von jetzt ab der Abt zur Hälfte. Das Kloster hatte damals auch eine Schenke (Schankstube) an der Tenneberger Grenze, am Standort der heutigen Schauenburgmühle. So sollten sich von da an alle Männer von Friedrichroda allen Schenkens außerhalb des Wirtshauses enthalten. Als Ausgleich wurde versprochen, dass die Klosterschenke auf dem Abtsberg „abe“ sein, die Schenke zu Ernstroda dagegen wie vor alters dem Dorf zugehört. Mittels der Schenkgerechtigkeit generierten Dörfer einen Großteil der Einkünfte.
Auch das Verbot der Geflügelhaltung im Bereich der Bleichwiesen und am Bachlauf der dem Bleichen diente, stammt schon aus dieser Zeit.

Seinen Höhepunkt fand der Aufruhr gegen das Kloster von Reinhardsbrunn am 24. April 1525. Eine große Schar Bauern zogen von Eisenach und Hörselgau gegen Waltershausen. Viele der Bürger schlossen sich an, so dass ca. 800 an der Zahl schließlich gegen Nachmittag vor dem Kloster standen. Hier bekamen sie Hilfe von einem Knecht des Klosters, welcher der “Lange Hans“ genannt wurde, wodurch sie sehr schnell ins Innere der Klostermauern gelangten.

Seiner Funktion als Schutzherr wurde der Kurfürst “Johann der Beständige” nicht gerecht, gleichwohl schien ihm der Aufruhr gelegen gekommen zu sein. Seit 1513 regierte Herzog Johann einen Teil des Kurfürstentums von Weimar aus, wodurch die Stadt eine ständige Residenz des Herzogs wurde. Nach außen regierten er und sein Bruder Friedrich jedoch Kursachsen und die ernestinischen Teile Thüringens bis zum Tod Friedrichs 1525, der als älterer der beiden Brüder die Kurwürde innehatte, zusammen.

Die nach der Niederschlagung der Aufruhr verhängten Strafen flossen alle in die Schatulle des Kurfürsten, nicht aber in die Wiederherstellung des Klosterbetriebes von Reinhardsbrunn.
Der Kurfürst setzte gleichwohl einen großen Teil der Bar- und Naturaleinahmen zu mildtätigen Stiftungen, zur Aufbesserung der Gehälter der neuen Geistlichen und Schuldiener, zu Stipendien und dergleichen mehr ein.

Von einer Zerstörung des Klosters Reinhardsbrunn konnte keine Rede sein. Die Gebäude blieben fast unversehrt. Nur im Inneren wurde vieles verwüstet. Neben dem Einbehalt der Strafgelder, eignete er sich mittels „sanfter Gewalt“ gegenüber den aus dem Kloster vertriebenen Mönchen das Eigentum der katholischen Kirche an. Alles was die Klosterinsassen zuvor hatten vor den Bauern retten können, behielt der Landesherr ein. Den Mönchen wurde immer wieder die Rückkehr ins Kloster mit allen Mitteln verwehrt. Sie wurden mit Renten auf Lebenszeit ausgestattet, was bedeutete, dass sie aus dem Konvent auf Dauer ausscheiden musste. Sie durften auch in keiner Weise die katholische Glaubenslehre weiter praktizieren.

Am 17. September 1525 sah sich Abt Heinrich gezwungen eine Verzichterklärung zu unterschreiben, was meines Erachtens einer Enteignung entspricht. In dieser trat er das Kloster mit allen Gütern und Einkünften an den Kurfürsten ab
(Quelle: S. Löffler, Geschichte des Klosters Reinhardsbrunn, S.201).

Das Kloster Georgenthal und das Kloster Bonnrode ereilte das gleiche Schicksal, diese lagen ebenso wie Reinhardsbrunn im Hohheitsgebiet des Herzogs.
Das Kloster gehörte nun dem Kurfürsten von Sachsen. Jedoch wurde es nicht in ein fürstliches Amt eingegliedert, sondern bestand vorerst als Klostergebiet weiter. An seine Spitze trat ein Verwalter.
1527 wurde die Evangelisch-Lutherische Landeskirche gegründet, deren Landesbischof der Kurfürst war. Er gehörte 1529 zu den fürstlichen Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) auf dem Reichstag zu Speyer. Der 1531 zur Verteidigung der Reformation gegründete Schmalkaldische Bund der evangelischen Reichsstände stand unter Führung des Kurfürstentums Sachsen und Hessens. Alles Volk war gehalten sich zu der neuen Glaubenslehre zu bekennen – getreu der Redewendung: „Wessen Brot ich ess´, dessen Lied ich sing.“
Als sicher gilt meines Erachtens, das der Kurfürst aus den Wirren des Bauernkrieges ein Größtmaß an Profit gemacht hat.
Die im Klostereigen lebenden Menschen hatten keine andere Wahl, als sich ihm unterzuordnen. So gewann der Kurfürst an Gütern, Zinsen (Steuern) und Humankapital hinzu, sprich er konnte damit seinen künftigen politischen Einfluss ausweiten und sichern.
Aus dem ehemaligen Kloster wurde dann in Folge im Jahr 1547 das Amt Reinhardsbrunn. Ab dieser Zeit wurde der Abbruch von großen Teilen des Klosters, insbesondere der Klausurgebäude, des Kreuzganges und des Münsters mit den zwei, östlich und westlich, baulich mit dem Münster verbundenen Kapellen, betrieben. Die Gebäude, welche für die Verwaltung nützlich waren, wurden weiterverwendet. Spätestens mit dem ersten Umbau der Klosteranlage zum Schloss Reinhardsbrunn, in den Jahren von 1599 bis 1613 verschwanden die Türme des Münsters. Als Ersatz wurde am Standort der heutigen Schlosskirche die vormalige Schlosskirche errichtet.

Alle Ereignisse dieser Zeit hatten natürlich auch entscheidende Einflüsse auf die Orte die im Klostereigen standen, so auch auf Friedrichroda, das durch die Reformation eine neue Prägung erfuhr.
Zwischen Reinhardsbrunn, Friedrichroda und Altenbergen herrschte ein für die damalige Zeit, zumindest bis zum Ende des Klosters, reger Verkehr.
Der Baubeginn der heutigen evangelischen Kirche in Friedrichroda war noch vor dem Ende des Klosters im Jahre 1511, anstelle einer dort stehenden alten, baufälligen kleinen katholischen Kirche. Der Bau wurde erst Jahre später, schon während der Reformation fertiggestellt. Die Kirche zu Friedrichroda war bis 1525 Altenbergen, nicht aber dem Kloster Reinhardsbrunn zugeordnet.

Quellen:

S. Löffler, Geschichte des Klosters Reinhardsbrunn, Ulenspiegel-Verlag, Franz-Ulrich Jenstädt und SalzmannBuchhandlung Waltershausen

Bericht des Priors Listermann vom Oktober 1525, Thüringia Sacra S 292 ff.

„Thüringen“, in Wort und Bild, Thüringer Pestalozzivereine, Verlag Julius Klinckhardt Berlin, 1900, S 58 ff.

Autor:

Peter Köllner aus Gotha

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