Serie: Hohe Kunst
Im „Wunder von Wechmar“ verschenkt Göttin Fortuna ihr schönstes Lächeln

Über den zehnmal zehn Meter großen Saal mit seinem sechs runden Fenstern und vier Türen wölbt sich eine in Stuck und Farben gehüllte Decke. In ihrer Mitte das Gemälde, aus dem Göttin Fortuna mit ihrer Fackel dem Betrachter entgegen lächelt.
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  • Über den zehnmal zehn Meter großen Saal mit seinem sechs runden Fenstern und vier Türen wölbt sich eine in Stuck und Farben gehüllte Decke. In ihrer Mitte das Gemälde, aus dem Göttin Fortuna mit ihrer Fackel dem Betrachter entgegen lächelt.
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Für diese wunderschönen Decken legen wir gerne ­unseren Kopf in den Nacken und werfen den Blick nach oben. Hinauf zur Decke des Rokokosaals im Wechmarer Landhaus Studnitz schaut Knut Kreuch, Vorsitzender des Wechmarer Heimatvereins.

Hinein gequetscht in einen langen Straßenzug, wo dicht an dicht die Häuser stehen und höher gelegen als die Wechmarer Sankt-Viti-Kirche, liegt mitten in der Hohenkirchenstraße ein unscheinbares Haus. Kaum einer der vielen Besucher vermutet von außen, was für ein Kleinod sich hinter der großen spitzgiebeligen, von drei Fenstern lichtdurchfluteten, Fassade verbirgt.

Am 23. Februar 1747 kauft der Gothaer Reisemarschall Hans Adam von Studnitz (1711-1788) von den Erben des Oberkonsistorialpräsidenten Ernst Salomon Cyprian dieses Haus und sofort beginnen umfangreiche Umbaumaßnahmen. Der hohe Beamte des Gothaer Hofstaates benötigt ein repräsentatives Haus für galante Feste. Herr von Studnitz holt wohl in den Feierabendstunden die an der Gothaer Orangerie beschäftigten Stukkateure Pietro Augustini und die Familie Güldner nach Wechmar. Sie gestalten, höchst wahrscheinlich mit dem Hofmaler Johann Georg Ritter, den wohl prächtigsten Rokokosaal auf dem Lande. Leider sind die Rechnungen zum Umbau des Hauses bis heute nicht auffindbar.

Grazile Feierstimmung

Über den zehnmal zehn Meter großen Saal mit seinem sechs runden Fenstern und vier Türen wölbt sich eine in Stuck und Farben gehüllte Decke. In ihrer Mitte das Gemälde, aus dem Göttin Fortuna mit ihrer Fackel dem Betrachter entgegenlächelt. Und es ist egal, aus welchem Winkel man sie anschaut: Ihre Augen sind immer auf ihr Gegenüber gerichtet. Sie umgibt sich in graziler Feierstimmung mit musizierenden, arbeitenden und eine Festtafel dekorierenden Genien. Der Stuck der Decke hebt plastische Figuren, wie Drachenköpfe und Roccalien hervor.

Der einst so prächtige Saal, mit seinen fein ziselierten Eckkartuschen, dem wertvollen Stuccolustro an den Wänden und den breiten Eichendielen war im Jahr 1891 bereits so verfallen, dass Prof. Paul Lehfeldt in seiner Kunstgeschichte Thüringens nur noch wenige Details der einstigen Schönheit aufzeigen konnte. So verfiel das Haus, das die Wechmarer „Rittersaal“ nannten.

Es ist dem Wechmarer Heimatverein e.V. zu verdanken, dass Göttin Fortuna heute wieder lachen kann, denn der Verein öffnete 1983 das Haus erstmals für die Öffentlichkeit, sensibilisierte die Bevölkerung und die Verantwortlichen für einen Erhalt. Nachdem der Ostflügel abgebrochen, Betonziegeln die Stuckdecke in die Knie zu zwingen drohten und der mittelalterliche Keller voll Beton gefüllt worden ist, entschlossen sich die Vereinsmitglieder 1998 zum Kauf des Hauses.

Rokoko-Hochzeit

In vielen unentgeltlichen Arbeitseinsätzen, mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, durch Spenden aus dem In- und Ausland sowie Förder- und Eigenmitteln schuf der Verein ein Meisterwerk der Denkmalkunst, was niemand vorher für möglich hielt und alle nur noch vom „Wunder von Wechmar“ sprachen.

Das dreihundertjährige Landhaus Studnitz in Wechmar ist heute Sitz vom Wechmarer Heimatverein e.V., und vom Thüringer Landestrachtenverbandes e.V. Der Rokokosaal wird gern genutzt für Trauungen, Empfänge und Konzerte.

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