Serie: Mein Museum
Der Beginn aller Bachs liegt in Wechmar

Dieses Schriftstück belegt, dass Veit Bach 1619 in Wechmar gestorben ist und begraben wurde.
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  • Dieses Schriftstück belegt, dass Veit Bach 1619 in Wechmar gestorben ist und begraben wurde.
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Mit dem Bäcker und Müller Veit Bach  hat in Wechmar die weltbekannteste Musikerfamilie ihren Ursprung. Dr. Hans Hochberg, Vorsitzender des Fördervereins Bach-Stammhaus Wechmar e.V., lädt zum Rundgang ein.

Was gibt’s Musehenswertes?

Im Mittelpunkt steht bei uns Veit Bach, der älteste Vorfahre der weltberühmten Musikerfamilie. Der gläubige Lutheraner musste im 16. Jahrhundert aus religiösen Gründen flüchten und war damit einer der ersten Asylanten in Wechmar. Hier arbeitete er als Bäcker und Müller und spielte zum Zeitvertreib ein Zupfinstrument namens Cythringen.

Die ehemalige Backstube des Veit Bach aus dem 16. Jahrhundert, wo fast 400 Jahre Brot gebacken wurde, ist seit 1994 ein Museum. In der alten Obermühle entdeckten wir im Jahr 2000 bei Abrissarbeiten eine Bohlenstube. Hier befindet sich der eigentliche Ursprung der Musikerfamilie, denn Veit Bach erlernte im Takt des Mühlrades den Takt der Musik.

Wir zeigen in unserem Museum interessante Dokumente aus der Zeit von Veit Bach wie alte Bibeln oder das Buch „Der biblische Lustgarten“ von Pfarrer Michael Sachse. Dem Museum für Musikinstrumente in Leipzig haben wir die Leihgaben der Cythringen zu verdanken. Orgelbauer aus Waltershausen haben uns eine historische Orgelbauerwerkstatt ausgeliehen. Da wir mit der Familie Artmann zwei Generationen von Instrumentenbauern im Ort hatten, stellen wir ein paar ihrer wertvollen Violinen aus. Wir zeigen zudem Scherenschnitte der Köpfe späterer Bachgenerationen und Miniaturmodelle der anderen Wechmarer Bach-Wirkungsstätten.

Ihr liebstes Stück?
Mein Lieblingsstück ist der Sterbeeintrag von Veit Bach aus dem Wechmarer Kirchenarchiv - das erste Dokument überhaupt, das die Bach-Genealogen nachweisen können. Selbst Johann Sebastian Bach hat seinen Ururgroßvater in seiner Genealogie als Ursprung dieses weltgrößten Musikerstamms aller Zeiten benannt.

550 Familien im Scheunengiebel

Daran führt kein Weg vorbei:
Zum einen an der historischen Bohlenstube aus dem Jahr 1585 in der Veit-Bach-Mühle – die wohl älteste Sägegatterarbeit Thüringens. Zum anderen führt kein Weg vorbei am weltgrößten Bach-Stammbaum in unserem Innenhof. Am Scheunengiebel des Nachbarn sind 550 Bachfamilien verewigt. Obwohl hier viel Platz ist, hat er nicht ausgereicht. Nicht zuletzt am Cythringen: Dieser Vorgänger einer Laute war das erste Musikinstrument, mit dem die Bach‘schen Spielmänner gespielt haben.

Museumsrundgang:

Für den Rundgang muss man mit einer Stunde rechnen. Dann haben wir Lust geweckt – um in die Tiefe zu gehen, bräuchte man länger. Wir führen jede Gruppe – egal, zu welcher Uhrzeit sie sich angemeldet hat. Und wenn es am Silvesterabend um 19 Uhr ist. Das haben wir alles schon gehabt. Ich schlüpfe dann in die historische Bäckerkluft.

Durchs Haus können Besucher auch alleine gehen. In die Mühle geht es nur geführt. Die dritte Variante wäre, sich alle Bach’schen Wirkungsstätten zeigen zu lassen.

Das muss gesagt werden:
Unsere rührige Museumsmitarbeiterin Annett Bückinx bewirtschaftet das Haus, als wäre es ihr eigenes. So ein Engagement haben wir noch nie kennengelernt. Doch auch ohne unsere Ehrenamtler geht nichts. Wir bewirtschaften mit einem Förderverein das Haus für die Gemeinde, die den Großteil der Kosten übernimmt. Es gibt eine tolle Unterstützung, die aber nicht ganz ausreicht. Wir sind nur rund 50 Mitglieder. Aber weltweit hält das Bach-Netzwerk zusammen.

Ganz viele unserer Leihgaben gehören dem Wechmarer Heimatverein. Ohne sie hätten wir dieses Haus gar nicht zustande gebracht. Knut Kreuch hat nicht nur den Heimatverein gegründet, sondern auch die Pflege des Bach‘schen Erbes wieder aufleben lassen.

Bach zum Schmecken

Museum zum Mitmachen:
Anfassen kann man die meisten der wertvollen Ausstellungsstücke nicht. Bei uns kann man aber Bach hören: Wir haben zwei CD-Sondereditionen aufgelegt. Der Mühlentag bedeutet Bach zum Schmecken, denn wir bieten selbstgebackenes Brot und Kuchen an.

Museum zu Mitnehmen:
Wir pflegen das Bach-Erbe über CDs, Bücher, Fach- und Forschungsliteratur. In unserem Museumsshop gibt es Ernstes, Albernes, Kitsch und Schrulliges für Kinder und Erwachsene – von Keramik über Krawatten bis zu Babyschuhen. Es gibt auch ein Würfelspiel, bei dem man spielerisch die Bach’schen Wirkungsstätten in Wechmar kennenlernt.

Sind auch Kinder hier „museumsreif“?
Bei uns sind sie das. Wir führen Kindergartenkinder und Schulklassen. Wir haben in der Mühle einen Kommunikationsraum vom Feinsten. Hier erfährt man anhand von ein paar Graffitibildern in zehn Minuten alles Wichtige über die Bachs. Obwohl hier Platz für über 30 Leute ist, wird er leider viel zu selten genutzt.

Seit dem Jahr 2000 schreiben wir alle drei Jahre den mit 1000 Euro dotierten Veit-Bach-Preis aus – das nächste Mal wieder im kommenden Jahr. Jugendliche sollen sich künstlerisch mit Bach beschäftigen – egal, in welchem Genre. Was ich nie vergessen werde: Zwei Mädchen spielen am Flügel „Rivers Of Babylon“ und zeigen an einem Poster, wie ganze Tonsequenzen für diesen Welthit komplett von Bach geklaut wurden.

In sieben Sprachen

Museum For You:
Wir haben Besucher aus allen Herren Länder: aus Japan, den USA, Brasilien, Chile und ganz Europa. Franzosen waren schon mit Chören da. Besonderes Interesse haben die Niederländer, weil einige Bach-Familien in Holland gelebt haben. Die meisten Gruppen aus dem Ausland haben einen deutschsprachigen Reiseführer dabei. Wir bieten aber auch Guides in sieben verschiedenen Sprachen: Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch und Chinesisch.

Außer der Reihe:
Wir laden zum Oster- und Weihnachtsmarkt ins Museum und am Mühlentag in die Mühle ein. Zum Geburtstag von Johann Sebastian gibt es Ende März immer eine Bach‘sche Kaffeetafel.

Sonderausstellungen gibt es regelmäßig: Bei runden Geburts- oder Todestagen rücken wir einen aus der Familie in den Vordergrund - im kommenden Jahr ist beispielsweise der 400. Todestag von Veit Bach. Wir haben auch schon Weihnachtskrippen oder alte Mühlensäcke ausgestellt.

Zur Sache:
Bach-Stammhaus Wechmar
Bachstraße 4
99869 Günthersleben-Wechmar

Öffnungszeiten:
Dienstag und Donnerstag von 10 bis 17 Uhr (von Oktober bis März bis 16 Uhr)
Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr (von Oktober bis März bis 16 Uhr)
sowie nach Vereinbarung

Kontakt:
Telefon: 036256 / 22680
info@bach-stammhaus-wechmar.de
www.bach-stammhaus-wechmar.de

Alle Museen der Serie finden Sie hier als übersichtliche Karte und hier auf unserer Themenseite.

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