Ein deutscher Humanist feiert Geburtstag
200. Geburtstag Enst II.

Luise von Sachsen-Coburg und Saalfeld mit ihren Kindern Albert und Ernst
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  • Luise von Sachsen-Coburg und Saalfeld mit ihren Kindern Albert und Ernst
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200 jähriger Geburtstag von Ernst II.:
– Ein Mensch und Humanist der unsere Geschichte prägte –

Ernst August Karl Johannes Leopold Alexander Eduard wurde am 21. Juni 1818 auf Schloss Ehrenburg in Coburg geboren. Dieser Tag ist in der nördlichen Erdhälfte der längste Tag des Jahres und wird auch als die Sommersonnenwende bezeichnet.

Er war der Sohn des Herzogs Ernst III. von Coburg-Saalfeld. Seit 1826 auch von Coburg und Gotha (seitdem wurde er Ernst I. von Sachsen–Coburg–Gotha genannt) und der Herzogin Luise, der einzigen Tochter des Herzogs August von Gotha-Altenburg.

Ernst der II. verstarb am 22. August 1893 im Jagdschloss Reinhardsbrunn.

Als er 8 Jahre alt war, kam es zur Lösung der Ehe seiner Eltern. Das trübte seine frühe Kindheit merklich. Durch die Trennung bedingt und den damaligen Rechten, die eine außereheliche Erziehung unterband, sah die Mutter ihre beiden Söhne nie mehr und verstarb 1831 in Paris.

Ernst vergötterte seinen Vater, als auch seinen Onkel Leopold, den späteren König von Belgien. Mit seinem einzigen, jüngeren Bruder Albert (geb. am 26. August 1819), dem späteren Prinzgemahl von Königin Victoria des Britischen Empires, fühlte er sich zeitlebens innig verbunden.

Ernst II. erfuhr eine umfassende Ausbildung, ebenso in mehreren Sprachen wie Latein, Englisch und Französisch, als auch im naturwissenschaftlichen Rahmen.

So wurde er in späteren Jahren zu einem Mäzen von Kunst, Musik und Wissenschaft in seinem Regentschaftsbereich. Er war eng mit Alfred Brem (Zoologe und Schriftsteller) bekannt und trug wesentlich dazu bei, Aspekte des Naturschutzes, wie wir sie heute kennen (z. B. Nabu), zu gestalten. Er trug unermüdlich dazu bei, wohl eine der größten Sammlungen für die Gothaer und Coburger Museen zusammenzutragen.

Alles in allem war Ernst der II. ein vorausschauender Regent. Er interpretierte die „revolutionären“ Stimmungen im aufstrebenden Bürgertum und versuchte mit einer Politik der „Deeskalation“ Unruhen in seinem Regentschaftsbereich beizulegen.

Eine kurze, wenn auch fragwürdige, Berühmtheit erlangte damals auch der kleine Ort Finsterbergen. Ein Putsch, der von dem Orte Finsterbergen aus geplant war, vereitelte der Herzog durch energisches Eingreifen. Kurze Zeit später schlug dann die Stimmung so zu seinen Gunsten um, dass nichts mehr zu befürchten war. Wie man heute so schön sagt: „Er schaute dabei den Menschen aufs Maul“. In einem Brief an seinen Bruder schrieb er damals: „Wir Fürsten wackeln sehr, da wir unter uns zu wenig Intelligenz, Muth und Verständnis des Zeitgeistes hatten“.

Durch Herzog Ernst II. wurde die Pressefreiheit hergestellt. Die Regierung seiner Herzogthümer erfolgte durch ihn nach den Grundsätzen vernunftgemäßer Aufklärung. Er verschaffte ihnen in Kirche und Schule Raum und Eingang. Nach ihm wurde das Gymnasium Ernestinum in Gotha benannt.

Er verfolgte mit großer Aufmerksamkeit die einsetzende deutsch-nationale Bewegung. Dabei musste er feststellen, dass bei der herrschenden Unklarheit und Zerfahrenheit des Frankfurter Parlamentes nicht viel daraus werden würde. Am 06. August, der zu einer öffentlichen Huldigung für die Frankfurter Centralgewalt werden sollte, mit dem Ziel, auf dass alle deutschen Truppen die schwarz-roth-goldene Cocarde anlegen sollten, veranstaltete er für die Bewohner des Herzogtums Gotha ein Volksfest auf dem Boxberg - unweit der Stadt Gotha.

Während seiner Regentschaft kamen die Umgestaltungsarbeiten an Schloss Reinhardsbrunn zum Abschluss. Die schon unter Ernst I. eingerichtete Hirschgallerie bereicherte Ernst der II., der zeitlebens auch ein passionierter Jäger war, um eine Vielzahl von Geweihen.

Einer der Höhepunkte während seiner Regentschaft war der Aufenthalt seines Bruders Alfred mit seiner Gemahlin Victoria – Königin des Britischen Empires - in Reinhardsbrunn, anlässlich deren Reise nach Coburg und Gotha am 27. – 28. August 1845. Hier schrieb Victoria die Worte:

„Nach dem lieben Rosenau ist es Reinhardsbrunn, dass mir mehr als alles gefällt. Ich wünschte mir genau hier mindestens eine Woche verbringen zu können.“

Diesen Wunsch konnte Ernst II., als Schwager der Königin, erst nach dem Tode seines geliebten Bruders Herzog Alfred, im Sommer des Jahres 1862 erfüllen. Damals weilte sie ganze sechs Wochen im Schloss Reinhardsbrunn.

Ein Hinweis auf die Wertschätzung von Ernst‘s Beitrag zur Einheit des Reiches findet sich auch in Anton von Werners bekanntem Gemälde „Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches.“

Wer mehr über Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha erfahren möchte, dem sei sein dreibändiges Werk „Aus meinem Leben und aus meiner Welt“ empfohlen.

Einige Sonderausstellungen erinnern ebenfalls in diesem Jahr an ihn, z. B. Schloss Friedenstein.

http://www.stiftungfriedenstein.de/ausstellungen-und-veranstaltungen/auf-expedition-nach-afrika-zum-200-geburtstag-herzog-ernsts-ii-von

Text: Martina Giese-Rothe/Peter Köllner

Luise von Sachsen-Coburg und Saalfeld mit ihren Kindern Albert und Ernst
Anton von Werner: Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches, 1871. Auf dem Podest ganz links in weißer Uniform Herzog Ernst II.
Quelle: wiki gemeinfrei

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